Die Doppeladler-Affäre, Baustellen, die katholische Kirche, die Diskussion um Genderforscherin Franziska Schutzbach, Parkplätze und die Kantonsfusion: Es gibt kaum ein Thema, zu dem sich Thierry Moosbrugger nicht auf den sozialen Medien äussert. Etwas über 400 Wortmeldungen zählt in den vergangenen drei Monaten alleine Twitter. Und auf Facebook schaltete sich Moosbrugger mit einem Bild und dem Text «JeSuisNegroRhygass» in die Rassismus-Debatte um die Basler Fasnacht ein.

Oft humorvoll kommen Moosbruggers Beiträge daher, selten verbergen sie seine Gesinnung. Moosbruggers Social-Media-Aktivitäten sind auch Basler Grossräten aufgefallen. Die sind zwar nicht weisungsbefugt, haben ihn aber immerhin eingestellt: Thierry Moosbrugger ist Basler Ombudsmann.

Es ist eine Stelle, die ein besonderes Profil verlangt. Die Ombudsstelle ist die Beschwerdeinstanz für alle, die ein Problem mit dem Kanton haben. Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit sind ihr höchstes Gut, denn sie vermittelt bei Konflikten zwischen der Bevölkerung und der Verwaltung. Die Ombudsstelle ist auch der Ort, wo Whistleblower Missstände im Kanton melden.

Ein schwieriger Job, der viel Fingerspitzengefühl erfordert. Moosbrugger teilt sich die Stelle mit Elisabeth Burger zu je fünfzig Prozent. In einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren haben sich Burger und Moosbrugger durchsetzen können und wurden schliesslich vom Parlament in das Amt gewählt. In der Wahlvorbereitungskommission sass damals auch SP-Grossrätin Beatriz Greuter.

Ihr sind Moosbruggers Aktivitäten aufgefallen, sie zeigt sich darob «irritiert». «Ich weiss nicht, ob er sich bewusst ist, dass er ein öffentliches Amt bekleidet», sagt sie. Auch Joël Thüring von der SVP redet von einem «gewissen Rollenverständnis», das der Job erfordere. Beide sehen die Sache nicht dramatisch.

Ein Skandal ist Moosbruggers Sendungsbewusstsein im Internet sicher nicht. Aber selbst André Auderset (LDP), Präsident der Wahlvorbereitungskommission und mit Moosbrugger über die Fasnacht verbunden, sagt: «Ich wäre zurückhaltender in diesem Amt.»

Tweets gelöscht

Zwar betreffen die meisten Tweets und Facebookeinträge belanglose Themen; Moosbruggers Lieblingsthema ist der Fussball. Doch auch dort gibt der Stil seiner Schreibe zu reden. Wenn er SRF-Moderator Sascha Ruefer etwa als «Saschispatzi» bezeichnet und sich über seine Moderation lustig macht, wirkt das kaum deeskalierend und zurückhaltend.

An anderer Stelle äussert sich Moosbrugger direkt zur lokalen Politik und Verwaltung. Solche Tweets liegen der «Schweiz am Wochenende» als Screenshots vor, nach einer offiziellen Anfrage hat sie Moosbrugger inzwischen gelöscht (Interview unten).

Rechtlich muss sich Moosbrugger nichts vorwerfen lassen. Im Gesetz steht lediglich: «Sie/er darf kein anderes öffentliches Amt, kein Verwaltungsratsmandat, keine leitende Funktion in einer politischen Partei und keine andere Erwerbstätigkeit ausüben.» Über die Teilnahme an öffentlichen Debatten schweigt das kantonale Gesetz.

Derzeit erarbeitet der Kanton neue Richtlinien für den Umgang mit sozialen Medien, wie die Staatskanzlei auf Anfrage erläutert. Die aktuell gültigen Richtlinien stammen aus dem Jahr 2012, seither hat sich gerade in diesem Bereich viel verändert. Selbst dagegen kann Ombudsmann Moosbrugger nicht verstossen: Niemand hat gegenüber der Ombudsstelle Weisungsbefugnis.