Ein Haus, ein Loch, ein Turm. So lautet die Kürzest-Zusammenfassung bei der Betrachtung des Roche-Areals von 2008 bis 2015. Auf dem Online-Stadtplan von Basel kann diese Entwicklung anhand hochauflösender Luftbilder nachvollzogen werden (siehe Bilder).

«Die Aufnahmen sind aus einem Flugzeug gemacht worden. Satelliten-Bilder in einer so guten Auflösung werden höchstens für militärische Zwecke erstellt und sind für uns nicht erhältlich», sagt Kantonsgeometer Paul Haffner.

Fünf Flugtage nötig

20 Überflüge seien nötig gewesen, um das ganze Stadtgebiet zu erfassen. «Das Flugzeug flog in einer Höhe von 2100 Meter über Meer linienförmig über die ganze Stadt. Weil die Aufnahmen gemeinsam mit Basel-Landschaft und Solothurn gemacht wurden, waren insgesamt fünf Flugtage nötig.» Dafür habe man die Aufnahmen 40 Prozent günstiger erhalten als bei einem Alleingang. Dennoch seien Kosten in einem «mittleren fünfstelligen Betrag» entstanden, so der Kantonsgeometer.

Die Basler Behörden lassen seit den 70er-Jahren in Abständen von drei bis fünf Jahren Luftbilder erstellen. Die Aufnahmen seit 2008 können auf dem Online-Stadtplan von bs.ch eingesehen werden und ermöglichen spannende Einblicke. Nicht nur der Roche-Turm, sondern auch der Abriss und Neubau der Messe oder die Errichtung des Südparks beim Bahnhof SBB sind aus diesem speziellen Blickwinkel dokumentiert. «Es wäre grundsätzlich möglich, auch ältere Bestände zu digitalisieren, bisher hat aber noch kein Bedürfnis dazu bestanden», sagt Haffner.

Während die älteren Aufnahmen noch analog vorliegen, wird mittlerweile mit hochauflösenden Digitalkameras gearbeitet. So hat das aktuelle Orthophoto eine Auflösung von 24 000 Megapixel – das tausendfache einer guten Spiegelreflexkamera. Die hohe Auflösung ergibt sich dadurch, dass rund 4000 Einzelbilder zu einem Gesamtbild zusammengesetzt worden sind. Zudem mussten die Bilder noch mit Informationen aus einem exakten Höhenmodell des Gebiets verknüpft werden, sodass höher gelegene Gebiete wie der Chrischona-Turm auf dem Foto nicht grösser erscheinen, weil sie weniger Abstand zum Flugzeug hatten. «Wegen dieser aufwendigen Nachbearbeitung konnten die Aufnahmen vom April erst jetzt aufgeschaltet werden», erklärt der Geometer.

Dass das Spezialflugzeug im April überhaupt abheben konnte, sei alles andere als selbstverständlich gewesen, erinnert sich Haffner. «Wir haben ziemlich gezittert, ob die Flüge durchgeführt werden können, weil gleichzeitig Test-Anflüge auf den Flughafen Zürich und am Euroairport ein Streik der Flugüberwachung stattgefunden haben. Und dann brauchten wir auch noch einen wolkenlosen Himmel!»

Künftig jedes Jahr neue Fotos

Weil die Orthofotos auch bei der Bevölkerung sehr beliebt seien, wolle das Bau- und Verkehrsdepartement den Online-Stadtplan künftig jährlich mit neuen Aufnahmen bestücken. «Für die Zwischenjahre würden wir allerdings auf Satelliten-Aufnahmen mit niedriger Auflösung ausweichen», sagt Haffner. Diese Satellitenaufnahmen hätten eine Auflösung von 25 Zentimetern – ein A4-Blatt auf dem Boden ergäbe also ungefähr einen Pixel. Bei den Luftaufnahmen aus dem Flugzeug wird dasselbe Blatt Papier mit ungefähr vier Bildpunkten abgelichtet.