Uni Basel
Skuba-Austritt: Die Studenten werden an die Urne gebeten

Die Skuba, die Studentische Körperschaft der Universität Basel, will aus ihrem Dachverband VSS austreten. Nun provozieren Studierende eine Abstimmung.

Lukas Meili
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Die Juso Basel-Stadt und Basellandschaft hatten gemeinsam mit der Fachgruppe Geschichte das Referendum gegen den Austritt der Skuba aus dem Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) eingereicht.

Die Juso Basel-Stadt und Basellandschaft hatten gemeinsam mit der Fachgruppe Geschichte das Referendum gegen den Austritt der Skuba aus dem Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) eingereicht.

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Im Sidney Lumets Filmklassiker «12 Angry Men» aus dem Jahr 1957 muss eine Geschworenenjury bei schwülheissem Wetter in einem engen Raum ausdiskutieren, ob ein junger Puertoricaner zum Tod verurteilt werden soll. Zwar ging es am Dienstagabend in der Basler Uni nicht um Leben oder Tod, aber heiss und stickig war es auch im Kollegienhaus, und ebenso hitzig die geführten Diskussionen.

Nach geschlagenen drei Stunden und vier Minuten kündigte die Studentische Körperschaft (Skuba) ihrer Dachorganisation, dem Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS), abermals die Mitgliedschaft. Jetzt sollen alle 13'000 Studierenden über den Austritt abstimmen. Was ist die Vorgeschichte dieses verzwickten Falls?

Es geht ums Geld

Wegen ihres gescheiterten Beizenprojekts «Caffè Bologna» steht die Skuba bei der Uni Basel derzeit mit rund 360'000 Franken in der Kreide. Anfang März beschloss sie deshalb den Austritt aus dem VSS, einem Dachverband, der gemäss Eigenbeschrieb die Interessen der Schweizer Studierenden auf nationaler und internationaler Ebene vertritt. Mit dem Austritt sollten jährlich mehrere zehntausend Franken an Mitgliederbeiträgen eingespart werden.

Ein Referendumskomitee aus Studierenden der Fachgruppe Geschichte und den Juso beider Basel sammelte in der Folge über 500 Unterschriften und verlangte eine Wiederholung der Abstimmung. Wie im Film über die amerikanischen Geschworenen schienen die Meinungen auch beim Basler Studierendenrat bereits gemacht, als das Geschäft am Dienstag erneut diskutiert wurde. Die VSS-Mitgliedschaft koste viel und nütze nichts, sagte etwa Thibaut Meyer von der Jus-Fakultät, Urheber der Austrittsforderung. Lisa Liebhart, Studentin der Gesellschaftswissenschaften, doppelte nach, dass der VSS oft als «heilige Kuh» gehandelt werde, eine «Monopolstellung» habe und «Anliegen der Skuba häufig ignoriert».

Es geht um Politik

Man spare sich das Geld für den Einsitz lieber, dann liege man auch nicht den anderen Universitäten auf der Tasche, schloss der Medizinstudent Raphael Heuzeroth. Denn diese subventionieren aus Solidarität den laufenden Jahresbeitrag der Skuba.

Auf der anderen Seite standen das Referendumskomitee und ein kleines Grüppchen Studierendenratsmitglieder aus der Phil-I-Fakultät, die weniger den Verlust an Geld, sondern vielmehr jenen an politischem Gehör betonten: «Mit dem Austritt werden die Verbindungen zur nationalen und internationalen Ebene gekappt», sagte etwa Jennifer Burri, Präsidentin der Fachgruppe Geschichte. Ähnliche Bedenken äusserte Soziologie-Student Kevin Saladin. Und laut Mirko Lischer von den Baselbieter Juso dürfe die Skuba nicht zu einer blossen «Dienstleistungsgesellschaft für Studierende» verkommen – sie sei deren politische Vertretung.

Am Rand, gewissermassen auf der Anklagebank, sassen indes die beiden Mitarbeiterinnen der VSS-Geschäftsleitung. Der Verband sei hochgradig intransparent, wurde ihnen etwa vorgeworfen. Er gehe mit seinen Mitteln nicht haushälterisch um und vertrete oft linkspopulistische Meinungen.

Die beiden jungen Frauen nahmen sachlich Stellung zu Vorwürfen, ertrugen stoisch den oftmals schroffen Ton – und konnten die Mitglieder des Studierendenrats doch nicht überzeugen. Anders als im eingangs erwähnten Film erhielten sie keinen Freispruch: Mit 20 zu 4 Stimmen wurde erneut der Austritt beschlossen.

Entscheidung an der Urne

Doch damit ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Am Mittwoch liess das Referendumskomitee per Medienmitteilung verlauten, dass es nun eine Urabstimmung verlangen wird – dies ist gemäss den Statuten der Skuba möglich. Innerhalb der nächsten sechs Monate werden nun alle der rund 13'000 Studierenden der Uni Basel an die Urne gebeten. «Das Komitee wird dabei zusammen mit allen beteiligten Organisationen und Studierenden eine Kampagne starten, um eine möglichst breite Mobilisierung der Studierendenschaft zu ermöglichen», heisst es in der Mitteilung.