Hochsommer
So kommt Basel mit der Sommerhitze klar

Die hohen Temperaturen stellen Mensch, Natur und Technik vor Herausforderungen. Manche Betriebe fangen wegen der Temperaturen am Morgen früher mit der Arbeit an. Im Spital oder im öffentlichen Verkehr ist das allerdings nicht möglich.

Moritz Kaufmann und Céline Feller
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Sonne und Schatten am Rhein: Manche kommen mit der Hitze besser klar als andere. Kenneth Nars

Sonne und Schatten am Rhein: Manche kommen mit der Hitze besser klar als andere. Kenneth Nars

«Es ist sehr schnell extrem heiss geworden.» Meinrad Gunti muss es wissen. Er ist Leiter von Kreis Ost bei der Basler Stadtgärtnerei und somit zuständig für sämtliche öffentlichen Grünflächen rechts der Achse Rathaus-Zolli. Für ihn und seine Leute ist das Wetter im Moment eine besondere Herausforderung.

Wenn es schön und heiss ist, brauchen Pflanzen und Menschen mehr Wasser – und es liegt auch mehr Abfall auf den Strassen. «Gerade am Pfingstwochenende hatten wir extreme Abfallberge wegzuräumen.» Hotspots wie das Birsköpfli müssen im Moment täglich gereinigt werden.

Weil es so heiss ist, ist die Stadtgärtnerei am Morgen bereits eine Stunde früher unterwegs als üblich. Arbeitsbeginn ist um sechs statt um sieben. «Morgens ist es kühler und man ist effizienter», sagt Cunti. Dafür können seine Leute dann auch eine Stunde früher Feierabend machen. Wässern ist im Moment besonders wichtig. Dafür geht die Stadtgärtnerei nach Prioritäten vor. Zuerst kommen die Blumenrabatten und alle Neuanpflanzungen dran, danach die Rasenanlagen, etwa die Sportfelder bei den Schulhäusern. Apropos: Oben ohne – wie man das bei vielen Bauarbeitern sieht – gibt es bei der Stadtgärtnerei nicht. «Wir schauen auf ein richtiges Tenue», sagt Gunti. Shorts und T-Shirt sind das Mindeste.

Spital-Personal darf nicht schwitzen

BVB-Sprecherin Dagmar Jenny sagt klar: «Die Hitze ist eine Herausforderung für Technik und Mensch.» Trams um Busse müssen klimatisiert werden. Allerdings: «Wir kühlen nicht auf 20 Grad herunter», erklärt Jenny, «Kundenkomfort ist zwar wichtig. Aber bei einem offenen System wie den Trams, wo jede Minute zehn Türen aufgehen, wäre das ökologischer Unsinn.» Damit die Tram-Passagiere trotzdem keine Hitzewallungen bekommen, sorgt ein Sensor dafür, dass die Temperatur in den Trams konstant fünf Grad unter der Aussentemperatur liegt.

Auch hitzebedingte Anfälligkeiten bei der Elektronik kennen die Basler Verkehrsbetriebe bestens. Derzeit laufe aber alles im normalen Rahmen, meint Jenny. «Holz anfassen, dass es so bleibt.»

Die Räume kühlen muss auch das Universitätsspital Basel. «In den Sterilräumen darf das Personal nicht schwitzen», erklärt Informationschefin Sabina Heuss. Auch die Intensivstationen und die Patientenzimmer werden klimatisiert. Derzeit habe man auf der Notfallabteilung «courant normal». Zum Problem werde die Hitzewelle erst, wenn sie länger andauere, sagt Heuss. Vor allem alte Leute seien dann gefährdet. «Sie haben weniger Wasser im Körper als jüngere und spüren erst noch später, wann sie Durst haben.»

Glace für die Zolli-Tiere

Und dann wäre da ja noch der Zolli. Dort kann man die Gehege nicht einfach so herunterkühlen. Zoo-Direktor Olivier Pagan sagt: «Natürlich merken auch die Tiere, dass es heiss ist. Sie sind morgens und abends aktiver und gönnen sich um die Mittagszeit gerne eine Siesta.» Bei der Bauweise der Gehege wurde berücksichtigt, dass es in der Schweiz sowohl sehr kalt, als auch sehr heiss werden kann. «Jedes Tier muss die Möglichkeit haben, sich in den Schatten zurückziehen zu können oder sich bei einem Bad abzukühlen.» Das Futter für die Zootiere wird bei diesen Temperaturen übrigens auch schon mal tiefgefroren und zu Glace verarbeitet.

Die Hitzewelle jedenfalls lässt sich von all dem nicht beeindrucken. Laut den Prognosen bleibt es auch in den kommenden Tagen heiss.