Stiftung Sapo-Cycle
So kann man mit gebrauchter Seife Leben retten

Gebrauchte Seife aus Schweizer Luxushotels landet schnell im Abfall. Seife, die in Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen Leben retten kann. Deshalb recycelt die Stiftung Sapo-Cycle Luxusseife und schickt sie dahin, wo sie gebraucht wird.

Daniel Nussbaumer
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Sie recyceln Seifen aus Luxushotels
10 Bilder
Die Phasen des Recyclingprozesses auf einem Tisch versammelt.
So kommt die angebrauchte Seife im WohnWerk an.
Hier wird die Seife abhobelt und dadurch gereinigt.
Im Extruder werden die vorher zerkleinerten Seifenstücke erhitzt und homogenisiert.
Beim zweiten Durchlauf schiebt die Maschine die Seife am Stück aus.
Mit der Harfe werden die neuen Seifenstücke zugeschnitten.
Im letzten Arbeitsschritt wird das SapoCycle-Logo geprägt.
Pascal Lorquin vom "Lausanne Palace" freut sich über das Recycling.
Das WohnWerk-Team, angeleitet von Pia Tanner.

Sie recyceln Seifen aus Luxushotels

Daniel Nussbaumer

Gegen 120 Tonnen Seife aus Vier- und Fünfsternehotels in der Schweiz landen jährlich im Abfall. Seife, die in Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen, im Alltag richtig angewendet, Leben retten könnte. Um das zu ermöglichen, hat die Hoteliersgattin Dorothée Schiesser die Stiftung Sapo-Cycle ins Leben gerufen, ein Projekt, das ein ökologisches mit einem sozialen und einem humanitären Engagement verknüpft.

Die Schweizer Luxushotels werden dazu animiert, die in den Hotelzimmern von den Gästen angebrauchte Seife nicht in den Abfall zu werfen, sondern der sozialen Institution Wohn-Werk in Basel zur Aufbereitung zu übergeben. Die Seife wird nach diesem Prozess mithilfe von karitativen Organisationen dorthin gebracht, wo sie hilft, die Verbreitung von schwerwiegenden Ansteckungen zu bekämpfen.

Frau Schiesser, Sie haben in Afrika gelebt. Welche Probleme haben Sie dort angetroffen?

Dorothée Schiesser: Ich habe ein paar Jahre in Kamerun gelebt. Mein Mann war damals dort Marketing-Manager in einem Hotel. Ich war als Journalistin für das Kameruner Fernsehen und verschiedene Zeitschriften tätig. Ich bin in Kamerun herumgereist und habe viel gesehen. Ich stand in Kontakt mit Ärzten und Nichtregierungsorganisationen (NGO; die. Red.). In den Randregionen abseits der Städte sind die hygienischen Bedingungen vor allem für die Frauen und die Kleinkinder prekär. Allerdings war das nicht der Ursprung der Idee zu unserer Stiftung. Diese kam viel später. Zuerst war die Frage, was wir mit all der Seife machen, die in Hotels von den Gästen angebraucht wird.

Mit welchen NGOs arbeiten Sie jetzt zusammen?

Ob sich wieder etwas mit einer in Kamerun tätigen NGO ergibt, ist noch offen. Vorerst arbeiten wir mit dem Roten Kreuz zusammen, vor allem mit der Aktion «Zweimal Weihnachten». Die hierfür gesammelten Produkte gehen nach Weissrussland, Moldawien und Bosnien. Wir versuchen, die ökologische Bilanz des Recyclings nicht mit langen Transportwegen zu belasten.

Was tut das Wohn-Werk an der Missionsstrasse in diesem Prozess genau?

Mit dem Wohn-Werk haben wir eine ideale Partnerschaft gefunden. Die Stiftung Wohn-Werk hat die benötigten Maschinen gekauft und kann so die Wiederaufbereitung der Seife vollständig durchführen. Für die dort Arbeitenden ist es schön, dass sie nicht nur etwas verpacken, sondern wirklich ein ganzes Produkt herstellen. Und besonders wichtig für sie als Menschen mit einer Beeinträchtigung ist, dass sie damit anderen helfen können. Das schafft eine Kette von Goodwill.

Woher haben Sie das technologische Know-how zur Wiederaufbereitung der Seife?

Nun, Chemie gehört nicht zu den Gebieten, in denen ich mich auskenne. An der Hochschule für Life Sciences FHNW in Muttenz gibt es ein Institut für Ecopreneurship, wo Business und Umwelt quasi verbunden werden. Uns wurde dort gezeigt, dass angebrauchte Flüssigseife bakteriologisch kaum gereinigt werden kann, dass feste Seife sich aber sehr gut für das Recycling eignet. Wir mussten also davon abrücken, alles zu rezyklieren.

Wie wird die Stiftung finanziert?

Zunächst sind es die mit uns kooperierenden Vier- und Fünfsternehotels, welche die Seife sammeln und auf ihre Kosten an das Wohn-Werk schicken. Wir stehen beim Fundraising noch am Anfang und haben nun Kampagnen bei anderen Stiftungen gestartet. Ein Crowdfunding auf einer Website wird folgen. Zudem erhalten wir Hilfe von Soroptimist International. Wir haben also verschiedene Quellen. Und ja, jetzt für den Anfang steckt auch mein persönliches Geld drin. Ich denke aber, wir werden breit abgestützt sein, denn unser Projekt ist das einzige, das ich kenne, das zugleich auf drei Säulen ruht: einer ökologischen, einer sozialen und einer humanitären.