Nicht nur der Veranstaltungsort ist sakral: Am «Preacher Slam» treten am Freitag drei Pfarrer gegen drei Poetry-Slammer an. Der Dichterwettstreit, sonst in weltlichen Hallen ausgetragen, wird in die Matthäuskirche verlegt. Wer im Lauf seines Lebens schon eine oder mehrere Predigten gehört hat, kann an deren Unterhaltungswert durchaus Zweifel haben. Wer schon den einen oder anderen Slam verfolgt hat, erwartet, dass die Fetzen fliegen. Slam-Texte gegen Bibelzeilen – kann das gut gehen?

Für Gottes Wort gelten Regeln

Ob das Neue Testament nun fetzt oder nicht – in der Matthäuskirche treffen geübte Redner aufeinander, je zwei zu einem Thema. Wer in die Endrunde gelangt, kann Thema und Text selbst wählen. Die Kirchenvertreter müssen sich dabei vor allem kurzfassen. Ein Slam-Poetry-Beitrag darf maximal sechs Minuten dauern.

«Ich war noch nie auf einem Slam», gibt Martin Dürr, Co-Leiter des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft beider Basel, zu. Zusammen mit Nicole Häfeli, Pfarrerin in Oberwil, und Jürg Scheibler (ERK Basel-West) wird er Gottes Wort verteidigen. Die Regeln kennt er inzwischen, etwas nervös ist er auch. «Ich bin ja selbst schuld», sagt er humorvoll. «Das Ziel ist eigentlich nur, mit wehenden Fahnen unterzugehen.»

«Religion ist poetisch»

Tugendsame Bescheidenheit? Sprachliche Mittel kann Dürr nachweislich einsetzen. Erfahrung hat er unter anderem als Radiopfarrer bei Radio SRF gesammelt. Legendär sei ein Fernsehbeitrag für «Telebasel», in dem er drei Minuten lang schwieg. Ob das bei einem Poetry Slam hilfreich ist? «Da muss ich mir etwas anderes einfallen lassen», sagt Martin Dürr und lacht. Er wälze Ideen zum Thema «Arm und Reich», verrät er. Stilistisch macht er sich dabei keine Sorgen. «Religion ist poetisch», findet er, «in der Bibel gibt es unglaublich starke Texte.» Eine Kurzpredigt halten, versichert er, werde er aber nicht.

Die säkulare Gegenseite ist derweil bewaffnet mit Sarkasmus, Slapstick, Wortspielen und Reimen. Ein guter Slam-Vortrag ist nicht immer sprachlich und politisch korrekt, aber meistens emotional und treffend. Was in den kirchlichen Hallen bei wüsten Worten passiert, ist nicht bekannt. «Als Satiriker lasse ich es mir jedenfalls nicht nehmen, das Christentum zu parodieren», kündigt der Basler Slammer Micha de Roo an. Er hoffe, dafür nicht ausgepfiffen zu werden. Göttlich-säkulare Verse gibt es auch von Jens Nielsen und Marguerite Meyer.

Ob ein Prediger gegen die pointensprühenden Wortkünstler der Gegenwart bestehen kann, muss das Publikum entscheiden. Die Zuhörer können jeden Teilnehmer aus himmlischen Gefilden umgehend und lautstark auf den harten Boden der Slam zurückzuholen.

Um Whisky gepredigt

Was sich als Handicap für die kirchliche Seite herausstellen könnte. Prompte Rückmeldungen ist man auf der Kanzel hierzulande eher nicht gewohnt. Salbungsvoll schauen hilft nicht. Martin Dürr scheint da mit allen Wassern gewaschen. «Das hatte ich schon», erzählt er. Nach der Gefängnispredigt eines Kollegen sei ein Zuhörer aufgestanden mit den Worten «diesen Mist glaube ich nicht» als dieser sagte, Glaube mache frei. Gefochten wird wie üblich um eine Flasche Whisky. «Nicht ganz unumstritten, das gebe ich zu. Aber biblisch durchaus stark begründet», so der pastorale Kommentar.