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So machten die Klubärzte Marco Streller fit fürs GC-Spiel

FCB-Klubarzt Markus Rothweiler erklärt die schnelle Rückkehr von FCB-Captain Marco Streller nach seiner Kreuzbandverletzung. Für den Arzt ist es aber keine Wunderheilung und ein Risiko hat für Streller auch nicht bestanden.

Sebastian Wendel
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Marco Streller war selber überrascht von seiner schnellen Genesung.

Marco Streller war selber überrascht von seiner schnellen Genesung.

Keystone

Wunderheilung? Nicht für Markus Rothweiler. Der Klubarzt des FC Basel war nicht überrascht, als Marco Streller eine Woche, nachdem er in Lausanne auf der Barre vom Platz getragen wurde, gegen GC bereits wieder in der Startelf stand. Rothweiler stellte Marco Streller schon am Abend nach dem Lausanne-Match einen Einsatz im Spitzenkampf in Aussicht. Aber: «Versprechen konnte ich ihm nichts. Bei einer solchen Verletzung muss man von Tag zu Tag schauen.» Der Captain hätte genauso gut auch drei Wochen ausfallen können.

Vorgestern in den Katakomben des St. Jakob-Parks sagte Streller, er habe in Lausanne an das Karriereende gedacht. Dies, weil Rothweiler nach der ersten Konsultation auf dem Rasen einen Riss des Kreuzbandes für möglich gehalten habe. Der Sportorthopäde: «Marco ist ohne gegnerische Einwirkung im Rasen hängen geblieben. Eine typische Konstellation, aus der Kreuzbandrisse entstehen. Das habe ich ihm auch so gesagt.» Einige Minuten später, nachdem Streller in die Kabine getragen wurde, die Entwarnung: «Wir haben in Ruhe Beweglichkeitstests an seinem Knie gemacht und konnten dann einen Riss des Bandes ausschliessen.»

Für Strellers Gedanken ans Ende der Karriere äussert Rothweiler Verständnis: «Nach einem Kreuzbandriss dauert es mindestens sechs Monate, bis man wieder voll trainieren kann. Es kann aber auch bis zu 12 Monate dauern.» Geht man davon aus, dass der 31-Jährige maximal noch gut zwei Saisons spielt, hätte er im Falle des Horrorszenarios fast die Hälfte davon verpasst.

Skeptischer Streller

Ein Risiko für Streller habe im GC-Match nicht bestanden. «Das Kreuzband war ja nur gezerrt, nicht angerissen. Hätte nur die kleinste Gefahr einer Folgeverletzung bestanden, wäre Marco nicht aufgelaufen», sagt Rothweiler.

Stellt sich die Frage, warum der Stürmer dann nicht ans Europa-League-Rückspiel in Dnjepropetrowsk geflogen ist. «Ganz einfach, die Schmerzen waren am Donnerstag zu gross. So hätte er nicht genügend Kontrolle über das Knie gehabt.»

Von Montag bis Donnerstag musste die Flüssigkeit aus dem Knie geschafft werden. «Das Gefühl, wenn man Wasser im Knie hat, ist mit Aquaplaning zu vergleichen.»Am Freitag schuftete Streller im Kraftraum, Samstag und Sonntag standen Balltrainings an. Das endgültige Okay kam rund fünf Stunden vor Anpfiff um 16 Uhr. Früher wollte sich auch Streller nicht festlegen. «Er war vernünftig und hat keinen Druck gemacht, dass wir ihn unbedingt fit machen sollen», sagt Rothweiler. Ja Streller sei sogar jener mit den grössten Zweifeln gewesen. «Noch am Dienstagabend war er mit Blick auf GC sehr skeptisch.»

Bei Bobadilla läuft alles nach Plan

Für den Cupmatch in Thun – am Mittwoch spielt der FCB um den Einzug in den Halbfinal – will Rothweiler keine Prognose stellen. Streller hat gegen GC gleich wieder die volle Spielzeit absolviert, zudem liegt in der Arena in Thun Kunstrasen; keine gesunde Unterlage für angeschlagene Gelenke. «Auch hier gilt: Tag für Tag abwarten. Ob Marco einsatzfähig ist, wird wohl wiederum kurz vor Anpfiff entschieden.»

Nachdem Rothweiler Streller nach kurzer Zeit wieder in den normalen Spiel- und Trainingsbetrieb entlassen konnte, gilt seine Konzentration in den nächsten Wochen wieder Raúl Bobadilla. Der Argentinier fällt seit dem Testspiel am 30. Januar gegen Vaduz mit einem Aussenbandanriss am rechten Knie aus. Noch trägt der Wintereinkauf eine Stützschiene, bewegt sich aber seit einigen Tagen auch auf dem Laufband. Heute Vormittag konsultiert Rothweiler den Argentinier, dann wird über den weiteren Verlauf der Reha entschieden.

Nach Bekanntwerden der Verletzungsart ging man beim FCB von sechs bis acht Wochen Pause aus. Ähnlich wie bei Streller sei dies, so Rothweiler, eine erste Marke, die gesetzt wurde. «Bis jetzt läuft auch bei Raúl alles gut. Was nicht heisst, dass er Ende April sicher wieder auf dem Platz steht.»