Wie weit gelingt es, künftig mehr Containerverkehr auf die Bahn zu verlagern? Das ist die zentrale Frage in der Diskussion um das geplante Grossterminal «Gateway Basel Nord». Unter anderem ist dieser Aspekt entscheidend dafür, wie weit der Bund das zuerst zu bauende Terminal für den Umschlag Schiene-Schiene und Schiene-Strasse sowie das später hinzukommende Hafenbecken 3 mit finanziert. Der bz liegen nun dazu die Berechnungen der Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) und der Planungsgesellschaft Gateway Basel Nord vor.

Mehr Container auf die Bahn

Das fertig ausgebaute Terminal für alle drei Verkehrsträger – in der Fachsprache nennt man dies einen solchen Umladebahnhof «trimodal» – soll 2030 eine Menge von 390'000 TEU umschlagen. TEU ist das Mass im Containerverkehr und entspricht einem 20-Fuss-Container. Heute schlagen die Hafenterminals in Kleinhüningen 100'000 TEU um.

Diese Steigerung auf fast die Dreifache Menge kommt einerseits zustande durch das Wachstum im Containerverkehr. Andererseits will man den heutige Verkehr im Terminal Wolf beim Güterbahnhof Basel weitgehend in das Gateway Basel Nord verlagern. Viele Lastwagen, die heute Container zum Wolfbahnhof bringen oder dort holen, fahren also künftig über die Schwarzwaldbrücke auf die Nordseite des Rheins. Das sorgt für Stirnrunzeln, ist doch die Osttangente schon heute überlastet. Zudem befürchten Kleinbasler Anwohner zusätzlichen Lastwagenverkehr auf Quartierstrassen.

Dem halten die Befürworter des neuen Grossterminals entgegen, dass es nur durch Bündelung des Containerverkehrs gelinge, mehr Container auf die Bahn zu verlagern. Verlassen heute neun von zehn Containern den Hafen Kleinhüningen auf dem Lw, so sollen künftig es ab dem Gateway Basel Nord nur noch die Hälfte sein.

Prognose mit und ohne Gateway

50 Prozent von viel kann aber eben in absoluten Zahlen immer noch mehr sein, als 90 Prozent von wenig. Dies zeigen die drei Szenarien, welche die SRH und Gateway Basel Nord vorlegen:

Das Erste beschreibt den heutigen Zustand: Vom und zum Hafen Kleinhüningen fahren täglich 260 Container-Lw. Das angrenzende Terminal Duss auf deutschem Boden sorgt für 323 Fahrten. Also hat man 583 Lastwagen auf der Schwarzwaldbrücke. Hinzu kommen auf der Südseite 110 Fahrten vom und zum Wolf sowie 70 Fahrten wegen der Terminals in den Baselbieter Häfen. Das gibt bei der Muttenzer Hard ein Total von 763 Lastwagenfahrten für den Containerverkehr.

Das zweite Szenario beschreibt die erwartete Situation 2030 im Fall, dass Gateway Basel Nord nicht gebaut wird. Dabei stützt man sich auf die Wachstumsprognose, die der Mediation des Bundesamts für Verkehr zugrunde lag: Aus dem Hafen Kleinhüningen kämen nur noch 164 Fahrten, da das Terminal am Westquai geschlossen wurde. Die Zahl der Duss-Fahrten bleibt gleich, da dieses Terminal schon heute ausgelastet ist. Dazu kämen aber 720 Lw-Fahrten von und zu ausländischen Terminals, da mangels Schweizer Umschlagkapazität die Schiffscontainer bereits vor Basel gelöscht würden. Das gibt über die Schwarzwaldbrücke 1207 Fahrten. Südlich dem Rhein kämen vom Wolf 132 Fahrten und aus den Südhäfen die gleiche Anzahl Fahrten wie heute. Bei Muttenz würde die Autobahn mit 1408 Terminal-Lw belastet.

Das dritte Szenario bildet die Erwartungen ab, wenn Gateway Basel Nord trimodal gebaut wird: Das Hafenbecken 2 in Kleinhüningen produziert noch 111 Containerfahrten, da ein Teil des Umschlags sich ins Hafenbecken 3 verlagert hat. Duss bleibt gleich und aus dem Gateway Basel Nord sollen – vorausgesetzt, die Verlagerung auf die Schiene klappt – 500 Fahrten resultieren, in der Summe also 912 Fahrten über die Autobahnbrücke. Auf den Wolf, der auf die Regionalverteilung reduziert würde, kämen noch 20 Fahrten, die Südhafen-Terminals würden weiter 70 Fahrten generieren, macht ein Total von 1023 Fahrten bei Muttenz.

Fazit: Schlimmeres vermeiden

Ohne das neue Gateway würde sich also gemäss den Szenarien, wie sie die Befürworter vorlegen, der Container-Lw-Verkehr auf der Osttangente rund verdoppeln. Argumentation: Mit dem Bau des Grossterminals werde die Schiene attraktiver, sodass die Zahl der Lw-Fahrten nur um 56 Prozent steige.