FC Basel
So sieht ein typischer Tag im Leben von FCB-Profi Fabian Schär aus

Seit Fabian Schär im letzten Sommer von Wil nach Basel gewechselt ist, lebt er seinen Traum vom Fussballprofi. Im letzten Herbst hat er den Sprung in die Stammelf geschafft. Wie sieht der Trainingsalltag einer der grössten Abwehrhoffnungen des Landes aus?

Sebastian Wendel
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Fabian Schär hat sich beim FCB als Stammspieler etabliert.

Fabian Schär hat sich beim FCB als Stammspieler etabliert.

Keystone

Vor einem Jahr war es noch ein Traum. Heute lebt ihn Fabian Schär. «Ich wollte schon immer Profifussballer werden, Fussball ist mein Leben.» Der 21-jährige gebürtige Wiler ist seit dem letzten Herbst Stammspieler beim FC Basel und eine der grössten Abwehrhoffnungen unseres Landes.

Montag, 28. Januar, um 8.55 Uhr in der Tiefgarage des St. Jakob-Parks. Noch sind fast alle Parkfelder leer, das Einkaufscenter öffnet in fünf Minuten. Wann kommt Fabian Schär? Am Vorabend haben wir uns auf frühe 9 Uhr verabredet – vorsorglich, denn Fussballer neigen zur Verspätung. Nicht Fabian Schär. Eine Minute vor 9 hört man das Röhren eines Auspuffs, das Geräusch kommt näher. Um die Ecke biegt ein grauer Golf GTI mit St. Galler Kennzeichen und in das Parkfeld neben uns. Die Tür klickt auf, Auftritt Fabian Schär: «Guete Morge». Wach ist anders. Vor einer halben Stunde hat der Wecker geschellt. Erst Frühstück, dann die zehnminütige Fahrt zum Stadion. «Am Morgen brauche ich meine Ruhe. Es dauert eine Weile, bis ich aufgetaut bin», sagt er.

Um halb zehn, 30 Minuten vor Trainingsbeginn, müssen er und der Rest des Teams in der Kabine sein. So will es Murat Yakin. Es bleibt also Zeit für einen kurzen Schwatz zwischen Parkhaussäulen und Werbeplakaten.

Wohnort Binningen

Das Wochenende nach dem Trainingslager in Spanien hat Schär für einen Besuch in der Heimat Wil genutzt. So, wie er es an den meisten freien Tagen tut. «Meine Freunde und Familie sind mir sehr wichtig. Ich versuche, sie möglichst oft zu sehen, auch wenn ich jetzt in Basel lebe.» Dort arbeitet er, eine Wohnung hat er im Basler Vorort Binningen gefunden. An die Pflichten eines Hausmannes habe er sich schnell gewöhnt, «und ab und zu schaut meine Mutter nach dem Rechten».

Ein Blick auf die Uhr, dann muss er los. Nicht durchs Einkaufscenter, die FCB-Profis nehmen einen Hintereingang direkt zum Kabinentrakt. Wir vereinbaren, uns kurz vor zehn nochmals zu treffen.

Während wir im Bistro einen Kaffee bestellen, klingelt das Telefon. «Wir haben grad erfahren, dass das Training heute Morgen im Kraftraum stattfindet. Sorry.» Gewichte heben Schär und Co. ohne Journalisten, also heisst es Zeit totschlagen.

Tischtennis zum Warmwerden

11.50 Uhr. In der Hattrick Bar, wo sich vor Heimspielen die Fans versammeln, nippt Fabian Schär an seinem Mineralwasser und entschuldigt sich nochmals für das Missverständnis. Kein Problem, dafür soll er uns jetzt erzählen, was in den letzten zweieinhalb Stunden passiert ist.

30 Minuten vor Trainingsbeginn gleicht die Kabine einem Bienenhaus. Schär lässt sich von Physiotherapeut Peter Hohl den Knöchel verbinden – ein tägliches Ritual, seitdem ihm vor knapp einem Jahr die Bänder gerissen sind. Die Kollegen lesen Zeitungen, turnen sich ein oder spielen Tischtennis. Auch Schär greift zum Schläger, gegen Fabian Frei.

Um Punkt zehn bittet Assistenztrainer Marco Walker die Spieler an die Gewichte. «Er weiss, was ein hartes Training ist», sagt Schär. Cheftrainer Murat Yakin ist auch da, jedoch mehr beobachtend denn dirigierend. Die Atmosphäre ist locker, zwischendurch fallen Sprüche. Doch den Konkurrenzkampf spürt man laut Schär auch hier: «Jeder im Team will sich aufdrängen.»

Bei Fitnessrösti und Piccata milanese konfrontieren wir ihn mit Klischees: Fussballer sind verwöhnt, haben Freizeit en masse und verdienen dafür viel zu viel Geld! Schär, plötzlich hellwach, schüttelt den Kopf. «Viele unterschätzen den Alltag eines Fussballprofis. Er besteht nicht nur aus Trainings und Freizeit. Pflege, Sponsorentermine, Autogrammstunde – auch das braucht Zeit.» Nach einem Tag mit zwei Trainingseinheiten sei die Luft draussen, «dann will ich nur noch für mich sein und schlafen».

Frei putzt Schärs Schuhe

15 Uhr. Der Wind bläst, es regnet. Fabian Schär betritt erstmals seit über zwei Wochen wieder Basler Rasen. Ein bisschen gedauert, sagt er, habe die Umstellung von den perfekten Plätzen im Trainingslager auf das tiefe und unebene Terrain im Leichtathletikstadion. Um fünf Uhr ist Schär zurück in der Kabine, während sich Fabian Frei den Feierabend noch verdienen muss. Schärs Kumpel hat das Wettschiessen am Ende des Trainings verloren, also muss er die dreckigen Schuhe der Kollegen putzen.

Gegen 21 Uhr erreichen wir Schär am Telefon. Er liegt auf dem Sofa, zappt durchs Fernsehprogramm und schmökert in den Zeitungen. Wir rekapitulieren zusammen die letzten Stunden, suchen das Aussergewöhnliche dieses Tages. Fündig werden wir nicht. Dann bittet er uns höflich, das Gespräch zu beenden. «Nach einem strengen Tag wie heute brauche ich noch ein wenig Zeit für mich.»