Euro-Airport

So viele Tonnen Medikamente werden täglich am Euro-Airport verfrachtet

Der Euro-Airport hat sich zum Logistikzentrum der Basler Pharmaindustrie entwickelt. Von hier verschickt sie sämtliche in Europa hergestellten Medikamente. Die mit Abstand meiste Fracht wird aber nicht im Flugzeug, sondern per Camion transportiert.

Für Roche wie für Novartis ist der Euro-Airport (EAP) zur zentralen europäischen Drehscheibe für den Versand ihrer Medikamente geworden. Mathieu Haman, bei Roche für die Logistik verantwortlich, sagt: «Unsere gesamte europäische Produktion wird über den EAP abgewickelt. 99 Prozent ist für den Export bestimmt und geht in die ganze Welt.» 15'000 Tonnen Fracht würden im Jahr über den EAP versandt. «Für uns ist das lebenswichtig.»

Bei Novartis sind es 12'000 Tonnen. Auch der zweite grosse Basler Pharmakonzern wickelt den Versand aller in Europa hergestellten Medikamente über den EAP ab. Abgefertigt wird die Fracht von Swissport, einer ehemaligen Tochter der Swissair, die seit 2015 der chinesischen Gruppe HNA gehört.

48 000 Tonnen Fracht hat Swissport 2017 über den EAP versandt. Davon ist bei weitem nicht alles Luftfracht. Sie macht nur 20 Prozent aus. Statt mit dem Flugzeug verlässt 80 Prozent den EAP per Camion, um über die Strasse zu den grossen Flughäfen wie Frankfurt transportiert zu werden. Als Standortvorteil erweist sich für einmal der binationale Status und die Lage. In Frankreich gibt es für Lastwagen weder in der Nacht noch am Wochenende ein Fahrverbot.

Vorteil der kurzen Wege

Der Vorteil des vergleichsweise kleinen Flughafens sind die kurzen Wege. Dass er zudem für Pharma-Produkte gut ausgerüstet ist, haben auch andere Unternehmen aus der Life-Science Branche verstanden. Andreas Behnke ist bei Swissport für den Standort Basel zuständig. Er erläutert: «Wir haben uns zum Logistik-Zentrum für die Pharma entwickelt. Weitere Kunden sind Eli Lilly, Actelion, Basilea und Merck.»

Kürzlich hatte Swissport eine Gruppe internationaler Journalisten eingeladen, um ihre Aktivitäten im Cargo-Bereich vorzustellen. Im Mai hat das Unternehmen für den EAP ein internationales Zertifikat für die Logistik der heiklen und empfindlichen Medikamente erhalten. Behnke erklärt: «Die grösste Gefahr ist, dass sie zu lange Kälte, Hitze oder einem Unwetter ausgesetzt sind.»

Dementsprechend schnell muss der Transport von der gekühlten Lagerhalle zum Flugzeug auf dem Rollfeld gehen. In Basel geht das rasend, ist angeblich sogar Weltrekord. Knapp anderthalb Minuten hat die Palette mit den Medikamenten für Asien und Afrika für den Weg zum Airbus 330 der Qatar Airways gebraucht. Insgesamt dauert es weniger als eine Stunde, bis das Flugzeug an diesem Abend mit seiner 49,2 Tonnen schweren Fracht beladen ist. Der Grossteil davon sind Pharmaprodukte. Um 21.20 Uhr war es aus London kommend gelandet, gegen 23 Uhr sollte es wieder starten und sechs Stunden später in Doha in Qatar ankommen.

Modernes Frachtflugzeug

Flughafen-Direktor Matthias Suhr steht mit dem Journalisten auf dem Rollfeld, schaut beim Beladen zu und kommentiert: «Viele Leute glauben, dass bei alten Passagier-Flugzeugen einfach die Fenster zugeklebt werden, um sie als Frachtflugzeug einzusetzen.» Dabei sei der A330 von Qatar ein Frachtflugzeug der neusten Generation. Sieben Vollfrachtflüge gibt es pro Woche ab Basel. Dazu kommen unter der Woche täglich zwölf Bewegungen bei den Express-Flügen von Firmen wie DHL oder UPS. Dabei geht es oft um Briefe oder Dokumente, die schnell transportiert werden müssen. Bei der Vollfracht hingegen handelt es sich oft um grosse Sendungen auf Paletten.

In der Öffentlichkeit wird der EAP vor allem wegen der vielen Flüge von Easyjet wahrgenommen. Suhr sagt: «Es ist wenig bekannt, dass der Flughafen mit dem Versand der Medikamente eine ganz wichtige Funktion übernimmt.»

Die modernen Cargo-Hallen wurden 2015 in Betrieb genommen und garantieren eine konstante Temperatur zwischen 15 und 25 Grad, die für rund vier Fünftel der Waren ausreicht. Der Rest wie zum Beispiel Blutplasma wird in gesonderten Bereichen bei zwei bis acht Grad gelagert. Ein geringer Teil benötigt Temperaturen von minus 20 Grad, die in einem Extra-Raum gewährleistet sind.

Die Fracht ist nach den Passagierflügen und dem Umbau und Unterhalt von Privatflugzeugen das drittwichtigste Geschäftsfeld des Flughafens. Mehr als 1000 Personen arbeiten hier. Den Bau der Cargo-Hallen hat sich der EAP 40 Millionen Euro kosten lassen. Als wichtige potenzielle Kunden galten von Anfang an die grossen Basler Pharma-Unternehmen. Die Rechnung ist aufgegangen.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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