Fasnachts-Romantik

S‘Läggerli bietet witzige Höhepunkte und kleine Gänsehaut-Momente

Es ist der Albtraum für Fasnächtler: Am Sonntag vor dem „Morgestraich“ am Ferienort eingeschneit zu sein. Familie Keller muss sich diesem Horrorszenario am diesjährigen „S‘Läggerli“ stellen: Kurzerhand organisieren sie einen „Morgestraich“ im Hotel. Den Auftakt macht neben einer Piccologruppe gleich das aus der letzten Ausgabe bekannt gewordene „Morgenstraich-Lied“. Nach diesem ersten Gänsehaut-Moment haben es die nächsten Nummern schwer. Sie leben vom Wortwitz zwischen den Kellers, Fredy (Patrick „Almi“ Allmandinger), Gritli (Priska Caccivio) und Babbe Ueli (Rolf Boss), und einem Griff in die Retortenkiste: „Z’Basel dien si Grääbe graabe“ von Megge Buser, der nichts an Aktualität eingebüsst hat.

In Fahrt kommt das „S‘Läggerli“, als der Schönheits- und Fitnesswahn auf die Schippe genommen wird. Die Animateurin (Caccivio), die mit Anglizismen um sich wirft und ihren „Body“ fit trimmt und so Babbe Ueli zum Mitmachen ansteckt. Musikalisch hat das „S‘Läggerli“ einiges zu bieten. Die beiden Musiker Wolfgang von Dechend und Reto Schäublin sorgen für Kribbeln, Schwelgen oder Emotionen beinahe gleichzeitig. Sie ergänzen auch das „Guggemusik Huus-Ensemble“. Von Dechend am Klavier und Schäublin am Saxophon (über)spielen die Pausen zwischen den Nummern elegant. Caccivio singt träumerisch von den Chaisen und Almi gibt ein Loblied auf den Laternenmaler. Beide Lieder lassen die Fasnachts-Romantik hochleben. Imposant dann die Treichlergruppe, die „Heidi“ und Fasnachtsmärsche zusammen mit einem Tabour und Pfeifer intonieren: eine Mischung zwischen den Bräuchen aus dem eingeschneiten aber fiktiven Bündner Dorf und der „drey scheenschte Dääg“.

Es regt die Aktiven zum Nachdenken an, als Frau Fasnacht persönlich auftritt und sie ins Gebet nimmt. Die Waggis intrigierten nicht mehr richtig und die Comité-Mitglieder seien nur noch „Faschings-Juristen“. Sie droht mit dem Entzug der Fasnacht, wird aber weich, als sie sieht, wie die Kellers sich um einen Morgestraich im Exil bemühen.

Eine weitere eher ernste Nummer ist dem Klimawandel und dem Abfallproblem in den Bergen gewidmet. Caccivio und Boss brillieren als Murmeli, die eine „Murmeli for Future“-Demonstration wagen und „#Murmeli first“ fordern. Ein Höhepunkt und zweiter Gänsehaut-Moment ist Almis Auftritt als „HD Läppli“. Die Nummer, die Regisseurin Sabina Rasser (Tochter von Alfred Rasser) für Almi aktuell getextet hat, versetzt das Publikum Jahrzehnte zurück. Almi imitiert den Läppli mehr, während Gilles Tschudi, der ihn in einer Neuauflage im Fauteuil spielt, ihn neu interpretiert. Trotzdem überzeugt „HD Almi“ und erntet einen grossen Zwischenapplaus. Der Komiker zeigt viele seiner Fähigkeiten auch in den anderen Nummern: Als er mit kleinen Ski einen Marsch „hüpft“ oder eine komplette „Top Secret-Nummer“ interpretiert und so einem anderen Hotelgast das Basel Tattoo erklärt. Schlussendlich ziehen die Hotelgäste in weissen Bademänteln (Kostüme) und Plastikeimern (Larven) vor der Réception durch und zelebrieren einen Morgestraich.

Der „rote Faden“, der das letztjährige „S‘Läggerli“ so spannend machte, ist dieses Jahr etwas dünner geworden. Dafür überzeugen die einzelnen Nummern mehr. Es gibt immer mal wieder den einen oder anderen politischen Witz, aber das „S‘Läggerli“ ist nicht angriffig oder bissig. Einzig Regierungsrat Hans-Peter Wessels kommt immer wieder an die Kasse. Das Premierenpublikum war begeistert und dankte es mit einer stehenden Ovation.

„Drey Dääg anderscht“, so der Untertitel, läuft noch  bis zum 22. Februar im Theater Scala.

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