Frau Gerber, als Bier-Sommelière haben Sie einen Überblick über die Basler Bierlandschaft – gibt es eindeutige Trends beim Bierkonsum?

Gaby Gerber: Bier war lange Zeit das Stammtisch-Getränk schlechthin. Das hat sich gewandelt. Heute wird Bier mehr und mehr auch zu einem guten Essen konsumiert, es ist Begleiter in verschiedenen Konsumsituationen und auch Frauen interessieren sich mehr für Bier als früher. Der Konsum in der Schweiz ist nach wie vor stabil (rund 57 Liter pro Kopf). Die Varietät hat zugenommen und die Bierstile werden von den Brauern neu interpretiert. Am beliebtesten sind nach wie vor die Lagerbiere, wobei auch hier mittlerweile eine grosse Varietät angeboten wird.

Bei Bierliebhabern stehen sogenannte India Pale Ales derzeit hoch im Kurs. Was ist speziell an diesen Bieren und woher kommen sie?

IPA ist ursprünglich ein obergäriger Bierstil, der aus England kommt, aber in den letzten Jahren vor allem in den USA sehr beliebt wurde. Im 17. Jahrhundert wurde das IPA in England und Schottland für die indischen Kronkolonien gebraut. Da es die lange Seefahrt überstehen musste, wurde es stärker eingebraut (Alkohol) und stärker gehopft.

Den IPA wird nachgesagt, sie seien im Geschmack so komplex wie gute Weine. Wie «degustiert» man ein IPA am besten?

Wenn man mehrere Biere verkostet und beispielsweise auch weniger bittere Biere dazu nimmt, sollte man bei den leichteren Bieren beginnen und dann zu den IPAs wechseln. Das Glas sollte die Eigenschaften des Bieres unterstützen. Für sehr bittere Biere wählt man am besten ein Glas, das die Bitterrezeptoren auf der Zunge nicht zu früh anspült. Wir empfehlen ein dünnwandiges Glas mit mittelgrosser Öffnung, sodass das IPA zuerst auf der Zungenspitze auftritt und damit die Süsse des Bieres als erstes wahrgenommen wird, bevor sie von der Bittere abgelöst wird.

Für Bier-Sommelière ist die grosse Vielfalt auch eine Herausforderung. Wie schaffen Sie es, bei den vielen neuen Biersorten den Überblick zu behalten?

Es ist in der Tat schwierig, den Überblick zu behalten. Die Schweiz hat in Europa den höchsten Anteil an Brauereien pro Kopf. Der Markt bewegt sich sehr schnell. Wichtig ist, dass man immer wieder verschiedene Biere und vor allem verschiedene Bierstile verkostet. Alle Biere zu kennen ist fast unmöglich.