Zwölf Gesuche für die Erweiterung oder Neubewilligung von Boulevard-Restaurants liegen derzeit beim Baudepartement zur öffentlichen Einsicht auf, vier zusätzliche wurden 2016 bereits bewilligt. Zum Vergleich: Im ganzen letzten Jahr wurden acht solcher Begehren bewilligt, 2014 waren es sechs. «Über die Jahre stellen wir eine leichte Zunahme bei den Gesuchen für Boulevard-Restaurants fest», bestätigt Departementssprecher Daniel Hofer. «Zudem zeigt unsere Auswertung, dass die durchschnittliche Fläche pro Betrieb im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls zugenommen hat» So haben die Basler Beizer im letzten Jahr auf durchschnittlich 29 Quadratmeter herausgestuhlt – drei Quadratmeter (oder ein kleines Vierertischli) mehr als noch im Vorjahr. Insgesamt haben 314 Basler Beizen die Lizenz zum Herausstuhlen und dürfen dabei 9122 Quadratmeter des öffentlichen Raums belegen (Stand: 2015), was ungefähr der Grösse eines Fussballplatzes entspricht.

Boulevard-Bewilligungen 2012 - 2016

Über die Gründe kann Hofer nur spekulieren: «Die verkehrsberuhigte Innenstadt hat sicherlich einen gewissen Einfluss. Eines der Ziele der Verkehrsberuhigung war es ja, den öffentlichen Raum stärker zu beleben.»

Strassencafé statt Blechlawine

Ein Blick auf die Liste der Gesuche zeigt: Die Innenstadt ist tatsächlich überdurchschnittlich gut vertreten. So hat beispielsweise Ali Sazpinar vom Restaurant Pinar in der Herbergsgasse gleich hinter dem Spiegelhof eine neue Boulevard-Bewilligung beantragt. Mitte Juli soll der Entscheid eintreffen, ob der Familienbetrieb mit 45 Sitzplätzen künftig vier bis fünf Tische auf dem Trottoir anbieten darf. «Das ist jetzt möglich, weil die Strasse in eine Begegnungszone umgewandelt worden ist und ab 11 Uhr Fahrverbot gilt», sagt der Wirt. Die Aussenplätze würden ihm helfen, die ansonsten umsatzschwachen Sommermonate zu überbrücken. «Wir merken sehr stark, dass die Gäste gerne draussen sitzen würden – gerade bei telefonischen Reservationen wird diese Frage häufig gestellt.»

Auch das Restaurant Pinar in der verkehrsberuhigten Herbergsgasse will «uusestuele».

Auch das Restaurant Pinar in der verkehrsberuhigten Herbergsgasse will «uusestuele».

Auch das Volkshaus plant zusätzliche Sitzplätze auf dem Trottoir in der Rebgasse. «Mit den Plätzen auf dem Boulevard können wir ein ganz anderes Publikum ansprechen. Das sind Gäste, die diese Öffentlichkeit unserem eher abgeschirmten Biergarten vorziehen – nach dem Motto ‹sehen und gesehen werden›», sagt Geschäftsführer Martin Reinshagen. Der bereits bestehende Aussenbereich der «Bar No. 1» werde verdoppelt, 18 zusätzliche Sitzplätze seien geplant. «Wir hatten diese Expansion schon länger im Auge – jetzt machen wir Nägel mit Köpfen.» Bisher seien im geplanten Bereich unter den Baumkronen zweier Robinien illegal Velos abgestellt worden. «Von dem her gehe ich nicht davon aus, dass unser Gesuch abgelehnt wird, es ist definitiv eine Aufwertung.»

Die Lokale mit eingereichten Boulevard-Bewilligungen in der Übersicht.

Das flächenmässig grösste Ausbau-Begehren hat das Restaurant Bahnkantine beim Erlenmattpark eingereicht. 70 Quadratmeter, aufgeteilt in drei Bereiche, sind geplant. Das Restaurant Thai House an der Clarastrasse begehrt 51 Quadratmeter, die Trend Bar an der Birmannsgasse 29 Quadratmeter. Und auch das Paddy Reilly’s Irish Pub würde seine Gäste gerne auf 20 zusätzlichen Quadratmeter bewirten.