Kurz vor Weihnachten 2011 sorgten mehrere Raubüberfälle in Basel tagelang für Schlagzeilen. Zumindest ein Teil davon scheint nun aufgeklärt zu sein: Seit Montag sitzen zwei 20- jährige Männer vor dem Basler Strafgericht; alleine in einer Nacht im Dezember 2011 überfielen sie fünf Opfer.

Jene Samstagnacht fing gewöhnlich an: Erst trank man zusammen Bier auf dem Partyschiff. Dann aber fuhren die Männer mit einem jüngeren Kumpel herum: Der Renault Mégane bremste scharf ab, man stieg aus, kreiste das Opfer ein, forderte mehr oder weniger freundlich das Mobiltelefon ein, unter dem Vorwand, telefonieren zu müssen, und düste wieder ab – manchmal gab es aber auch Prügel.

Auf Überfalltour durch die Stadt

Praktisch im Stundentakt waren die Männer in jener Nacht vom 18. Dezember 2011 unterwegs: in Oberwil, bei der Basler Messe, am Wiesendamm, beim Dreiländereck und schliesslich an der Spitalstrasse.

Ein damals 15-jähriger schmächtiger Teenager hatte Glück: Er kam mit dem Schrecken davon, die Männer bedrohten ihn verbal und nahmen sein Smartphone mit. Ein anderes Opfer erlitt bei einem Schlag auf das Ohr eine Trommelfellverletzung, ein weiterer junger Mann musste mit einer Hirnerschütterung und einem Kieferbruch ins Spital.

Im September 2012 kamen zwei weitere Fälle dazu: Bei einer Prügelei am Aeschenplatz trug eines der Opfer schwere Gesichtsverletzungen davon, eine Woche später kam es zu einer Auseinandersetzung mit einer Schlägerei an der Bollwerk-Promenade.

Die Täter waren teilweise unterschiedlich gruppiert, drei weitere (damals minderjährige) Männer sind bereits in einem Jugendstrafverfahren zu bedingten Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Bei allen erwähnten Überfällen und Prügeleien war der 20-jährige Haupttäter dabei, er schliesst derzeit eine Lehrstelle als Hauswart ab. Die Raubüberfälle gibt er zu, auch einzelne Schläge. Doch streitet er ab, die am Boden liegenden Opfer getreten zu haben, auch nicht gegen den Kopf.

Wie in solchen Verfahren üblich, kann er sich aber an keine Details mehr erinnern. Nach der Prügelei am Aeschenplatz hatte er allerdings zwischen Knie und Wade Blutspuren an den Hosen.

Ein weiteres Überfallopfer musste Prügel erdulden, weil es lediglich ein altes und damit uninteressantes Mobiltelefon dabei hatte – schliesslich raubten ihm die Täter 20 Franken aus dem Portemonnaie.

Geklautes Smartphone versteigert

Der gleichaltrige Mittäter arbeitet als Monteur, er war damals hauptsächlich Chauffeur bei den Überfällen. Sonderlich intelligent ging die Bande aber nicht vor: Eines der Smartphones verkauften sie unter ihrem eigenen Account über die Versteigerungsplattform Ricardo.

Die Staatsanwaltschaft geht von bandenmässigem Raub in mehreren Fällen aus, dazu kommt schwere Körperverletzung. Der Verkauf der Beute übers Netz wurde zusätzlich als Betrug angeklagt. Die fünf Richter fällen ihr Urteil voraussichtlich am Freitag.