Acht Jahre nach dem «Arabischen Frühling» wird oft die Frage gestellt, was sich für die Menschen vor Ort zum Besseren gewendet hat. Was der Aufbruch vom Maghreb bis in den Nahen Osten mit sich gebracht hat, sind fruchtbare Auseinandersetzungen von Künstlern mit den neuen Gegebenheiten. Die Stimmen der jungen arabischen Frauen spielen dabei eine herausragendere Rolle als zuvor. Einige von ihnen haben sich 2017 in Paris zum Sodassi Project zusammengefunden.

Unbelastet von politischen Wirrnissen und Zensur konnten sie dort unter Leitung der experimentellen Klangkünstlerin Kamilya Jubran ein Programm erarbeiten. Alle stehen sie mit einem Bein in der Tradition ihres Heimatlandes, doch zugleich haben sie eine kosmopolitische Lebensweise gewählt – ein kreativer Spagat. Allen gemeinsam ist, dass sie, wie es in der Ankündigung heisst, ihr «Erbe eher als Hort der Freiheit und nicht als Bürde und ständigem Reminder an Einschränkungen verstehen».

Die Libanesin Youmna Saba ist eine Musikologin und Songwriterin, die sich mit den Brücken zwischen Klängen und bildender Kunst in den arabischen Kulturen auseinandersetzt. Mit einer Ausbildung an der renommierten Musikhochschule Berklee ausgestattet, arbeitet die palästinensische Sängerin Maya Khaldi heute von London aus, lehrt am Konservatorium, leitet Chorprojekte.

Vom frühen Rock ’n’ Roll bis zum Free Jazz

Sama Abdulhadi, ebenfalls Palästinenserin, hat den Techno und Deep House nach Ramallah gebracht und gilt als erste Electronica-DJane ihres Landes. Ein Multitalent ist Ayed Fadel: Neben seiner Tätigkeit als Musiker ist er Filmemacher, Schauspieler und Aktivist, der sich für die Freiheit des palästinensischen Volkes einsetzt. Wie Fadel stammt auch Rasha Nahas aus Haifa: Die Gitarristin verbindet Stile vom frühen Rock ’n’ Roll bis zum Free Jazz und hat ihre Songs schon auf dem Glastonbury Festival präsentiert.

Die prominenteste Sodassi-Künstlerin dürfte die Ägypterin Dina El Wedidi sein: Während der Demonstrationen auf Kairos Tahrir-Platz war sie eine der herausragenden Sängerinnen der ägyptischen Revolution. Nach ihrer Beschäftigung mit den Volkskulturen ihrer Heimat hat sie mit «Manam» eine Suite aus Geräuschen ägyptischer Züge und Bahnhöfe gebaut.

Ihre Arbeits- und Lebensweise steht exemplarisch für die ihrer Kolleginnen: «Ägypten ist ein grossartiger Ort, um Ideen zu bekommen», sagt El Wedidi. «Doch ich muss ausserhalb meines Landes durchatmen können. Mit Zensur umzugehen ist überall schwierig, nicht nur in der arabischen Welt. Diese Schwierigkeit ist ein Teil unserer Kunst, die uns viel Energie gibt, weiterhin das zu tun, woran wir glauben. Das ist meine Rolle.»

   

Konzert Sodassi Project, Dienstag, 2. April, 20.30 Uhr. Kaserne, Basel.