Leserwandern, 9. Etappe
So viel auf einmal gibts nur hier

Rund ums Wandern: Warum auch eine Wanderung in der Stadt ihren Reiz hat.

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«Nordwestschweiz»-Chefredaktor Christian Dorer begrüsst die knapp 130 Wanderer an der Schifflände.
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Wanderleiter Willy Mäder
Basler Politprominenz (v. l.): Die Grossräte Tonja Zürcher, Heidi Mück, Lorenz Nägelin, Conradin Cramer sowie Regierungsrat Baschi Dürr.
Abmarsch Richtung Rheinsprung
Den Rheinsprung hoch zum Münsterplatz.
Leserwandern 2016, 9. Etappe
Unsere Leser sind tiptop ausgerüstet.
St. Alban-Vorstadt
St. Alban-Rheiweg mit Blick aufs Münster
Maya Graf (rechts) ist auch in Basel wieder mit dabei. Dieses Mal aber ohne Hund.
Am Rhein entlang mit Blick auf den Roche-Turm.

«Nordwestschweiz»-Chefredaktor Christian Dorer begrüsst die knapp 130 Wanderer an der Schifflände.

Nicole Nars-Zimmer

Vielleicht sollten wir zuerst einmal die Begrifflichkeiten klären. Darf man von einer Wanderung sprechen, wenn man durch eine Stadt marschiert? Eine Stadtwanderung also? Oder wäre es nicht angebrachter, von einem Stadtspaziergang zu reden? Zumal Stadtwanderungen in der Schweiz ohnehin untrennbar mit dem Architekturkritiker Benedikt Loderer verbunden sind.

Zieht Loderer durch die Schweizer Städte, frönt er jedoch nicht der Kunst des Flanierens. Loderer («Das Hüsli ist die Krankheit des Landes») ist ein engagierter Stadtwanderer, er verfolgt die bauliche Entwicklung im Land, dokumentiert Bausünden, übt scharfe Kritik.

Der Stadtwanderer als kritischer Beobachter der Raumplanung, warum auch nicht. Das scheint gewichtig genug, um beim Wandern zu bleiben. Spazieren würde da zu harmlos klingen. Unbestritten ist: Es lohnt sich für Wanderer allemal, nicht immer ins Grüne zu fahren. Die Schweizer Städte stecken voller Überraschungen. Sie sind mal pulsierend oder träge, mal modern oder historisch, mal schrill oder still.

Nicht über Stadtgrenzen hinaus

Als Einstieg für Stadtwanderer-Novizen empfiehlt sich natürlich eine Route in Zürich, der grössten Stadt der Schweiz – mit dem Buch der bekannten Wanderautoren Ursula Bauer und Jürg Frischknecht im Rucksack. Dank «Wandern in der Stadt Zürich» (Rotpunktverlag, 2012) lässt sich die Limmatstadt in vielen Facetten entdecken. Im Buch sind 16 Routen zwischen zwei und sechs Stunden beschrieben.

Basler Politprominenz (v.l.): Die Grossräte Tonja Zürcher, Heidi Mück, Lorenz Nägelin, Conradin Cramer sowie Regierungsrat Baschi Dürr.

Basler Politprominenz (v.l.): Die Grossräte Tonja Zürcher, Heidi Mück, Lorenz Nägelin, Conradin Cramer sowie Regierungsrat Baschi Dürr.

Nicole Nars-Zimmer niz

Zürich sei nicht nur Wanderstadt, schreiben die Autoren, sondern «auch Gartenstadt, Betonstadt, Wasserstadt, Hügelstadt, Boomstadt». Genauso vielfältig sind die Routen selbst: Sie führen entlang von Limmat und Sihl, mäandern durch Zürich West und Nord oder über die sieben Moränenhügel. Wer mag, kann sich auch auf die Spuren von Eisenbahnen oder Gärten begeben. Nur selten führen die vorgeschlagenen Wanderungen übrigens über die Stadtgrenzen hinaus.

Geniessen und Schauen

In dieser Hinsicht bieten die signalisierten Wanderwege mehr Abwechslung. Das zeigt sich gut in der Stadt Basel, wo die Leserwanderer gestern Abend unterwegs waren. Die Routen führen oft aus dem Siedlungsgebiet heraus. Damit lassen sie die Wanderer einen reizvollen Wechsel zwischen der Hektik der Stadt und der grünen Natur erleben. Etwa bei einer Wanderung entlang dem Rhein oder bei der dritten Etappe des Dreiland-Wanderwegs, die von Riehen nach Basel führt. Erst nach dem Anstieg auf die Anhöhe St. Chrischona folgt ein veritabler Stadtspaziergang.

Als Klassiker gilt die «Schweiz Mobil»-Route 483, bekannt als Bruderholzweg. Der Rundweg startet beim Bruderholzspital unmittelbar hinter der Stadtgrenze und verläuft dann auf der Anhöhe zwischen zwei Tälern.

In der Stadt Basel gibt es insgesamt 70 Kilometer signalisierte Wanderwege mit 40 Routen. Fast alle Wanderungen sind nach Belieben verlängerbar oder kürzbar. Pflicht in der Stadt: Zur reinen Gehzeit sollte man reichlich Zusatzzeit fürs Geniessen und Schauen einplanen.

Mehr Infos unter: www.wandern.chwww.wandern.ch,www.zuercher-wanderwege.ch und www.wanderwege-beider-basel.ch www.wanderwege-beider-basel.ch

Das war die 9. Etappe

Aus dem Schwimmen im Rhein wurde zwar nichts. Trotzdem liessen sich 129 Wanderer die neunte Etappe, eine Abendwanderung, nicht entgehen. Gelohnt hatte es sich allemal: Wanderleiter Willy Mäder führte die Teilnehmer entlang dem Rhein.

Einmal mehr glich die Leserwanderung einem veritablen Politiker-Gipfeltreffen. Oder war es bereits der Auftakt zu einem langen Wahlkampf? So wanderte der freisinnige Basler Regierungsrat Baschi Dürr mit, ebenso LDP-Grossrat Conradin Cramer, Basta-Grossrätin Heidi Mück und SVP-Grossrat Lorenz Nägelin. Die drei wollen im Oktober ebenfalls in die Regierung einziehen.

Christoph Meier ist waschechter Baselbieter, lebt aber seit Jahren in der Fremde. Bis vor kurzem war er Betriebsleiter der Bergbahnen im glarnerischen Braunwald. Derzeit arbeitet er noch weiter weg. In Pontresina GR. Doch kein Weg ist zu weit, um an der Leserwanderung teilzunehmen. Für einmal ging es nur geradeaus. Ein Klacks für einen akklimatisierten Bergler.

Maya Graf war aus Sissach ins schöne Basel gekommen. Zu Fuss vom Bahnhof an die Schifflände, wie die grüne Nationalrätin betonte. Kleine Konflikte der Wandergruppe mit Velofahrern kommentierte sie mit der Idee von Autobahnen für Velofahrer – wie in Kopenhagen. Die grosse Politikerdichte (Ex-Regierungsrat Urs Wüthrich, Regierungsrat Isaac Reber, sie selbst) mit seinen 6500 Einwohnern führt sie auf die Politisierung Ende der 1980er-Jahre wegen der umstrittenen Umfahrung zurück.

Entspannt optimistisch und leicht gewandet machte sich Regierungsrat Baschi Dürr mit einem Kittel auf den Weg. An einen kleinen Schirm hatte er auch gedacht. In der Regel einmal in der Woche joggt er eine Stunde durch Basel, die Langen Erlen oder das Dreiland, wo ihm das Industriegebiet in Huningue gefällt. Mit dem Schwimmen allerdings steht er eher auf Kriegsfuss. Obwohl er 100 Meter vom Rhein entfernt wohnt, hat er erst dreimal darin geschwommen. Vielleicht ist fester Boden unter den Füssen besser für einen Politiker. (dsi/pec/sva)

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