Öffentlicher Verkehr

So wollen BVB attraktiver werden

Die BVB planen, ab 20 Uhr einen 10-Minuten-Takt einzuführen.

Symbolbild

Die BVB planen, ab 20 Uhr einen 10-Minuten-Takt einzuführen.

Schneller, diverser und besser: Die Basler Verkehrsbetriebe planen unter anderem diese vier Massnahmen.

Rund 350000 Fahrgäste sind täglich mit den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) unterwegs. Sie nutzen das Tram für den Schulweg oder fahren geschäftlich vom einen Ende der Stadt bis ins Baselbiet. Seit 2015 sind die Zahlen der Fahrgäste jedoch rückläufig. Nun hat das Basler Bau- und Verkehrsdepartement zusammen mit den BVB einen Massnahmekatalog erarbeitet, um die Nachfrage nach dem öffentlichen Verkehr zu steigern. Die bz erklärt vier wichtige Neuerungen:

Centralbahnplatz (Symbolbild)

Centralbahnplatz (Symbolbild)

1. Mehr Trams in der Nacht
Die BVB planen, ab 20 Uhr einen 10-Minuten-Takt einzuführen. Bisher verkehren die Trams tagsüber alle 7,5 Minuten und ab 20 Uhr im 15-Minuten-Takt. Mit der Taktverdichtung in den Abendzeiten hoffen die BVB, den heutigen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Massnahme habe jedoch zur Folge, dass in nachfrageschwachen Zeiten – etwa am Morgen  – und auf einzelnen Linien die Trams seltener verkehren.

Für die Taktverdichtung spricht, dass die BVB laut eigenen Angaben den Personalbestand nahezu ausgeglichen haben. 2019 seien rund 100 neue Mitarbeitende rekrutiert worden und im laufenden Jahr kämen nochmals 100 zusätzliche Angestellte hinzu. Bis Mitte 2020 wollen die BVB den Vorschlag ausgearbeitet haben – zusammen mit dem Kanton Baselland und der Baselland Transport AG (BLT).

Jeder dritte Automat der Basler Verkehrsbetriebe soll gestrichen werden.  Roland Schmid

Jeder dritte Automat der Basler Verkehrsbetriebe soll gestrichen werden. Roland Schmid

2. Haltestellen aufheben
Kanton und BVB stellen im Bericht fest: Der öffentliche Verkehr muss beschleunigt werden. Darum wurde Anfang 2020 eine Arbeitsgruppe zu «Beschleunigungsmassnahmen» einberufen. Diese prüft Massnahmen, unter anderem «die Aufhebung einzelner schwach frequentierter Haltestellen». Am wenigsten Einsteiger wurden laut BVB im vergangenen Jahr etwa an den Haltestellen Haidweg, Dominikushaus und in der Au gezählt.

Beim VCS beider Basel stösst dieser Vorschlag auf Kritik: «Die Aufhebung von Haltestellen finde ich heikel. So müssen die Fahrgäste einen weiteren Weg bis zur nächsten Haltestelle auf sich nehmen», sagt Geschäftsführer Florian Schreier. Vielmehr sollten die BVB die Lichtsignale optimieren, Tramspuren ausbauen und Hindernisse beseitigen.

Pick-e-Bike

Pick-e-Bike

3. Velos vermieten
Der öffentliche Verkehr und die Mietangebote von Velos und E-Trottinetts sollen sich nicht länger konkurrenzieren, finden die BVB. Das Unternehmen will sich stärker als Mobilitätsanbieterin positionieren.

 

Konkret heisst das: Die BVB will in das Geschäft mit Mietvelos einsteigen und dafür gemeinsame Sache mit der BLT machen. Letztere hat vor zwei Jahren «Pick-e-Bike» lanciert, zusammen mit der EBM Energie AG und der Basler Kantonalbank. BLT-Direktor Andreas Büttiker sagt auf Anfrage: «Wir positionieren das E-Bike-Sharingangebot als Teil des Nah- und Agglomerationsverkehrs. Insofern passen die BVB ideal zum Zielprofil von ‹Pick-e-Bike› und könnten der geplanten Entwicklung des Veloverleihsystems auf baselstädtischem Gebiet einen zusätzlichen Schub verleihen.» Die BVB bestätigen Gespräche mit dem Baselbieter ÖV-Partner.

Das Sharing-Unternehmen hat sich für die Ausschreibung eines flächendeckenden Veloverleihsystems in Basel beworben. Ende März wird entschieden, ob die E-Bikes der BLT oder einer der beiden anderen Bewerber den Zuschlag des Kantons erhalten.

Bus auf Abruf

Bus auf Abruf

4. Bus auf Abruf
Zuletzt planen die BVB ein Pilotprojekt im Bereich «RidePooling». Fahrgäste sollen mittels einer App untereinander Fahrgemeinschaften bilden, um ein Fahrziel zu erreichen. Der Test soll zeigen, ob die Idee im Abend- und Spätverkehr beliebt wäre. Die BVB teilen mit, dass das Projekt noch erarbeitet werde. Weitere Informationen seien noch nicht verfügbar.

In Zürich wird ab Sommer 2020 ein solches Pilotprojekt umgesetzt: In schlecht erschlossenen Quartieren werden fünf Kleinbusse eingesetzt, die per App bestellt werden können. Der Versuch kostet die Stadt rund drei Millionen Franken. Im Zürcher Stadtparlament war der Vorschlag im Sommer 2019 umstritten, wie die «NZZ» berichtete. So kritisierte die SVP, dass das Projekt eine Art staatlicher Ruftaxidienst sei, «ähnlich wie Uber». Für EVP und SP hingegen sprach gegen das Pilotprojekt, dass die eingesetzten Kleinbusse nicht behindertengerecht sind. Für den VCS beider Basel ist derweil klar: «Öffentlicher Verkehr muss allen zu Verfügung stehen, auch ohne App.»

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