Seit 19. Juli, also seit einem Monat, fliegt Skywork Airlines von Bern über Basel zum London City Airport. Wie sieht die Nachfrage aus?

Martin Inäbnit: Sie liegt über unseren Erwartungen. Die Auslastung beträgt rund 48 Prozent. Interessanterweise hatte es auf den ersten Flügen mehr Berner als Basler. Wir erwarteten das Umgekehrte. Die Nachfrage ist jetzt etwa 50:50, aber Basel legt klar zu. Wir müssen berücksichtigen, dass die Zeit, diese Verbindung aufzusetzen, extrem knapp war. Deshalb gab es auch wenige Vorausbuchungen. Zweitens gab es unliebsame Überraschungen. Weil wir im Moment noch ein etwas veraltetes Buchungssystem haben, war es zunächst technisch nicht möglich, in Basel zusteigende Passagiere zu buchen. Das jedoch war genau der Sinn, weil der Flug von Bern über Basel nach London City geführt wird. Es gab auch eine kleine Panne, als Passagiere auf dem Rückflug nach Bern bereits in Basel ausgestiegen sind.

Warum haben Sie sich nicht mehr Zeit gelassen?

Es war dringend nötig, so rasch wie möglich zu beginnen, damit keine zu grosse Zeitspanne zwischen dem Ende der Flugverbindung der Swiss und unserer neuen Linie entsteht. Wir wollten nicht riskieren, dass die Passagiere nach Zürich abwandern. Wegen der Risikominderung haben wir mit nur einem täglichen Flug begonnen. Es war ja auch Ferienzeit, während derer die Nachfrage eher tief ist. Wir waren sehr lange im Ungewissen, wie lange die Swiss noch fliegen wird und ob eine Ersatzlösung kommen wird.

Dann musste es schnell gehen…

Der erste Kontakt, den ich mit dem Euro-Airport-Chef Jürg Rämi hatte, war vor Auffahrt, rund zwei Monate vor dem ersten Flug, einen Monat danach war der Flug bereits buchbar. Es passierte alles Schlag auf Schlag. Als wir beim Flughafendirektor waren, wussten wir noch nicht einmal, mit welchem Flugzeugtyp wir die Strecke bedienen würden. Der Flughafen hat aber sehr schnell gehandelt und uns historische Zahlen bis zu den letzten Flügen zu dieser Verbindung geliefert. Der Euro-Airport war sehr hilfsbereit, auch was das Marketing betrifft. Er hatte schon beim ersten Treffen ein Paket geschnürt – gratis. Beispielsweise mit Werbung auf Gepäcktrolley-Parkständer und Parkplatztickets, etc. Heute ist alles umgesetzt. Fantastisch.

Warum ist Basel-London City so attraktiv?

Der Geschäftsverkehr macht auf dieser Strecke gemäss Umfragen rund zwei Drittel aus. Geschäftskunden akzeptieren höhere Tarife. Der zweite Grund, warum Basel für uns attraktiv ist, liegt beim Passagiermix Outgoing-Incoming. Es sind etwa gleich viele Passagiere, die in Basel und in London Ursprungsdestination haben. Basel ist in London bereits auf der Karte. Wir haben dort jetzt neu einen Verkaufsagenten unter Vertrag. Weiter wissen wir, dass Swiss praktisch nie unter 50 Plätzen pro Flug verkauft hat. Und wir fliegen diese Destination mit einem Saab 2000, einem 50-Plätzer. Aber trotzdem, ganz ruhig bin ich noch nicht, denn auch 48 Prozent Auslastung ist noch viel zu wenig.

Ab ersten September fliegt Skywork zwei Mal täglich…

Ja, damit ist die Kapazität gerade doppelt so hoch. Eine Herausforderung – anstelle 100 Tickets müssen 200 Sitze täglich verkauft werden. Wir müssen unser Marktgebiet ausweiten, beispielsweise Richtung Westschweiz, wo wir noch viel zu wenig bekannt sind, und natürlich in der Region Basel mit dem Einzugsgebiet aus dem ganzen Dreiländereck.

Wird Skywork Airlines auch noch andere Destinationen via Basel anbieten?

Ja, das ist durchaus möglich. Es muss in unser Geschäftsmodell passen und nicht von anderen Airlines angeflogen werden. Die Saab muss auch anderweitig eingesetzt werden können. Über die Mittagszeit fliegen wir mit dieser Maschine ab Bern andere Destinationen an, für welche die 31-plätzige Dornier etwas klein ist, so etwa Mallorca. Dort können wir wegen der kurzen Reichweite, bzw. Zuladung der Dorniers nur 28 Plätze verkaufen. Zum Teil fliegen wir heute schon mit dem 50-Plätzer am Abend von Bern nach Hamburg oder Berlin. Den Mittagsflug brauchen wir auch wegen der Auslastung der Crews und des Mechanikers, der für den täglichen Unterhalt, die Line Maintenance, zuständig ist. Ein Flugzeug darf nicht herumstehen. Die Saab ist insofern gut, weil sie noch leicht schneller ist als die Dornier. Somit können auch mit der Saab pro Tag drei Zielorte angeflogen werden.

Eine neue Destination könnte Köln-Bonn sein. Diese fliegt Skywork ja schon an.

Bern – Basel – Köln mit der Saab 2000? Könnte sein, ich schaue dann später mal in die Kristallglaskugel …

Sind die Dorniers nicht zu klein?

Zu klein und auch die Reichweite ist zu gering. Ausser München und Köln liegen alle Destinationen nahe an ihrer Leistungsgrenze, besonders bei guter Auslastung. Die Dash-8 mit 70 Sitzen, die Skywork zuvor betrieb, war von ihrem Range her geeignet aber vom Sitzplatzangebot her zu gross. Besonders im Winter, wenn die Nachfrage tiefer ist. Wir müssen mit einem Flugzeug das ganze Jahr abdecken können. Deshalb gingen sie auch an die Leasingfirma zurück, respektive zu Air Berlin. Zurück zu den Dorniers: Auf die Flotte kommen grössere Revisionsarbeiten zu. Zwei Triebwerkrevisionen kosten zum Beispiel 1,6 bis zwei Millionen Franken. Das übersteigt teilweise den Restwert des Flugzeuges. Das ist der Grund, weshalb die Dorniers weg müssen.

Sie setzen wohl auf Saab, die zwischen der Dash und der Dornier liegt?

Ja, Sie sagen es.

Wenn es denn solche gäbe.

Richtig, aber da können wir derzeit nichts dazu sagen. In ein paar Wochen wissen wir mehr. Aber: Wir hätten dann fast die doppelte Sitzkapazität in der Flotte. Und diese müssen wir verkaufen können. Bern hat ein kleines Hinterland, es gibt wenig Grossfirmen oder Banken. Richtung Osten können wir nicht expandieren, da sind wir nahe bei Zürich und Basel. Die Westschweiz ist für uns attraktiv, für dieses Gebiet haben wir jetzt neu eine zusätzliche Mitarbeiterin französischer Muttersprache im Verkaufsteam. Und dann gibt es die Option Basel, in Verbindung mit Bern. Wir brauchen in Basel deshalb auch eine Verkaufsvertretung.

Und es braucht wahrscheinlich nochmals Geld?

Ja. Und wahrscheinlich werden wir wie heute vielfach üblich, die Flugzeuge als Aktiven in eine von der betrieblichen Tätigkeit abgetrennte Firma einbringen. Dieses Modell ist vom Risiko für den Investor eher gangbar. Andererseits ist die Finanzierung der Betriebsgesellschaft schwieriger geworden.

Die Dornier scheinen eine Achillesferse zu sein. Wurden Sie nicht gezwungen, diese zu kaufen?

Sagen wir so: es war nicht geplant. Wir hatten sie eingemietet, inkl. Wartung pro Flugstunde zum Fixpreis. Der ehemalige Aktionär Borer wollte aussteigen, die Flugzeuge verkaufen und die Verträge auflösen. Dann wär Skywork Airlines ohne Flugzeuge dagestanden. Den Kaufvertrag unterzeichneten wir am 31.12.2013, weil dann alle fünf Flugzeuge hier in Bern waren. Das Problem war, dass für den Unterhalt keine Rücklagen gebildet worden waren. Wir müssen heute die unplanbaren Unterhaltsarbeiten direkt aus dem Betriebsergebnis entnehmen.

Was haben Sie angetroffen, als sie zur Skywork Airlines stiessen?

Im Februar 2014 holte mich der Verwaltungsrat als externen Berater und ich habe relativ rasch feststellen müssen, dass das Haus brennt. Im April/Mai vor einem Jahr war ich dann kurz davor, den Stecker auszuziehen. Die Firma hatte wegen der mangelhaften Finanzierung Auflagen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt bekommen, und sie hatte deshalb nur eine bis Oktober 2014 befristete Betriebsbewilligung. Die Auflage war, dass man einen Businessplan und die Refinanzierung vorweisen konnte. Die Firma musste den Sommerflugplan 2015 vorlegen und die 70-plätzigen Dash ausflotten. Das Geld musste physisch vorhanden sein. Das Schreiben der Behörde war mir zuerst vorenthalten worden. Das war völlig unglaublich.

Haben Sie auch schon Firmen saniert?

Ja, aber ich habe noch nie eine in einem solchen Zustand angetroffen. Laufend kamen neue Dinge zum Vorschein. Beispielsweise war eine renommierte Zürcher Kanzlei mit der Sicherung der Markenrechte beauftragt. So sind wir etwa im Sudan markenrechtlich eingetragen. Und in Andorra auch. Das hat Unsummen gekostet, für nichts! Dafür war das Buchungssystem völlig mangelhaft, ebenso die IT. Eine IT ohne Dokumentation, ohne saubere Back-up-Systeme und veralteten Firewalls: ein Killer in unserem Business. Das alles haben wir jetzt geändert, aber trotzdem arbeiten wir teilweise immer noch an Altlasten. Aber wir dürfen nicht nur die Einsparungsseite betrachten, jetzt müssen wir investieren und auch die Ertragsseite verbessern.