Die Stiftung für Medienvielfalt, welche die Tageswoche finanziert, hat die Schraube im letzten Herbst angezogen. Der Entscheid der Stiftung wurde intern als überraschender Schritt bezeichnet. Dem widerspricht Stiftungspräsident Andreas Miescher auf Anfrage: «Wir mussten erst die Situation konsolidieren, bevor wir uns wieder mit der Finanzierung beschäftigen konnten.» Es sei immer klar gewesen, dass die Mittel der finanziell unabhängigen Stiftung endlich seien. Von einem «Gesinnungswandel» könne keine Rede sein. Tatsächlich fliesst kein weiteres Geld von Roche-Miterbin Beatrice Oeri, welche die Stiftung zu Anfang alimentiert hatte, aber heute nichts mehr mit ihr zu tun hat.

Das hat Folgen für die Tageswoche. Sie erhält «langfristig» eine Million Franken pro Jahr, wie Miescher nun erstmals öffentlich macht. Dazu kommt ein einmaliger Beitrag von 6 Millionen Franken, über dessen Verwendung der Verwaltungsrat entscheidet. Dieser kann zum Beispiel zur Defizitdeckung während einer gewissen Zeit genutzt werden. Das zwang Geschäftsführer und Chefredaktor Christian Degen zu einem Sparkurs, was der Anfang vom Ende seines Engagements wurde. Degen hat nach rund einem Jahr im Amt gekündigt, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Dass die Tageswoche jemals selbsttragend werden wird, glaubt Miescher nicht mehr so recht. «Im Moment gehen wir davon aus, dass es auf Dauer Drittmittel brauchen wird.» Mit anderen Worten: Die Tageswoche braucht neben der Stiftung neue Sponsoren, wohl sogar dann, wenn sich das neue Mitgliedermodell als Erfolg entpuppen sollte. Oder sie muss ihre Redaktion noch radikaler abspecken. (bz)