Gesundheitsversorgung
Skandinavien und England als Vorbild – Patienten sollen bald zu Hause versorgt werden

Mit einem Pilotprojekt bringt das Notfall-Team des Universitätsspital Basel (USB) Patienten in deren eigene vier Wände. Damit kommen sie den steigenden Patientenzahlen entgegen.

Annika Bangerter
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Notfalleingang beim Universitätsspital Basel

Notfalleingang beim Universitätsspital Basel

Nicole Nars-Zimmer

Jedes Jahr muss das Notfallzentrum des Universitätsspital Basel (USB) ein Projekt lancieren, um die steigenden Patientenzahlen abzufangen. Denn die Infrastruktur bleibe, auch wenn über 2000 Personen mehr wie im Vorjahr den Notfall aufsuchen.

Das sagte dessen Chefarzt Roland Bingisser an der gestrigen Jahresmedienkonferenz. Bislang ging es vor allem darum, die Abläufe rascher abzuwickeln und die Patienten schneller den zuständigen Fachärzten zuzuweisen. Nun geht das USB einen Schritt weiter: Pflegefachpersonal des Notfallzentrums bringen ab diesem Juli Patienten nach Hause.

Konkurrenz am Standort Lörrach

Im Jahr 2025 soll in Lörrach ein neues Zentralklinikum mit 653 Betten in Betrieb genommen werden. Dazu kommen 120 Psychiatriebetten. Es entsteht aus einer Fusion der drei Krankenhäuser des Landkreises Lörrach in Schopfheim, Rheinfelden und Lörrach und des St. Elisabethen Krankenhauses, die derzeit insgesamt 2000 Mitarbeiter haben.

Das Zentralklinikum wird sämtliche medizinische Fachbereiche anbieten. Als Standort konnte sich Lörrach gegen Rheinfelden und Schopfheim durchsetzen. Das Parlament des Landkreises hat sich mit grosser Mehrheit dafür entschieden, weiterführende Verhandlungen mit der Stadt Lörrach aufzunehmen.

In Basel wird die Entwicklung mit Interesse verfolgt, da südbadische Privatpatienten wegbleiben könnten. Die Investition für das Zentralklinikum beträgt ohne Grundstückserwerb 239 Millionen Euro. (psc)

Bingisser rechnet mit drei Personen pro Tag, die dadurch die Nacht statt im Spital zu Hause verbringen. «Das Projekt richtet sich tendenziell an ältere Menschen, die gewisse Unterstützung brauchen. Sie konnten wir bislang auch bei leichteren Erkrankungen nicht einfach nach Hause schicken.»

Als Beispiel nennt er eine 75-jährige alleinstehende Person, die eine leichte Lungenentzündung hat. Nachdem die Untersuchungen im Notfallzentrum abgeschlossen sind und die Diagnose feststeht, begleitet eine Pflegefachperson die Patientin oder den Patienten nach Hause und installiert dort ein Notrufgerät.

Zugleich werde die Grundversorgung überprüft: Sind alle notwendigen Medikamente zu Hause? Ist der Kühlschrank gefüllt? Daneben organisiere das Notfall-Team die Spitex für den nächsten Tag und informiere den Hausarzt, sagt Bingisser.

Patienten und Gewinn steigen an

Für die Versorgung in den eigenen vier Wänden rechnet der Chefarzt mit einem zeitlichen Aufwand von etwa einer Stunde pro Person. Bingisser sagt, das Modell der «notfallbasierten Übergangspflege» gäbe es erst in England und Skandinavien. An der Medienkonferenz wurde der Anstieg der Patienten im stationären (+ 4,6 Prozent) und im ambulanten Bereich (+ 10 Prozent der verrechenbaren Tarmed-Taxpunkte) aber auch als ein Grund für das «erfolgreiche Geschäftsjahr» angeführt.

Weiter hätten ein «striktes Kostenmanagement» und höhere Tarife dazu geführt, dass das Unispital 2016 seinen Gewinn um 6,1 Millionen auf 13 Millionen fast verdoppelt hat. Auch der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um knapp 41 Millionen auf 1,074 Milliarden Franken.