Wir befinden uns in einem der oberen Stockwerke des Turms. Die Atmosphäre ist nüchtern, dezent, etwas unterkühlt. Die Architektur gibt sich in diesen Arbeitsräumen bescheiden, fast asketisch. Grautöne und weiss herrschen vor. In der Cafeteria im 38. Stock zieht sich ein geschliffener Terrazzoboden hin; die hellgrauen Tupfer sind aufgeschnittene Kiesel, solide Ware aus dem Rheinbett – buy local!

In den oberen Stockwerken ist alles in Sichtweite: Der Konkurrent Novartis, der Flughafen, die silberschillernde Messe, der Messeturm, ehemals für kurze Zeit ebenfalls das höchste Gebäude der Schweiz, auf das man nun herabschauen darf. Bei Syngenta sind ebenfalls Baustellen auszumachen. Im Badischen Bahnhof verkehren rote Züge, Spur HO, wahrscheinlich Märklin. Basel: Eins Spielzeugstadt.

Ein grüngrauer Rhein wälzt sich Richtung Norden. Er hat wirklich ein Knie. Wer genau hinschaut, entdeckt das Münster. Die Stadt hat viele grüne Oasen. Die wenigsten bekommt man mit, wenn man unten ist.
Im Osten erinnert uns die Dampffahne von Leibstadt an ungelöste Entsorgungsprobleme. Und ein bis zwei Mal täglich könnte man hier Staumeldungen auf der Autobahn nach Deutschland durchgeben. Die Alpen sind nicht zu erkennen. Da ist der Jura zu hoch oder das Gebäude zu tief.

Möbel aus den Werkstätten von Vitra Design

Ebenfalls in Sichtweite ist die Firma Vitra in Birsfelden. Sie lieferte die Büromöbel. Wahrscheinlich steht in diesem Turm eine Halbjahresproduktion. Der Stil auch hier: Nüchtern, eine Reduktion aufs Maximum, aber sicher nicht billig. Basler Understatement. Der Spruch «Es darf ebbis koschte, aber me darfs nit gseh», mit dem unsere Grosseltern über die baslerische «Beschiadehait» schmunzelten, passt perfekt. Der einzige kleine Luxus: Die Tische sind elektrisch höhenverstellbar.

Viel Aufwand betrieben wurde für eine gute Schalldämpfung.
Ja, und in den unteren Stockwerken rückt plötzlich wieder das Münster ins Blickfeld. Vor 600 Jahren waren es weitum die höchsten Türme. 

Rheinwasserkühlung und Öko-Verglasung

Die süd- und westorientierten Büros sind im Sommer stark sonnenexponiert. «Die Kühlung ist das grössere Problem als die Heizung», sagt Roche-Bauprojektleiter Claus Herrmann. Geheizt wird mit Prozess-Abwärme aus umliegenden Produktionsgebäuden, gekühlt wird mit Rheinwasser – allerdings mit Auflagen. Der Rhein darf sich nicht zu stark erwärmen - bei Niedrigwasser und laufen steigenden Temperaturen könnte das irgendwann einmal ein Problem werden.

Eine sehr energieeffiziente Dreifachverglasung mildert das Problem. Sonnenstoren sorgen für Beschattung. Aussen am Sonnenschutz gibt’s nochmals Glas – als Schmutz- und Windschutz für die ebenfalls hell gehaltenen Storen. Ein raffiniertes Belüftungssystem verhindert, dass sich zwischen den Scheiben Kondenswasser bildet. «Wir haben bei der Gebäudetechnologie auf unser Knowhow beim Laborbau zurückgreifen können. Da haben wir jahrelange Erfahrung», sagt Herrmann. Der Bau 1 sei wohl eines der energieeffizientesten Hochhäuser der Welt. «Wir übertreffen den Minergie-Standard um 20 Prozent.»

Im Verlauf des Freitags und am Samstag werden Interviews mit den Architekten Herzog & De Meuron und Roche-Chef Severin Schwan folgen. Diese werden am Samstag auch in unserer Print-Ausgabe veröffentlicht.