Basler Plätze
So kann der sterbenden Innenstadt wieder Leben eingehaucht werden

Dichtestress wird im Grossbasel zunehmend zum Fremdwort. Das Stadtzentrum stirbt langsam vor sich hin. Das muss nicht sein. Die bz stellt ein paar Ideen vor, wie die Basler Plätze belebt werden können.

Martina Rutschmann
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Plätze in Basel
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Plätze in Basel

Juri Junkov

Der beste Garant für eine lebendige Innenstadt sind die Menschen, die dort wohnen», schrieb der Heimatschutz einst in einer Stellungnahme zu Ideen für eine Belebung der Innenstadt. Was wie eine Kehrtwende klang, war eine für den Verein typische Aussage: Wenn das Zentrum bewohnt wird, ist es bereits belebt. Eine andere Form der Belebung lehnt er ab. Aus Angst, mehr Unterhaltung könnte die Anwohner vergraulen.
Diese Haltung teilt kaum mehr jemand. Die Mehrheit der Öffentlichkeit plagt die Angst, dass die dahinsiechende Grossbasler Innenstadt ganz stirbt. Etliche Parlamentarier haben Vorstösse «für eine lebendige Innenstadt» eingereicht. Tenor: Der beste Garant für eine lebendige Innenstadt ist eine lebendige Innenstadt. Manche Ideen werden als geplatzte Seifenblasen oder allenfalls als Fasnachtssujet enden. Andere haben Chancen.

Stadtleben trotz Ladensterben

Fakt ist: Das Lädelisterben ist eine Tatsache, an der sich kaum etwas ändern lässt. Internetshopping gehört für viele zum Alltag – und dass bei uns das Meiste teuerer ist als in Lörrach, ist auch kein Geheimnis. Hinzu kommt die autofreie Innenstadt, die nebst den hohen Mieten oft ebenfalls für den himmeltraurigen Zustand des Grossbasler Zentrums verantwortlich gemacht wird. Und jetzt, wo der Wahlkampf beginnt, wird das Verkehrsregime bestimmt wieder zum Sujet für Bürgerliche. Die Genossen haben ihr Wahlkampf-Thema mit der Innenstadt-Belebung schon gefunden.
Ihre Ideen reichen von Aussenmöblierungen über fixe Bühnen zu mobilen Beizen. Massnahmen, die auf den ersten Blick relativ leicht umsetzbar wären. Der von SP-Grossrätin Tanja Soland eingereichte Vorstoss zum Bau eines Hundespielplatzes auf dem Markt- oder Münsterplatz hingegen wird politisch wohl genauso durchfallen, wie es ein Vorstoss zur Aufhebung des Verkehrskonzepts täte. Aber wie sagte Soland am Montag in der bz? «Auch wir Politiker dürfen manchmal nur Ideen oder Visionen haben.»

Kleinbasel als grosses Vorbild

Das dürfen sie, die Politiker. Aber nicht nur sie: Alle dürfen träumen. Und damit der Bürger vor lauter Ideen unterschiedlicher Art nicht die Übersicht verliert, beschränkt sich die bz bei ihrem Brainstorming auf die Frage: Was könnte man tun, um mehr Menschen auf den Platz X zu locken?
Belebungsideen wie autofreie Sonntage auf der Wettsteinbrücke, die Eliminierung von Trottoirs und mehr Gratis-Toiletten wurden bereits von Parlamentariern ausformuliert – und werden daher ignoriert. Zumal sich die bz nur auf Veranstaltungen oder andere Formen der Belebung konzentriert und bauliche Schönheitskorrekturen oder die Erfindung neuer Verbote damit getrost auslassen darf.
Das gilt im Übrigen auch für das Kleinbasel. Dort sterben die Läden zwar auch, das Leben besteht aber trotzdem – mehr denn je. Nicht nur am Rheinbord, überall! Das soll uns Mut machen und Vorbild sein. Klar, man kann sagen: Das Leben hat sich verlagert. Aber will man sich damit abfinden? Nein, es ziemt sich nicht für ein Stadtzentrum, tot zu sein. Man denke nur an all die Städtereisenden, die von überall her nach Basel fliegen. Und natürlich an die eigenen Bewohner. Ausser Acht lassen wir diesmal den behördlichen Bewilligungsdschungel und die Angst des Heimatschutzes. Und träumen vor uns hin:

Piccadilly Circus der Künste auf dem Barfüsserplatz

Plätze in Basel

Plätze in Basel

Juri Junkov

Selten finden Stadtfeste statt, manchmal Open-Airs und Sportevents, einen Wochen- und einen Flohmarkt gibt es, Infostände und einmal im Jahr den Weihnachtsmarkt und die Herbstmesse. Hier gibt es klar Luft nach oben, zumal der Barfi das eigentliche Stadtzentrum ist und flächenmässig grosszügig. Macht den Barfi zum Piccadilly Circus der Kunst! Stellt Wände auf, die leuchten und funkeln, von Künstlern gestaltet sind – und ausser der Kunst noch für was anderes gut sind. Eine Kletterwand würde in den Kunstparcours passen. Die nimmt nicht viel Raum ein und bietet eine Bewegungsmöglichkeit mitten in der Stadt.

Fressmeile am Rümelinsplatz

Juri Junkov

Wer sonntags schon mal durch die Stadt flaniert ist, der weiss: Essen zu finden ist schwierig. Ein Hotdog für den Weg, ein Sandwich, ein Kübel mit irgendwas. Keine Chance. Der Rümelinsplatz wird aufgewertet, das sieht der Kanton so vor und arbeitet bereits daran, doch damit ist es nicht getan. Auch die neuen Sitzgelegenheiten bringen wenig, wenn man hungernd und durstend darauf weilen muss. Macht Platz für Hotdog-Wagen und eine mobile Beiz – und auch die umliegenden Betriebe haben ihre Freude. Manchmal wäre es so leicht.

Dem Theaterplatz fehlt eine Bühne

Juri Junkov

Die Idee ist von der SP gestohlen: Eine fixe Bühne gehört in die Stadt. Wir wählen den Theaterplatz aus, weil er bereits von Kultur umgeben ist, als Platz aber eher ein trauriges Bild abgibt. Stünde hier eine Bühne, könnten Festivals ihre Bands auch mal Open Air auftreten lassen und das «Stimmen» könnte einen Schlenker nach Basel machen. Wir wissen: Bespielungspläne sehen vor, dass auf den Plätzen nicht ständig Party ist. Muss ja auch nicht sein, eine solche Bühne kann auch als Sitzgelegenheit dienen für Menschen, die an der Buvette, die es leider noch nicht gibt, konsumieren. Der Kanton sagt ja selber, er sei offen für Ideen. Voilà!

Der Marktplatz wird zur Piazza

Juri Junkov

Ein leidiges Thema, dieser Marktplatz. Freilich macht er seinem Namen alle Ehre, wenn Markt ist. Dieser ist jedoch bescheiden, sowohl in seiner Grösse, als auch beim Gastroangebot. Abends ist der Platz so still wie ein Dorfplatz in den Bergen, und ausser Tauben füttern fällt einem hier nicht viel ein. Der Fall ist klar: Der Platz muss zur Piazza werden. Sorgt dafür, dass die Menschen hier zu Mittag essen und ihren Apéro nach der Arbeit auf dem Marktplatz nehmen. Es muss ja nicht bis in die Nacht dauern. Und schafft das Heizpilz-Verbot ab, damit sie es auch im Winter tun.

Ein Multikulti-Markt für den Münsterplatz

Juri Junkov

Es kommt einem Sakrileg gleich, mehr Leben für den Münsterplatz zu fordern. Da steht eine Kirche, da arbeitet der Staat und da wohnen Reiche. Die sind genug geplagt mit dem Open-Air-Kino und der Herbstmesse, dem Weihnachtsmarkt und Eintagesveranstaltungen. Das ist der Punkt: Hier fehlt Regelmässigkeit. Und die wäre mit einem Multikulti-Markt gewährleistet. Günstige Standmieten, günstige Preise, vom Bikini über den Salami bis zur Handtasche ist alles zu haben. Wie im Urlaub, immer samstags. Und daneben ein permanentes Riesenrad.

Ein Badeteich und Café am Petersplatz

Juri Junkov

Er ist wunderschön, dieser Petersplatz. Daran würde sich nichts ändern, wenn er belebt würde. Das ist er bisher samstags, wenn Flohmi ist, und während der Herbstmesse. Und sonst? Manchmal was Kleines. Das ist wenig! Hier gehört ein Badeteich in die Mitte, der im Winter zur Kunsteisbahn umfunktioniert wird. Ein Teich für Erwachsene und ein Teichli für die Kleinen. Im Kollegiengebäude hat es Platz für ein Café – und davor genug Raum für Stühle und Tische.

Klein-Venedig auf dem Birsigparkplatz

Juri Junkov

Beim Birsigparkplatz, dem schmalen Unort zwischen Steinenvorstadt und Steinentorstrasse, ist der Fall klar: Hier muss der Birsig geöffnet werden! Das Nebenflüsschen des Rheins ist überdeckt mit einer Strasse, die hier fast ausschliesslich Parkplätzen dient. Nichts gegen Parkplätze, aber hier könnte man Klein-Venedig schaffen. Ja, es ist aufwendig und teuer. Aber ein Kanal, vielleicht mit Gondeln, mitten in der Stadt wäre ein Magnet. Die bereits bestehenden Beizli würden selbstredend ihren Teil dazu beitragen.

Kultur am Totentanz

Juri Junkov

Er ist eine Brache zwischen Unispital und Rheinufer. Kaum jemand hält sich dort auf. Das muss sich ändern: Hier ist der ideale Ort für leise Kultur, Denkkultur, aber auch Ess- und Trinkkultur, da diese bekanntlich einen Grossteil der Bevölkerung anlockt. Konkret: Stellt ein Häuschen hin, sucht Wirte, vermietet Stühle, Mikrofone und was es braucht für eine Lesung oder eine Diskussion – und der tote Tanz lebt wieder.

Machen Sie mit!

Welche Visionen haben Sie für die Belebung der Basler Innenstadt? Hinterlassen Sie einen Kommentar oder schreiben Sie uns unter info@bzbasel.ch