Laurin Buser, auf Ihrer Homepage weisen Sie mit wirren Fragen auf Ihr neues Programm «Earth Shaking» hin und wollen wissen, wer daran schuld sei. Der Apfel? Die Politik? Die Amerikaner? Der Computer? Ist der Auftritt genauso wirr oder gibt es einen roten Faden?

Laurin Buser: Wirr ist der falsche Ausdruck. Der rote Faden ist, dass ich mit Sascha F., der mich mit der Gitarre durch das ganze Programm begleitet, von einem Thema zum nächsten gehe. Wir erzählen keine ganze Geschichte, denn jeder Text ist eine Geschichte in sich. Als roter Faden könnte man auch die Art und Weise, wie wir die Themen verbinden, sehen. Ich slame oder rappe so, wie ich mit meinem Umfeld spreche.

Was ist die Kernaussage, die Sie den Zuschauern mit «Earth Shaking» auf den Weg geben?

«Earth Shaking» heisst auf Deutsch welterschütternd – das Wort finde ich an sich schon geil. Aber es geht mir darum, grosse Themen nicht pathetisch, sondern poetisch rüberzubringen. Ich spiele auf der Tabourettli-Bühne neben Slam Poetry auch Musikkabarett und Rap. Musikbegleitung zum Beispiel funktioniert bei einem Slam ja nicht.

Dafür fehlt beim Auftritt die Zeit.

Beim Slam muss man in wenigen Minuten eine Dramaturgie aufbauen. Spielt man ein mehrstündiges Programm, muss die Dramaturgie den ganzen Abend anhalten. Das ist der Unterschied und die Schwierigkeit.

Wie entstehen Ihre Texte?

Zuerst kommt mir ein Gedanke, den ich weiterspanne. Irgendwann habe ich eine Idee und ich fange an, einen Text darum zu bauen. Ich denke mir also nicht eine Geschichte aus und interpretiere dann einen Gedanken hinein, sondern umgekehrt.

Schreiben Sie die Texte ebenso schnell, wie Sie sie vortragen?

Alles, was ich auf die Bühne trage sind eigene Erfahrungen. Aber der Prozess von der Idee bis zum Stift in der Hand kann bis zu einem halben Jahr dauern.

In Ihr neues Programm bringen Sie im Vergleich zu Slam-Poetry-Auftritten viel Musik ein. Fällt es Ihnen leicht, zu einer Gitarre oder einem Schlagzeug zu rappen?

Natürlich ist bei einem Slam-Text die Machart anders als bei einem Rap. Bei Slam Poetry kann man mit den Worten machen, was man will. Dass der Text aber zur Rhythmik der Musik passt, ist schwieriger. Sascha F. ist mir gegenüber sehr kritisch, und so kann ich viel von ihm lernen.

Sie sind deutschsprachiger Ü20-Europameister im Poetry Slam. Sie haben also schon einiges erreicht in Ihrer noch jungen Karriere. Steigt so der Druck, perfekte Aufführungen präsentieren zu müssen?

Durch den Titel steigt der Druck nicht. Dass ich Europameister bin, wissen nicht viele, weil es sich nur um einen Slam-Titel handelt. Aber natürlich möchte ich mich in meiner Leistung bestätigen und toppen. Dazu braucht es Veränderung, was im neuen Programm eben mit der musikalischen Unterstützung passiert. Ich muss mich weiterentwickeln.

Mit Ihren Auftritten feiern Sie Erfolge, denn Sie haben neben dem Ü20-Europameister-Titel etliche andere Preise gewonnen. Steigt Ihnen die Anerkennung in den Kopf?

Das ist gar nicht möglich. Beim Poetry Slam kann es passieren, dass man in einer Halle von 1000 Zuschauern «gerockt» wird und kurz darauf an einem kleinen Slam von einem Neuling, der zum ersten Mal auf der Bühne steht, aus dem Rennen geschmissen wird. Oder umgekehrt.

Sind Sie heute noch nervös vor Auftritten?

Nicht mehr so stark wie früher. Natürlich bin ich jetzt vor der Premiere im Tabourettli nervös. Aber diese Nervosität ist nicht mehr behindernd, sondern gibt mir Adrenalin.

Ihre Leidenschaft gehört Slam Poetry, jetzt spielen Sie aber «Earth Shaking» im Kleintheater. Verlagert sich ihre Passion in Richtung abendfüllender Programme?

Ich mache beides gerne. Der Slam rentiert sich finanziell natürlich überhaupt nicht. Deswegen steigen viele nach drei Jahren aus der Szene aus. Ich nehme seit fünf Jahren an Slam-Wettbewerben teil, weil es mir Freude bereitet. Zudem ist das Publikum dankbar, weil es Slam liebt. Im Kleintheater muss man um die Gunst der Zuschauer kämpfen. Häufig sind ja ältere Leute darunter, die auf mich anders reagieren. Das macht die Sache sehr spannend.

Earth Shaking Slam Poetry, Musikkabarett und Rap. 4. bis 7. und 11. bis 14. Januar, 20.00 Uhr im Tabourettli.

www.laurinbuser.ch