Basel

Sogar bürgerliche Grossräte fordern Rettung für Basels Konzert- und Theatervorstellungen

Die Musikbranche geht wegen Corona grosse Schwierigkeiten durch. (Symbolbild)

Die Musikbranche geht wegen Corona grosse Schwierigkeiten durch. (Symbolbild)

Mehr als die Hälfte aller Grossrätinnen und Grossräte will, dass die defizitären Anlässe dank Subventionen weitergeführt werden.

Solche Einmütigkeit ist selten im Grossen Rat. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier standen bei SP-Grossrätin Lisa Mathys förmlich Schlange für eine Unterschrift, als diese mit ihrem Anzug durch den Rat spazierte. Selbst SVPler wie Joël Thüring oder Pascal Messerli wollten ihre Forderung unterschreiben. Nach 51 Unterschriften war das Blatt voll, Lisa Mathys’ Idee der Rettung des Basler Konzert- und Theaterwinters steht somit nichts im Weg. Dies, nachdem die regionalen Veranstalter, Agenturen und Künstler ihre Events in jüngerer Zeit weitgehend abgesagt haben. Sie lohnen sich in der jetzigen Situation schlicht nicht. Auf unbestimmte Zeit gilt nach dem Bundesratsentscheid vom Mittwoch die absolute Obergrenze von 50 Personen bei Veranstaltungen. Mathys schreibt in ihrem Vorstoss: «Für Veranstaltende ist es unter diesen Umständen meist unmöglich, kostendeckende Veranstaltungen durchzuführen. Insbesondere, wer den auftretenden Kulturschaffenden eine faire Gage bezahlen will und auch das Personal korrekt und fair entlöhnt, macht unweigerlich rückwärts.»

Sie hat sich Ende September mit Kulturschaffenden und Veranstaltern getroffen. Das Fazit: ernüchternd. «Sie haben uns gesagt, dass sie die Events auch ausverkaufen könnten in der jetzigen Situation und trotzdem ein Minus machten.» Nach den sowieso schon mageren Monaten könnten es sich die Veranstalter in absehbarer Zeit nicht mehr leisten, solche Anlässe durchzuführen. Auch den Künstlern ginge es mittlerweile ans Eingemachte. «Ich habe zum Beispiel mit DJs gesprochen, die fast nichts mehr für ihre Auftritte bekommen.»

Nur wer fair bezahlt, hat darauf einen Anspruch

Die Lösung sieht Lisa Mathys nicht in einer pauschalen Subvention, sondern in einer De­fizitgarantie. «Das hat wahrscheinlich dazu beigetragen, dass die Bürgerlichen mit an Bord sind», sagt sie. Sie will den Swisslos-Sportfonds anzapfen, aus dem momentan coronabedingt weniger Geld verteilt wird als in früheren Jahren. Allein zwischen 1. Februar und 31. Juli war rund eine Million weniger gesprochen worden als in der Vorjahresperiode. Mathys regt nun in ihrem Anzug an, dass «im Sinne eines Schwerpunkt-Projekts zu jenem Beitrag, der im Jahr 2020 weniger beansprucht wird als durchschnittlich in den letzten drei Jahren» Defizitgarantien gewährt werden für regionale Kulturveranstaltungen.

Die Veranstalter müssten indes mehrere Bedingungen erfüllen. So müssten die Corona-Auflagen die zugelassene Publikumszahl beschränken, die auftretenden Künstlerinnen und Künstler eine faire Gage bekommen und auch das Personal – also die Techniker, die Türsteher und die Mitarbeitenden der Bar – korrekt entlöhnt werden.

In der Reithalle statt im Rossstall der Kaserne

Für Mathys steht mehr auf dem Spiel als die regionale Kleinkunst. Auch der gesellschaft­liche Zusammenhalt könne erhalten werden, wenn weiterhin Konzerte und Theater durch­geführt würden. «In der ersten Welle war für mich eine gewisse Aufregung zu spüren. Das ist nicht mehr der Fall», meint sie. Zum Pessimismus trage auch bei, dass die zweite Coronawelle in die Wintermonate falle.

Dank der Defizitgarantie hätten die Veranstalter nun auch die Möglichkeit, in Lokalen aufzutreten, die im Normalfall über ihren Verhältnissen lägen. «Konzerte, die üblicherweise im Rossstall der Kaserne über die Bühne gehen, könnten auch in die Reithalle verlagert werden, damit der Abstand eingehalten werden kann», sagt sie. Auch das geräumige Stadtcasino könnte für Kleinkünstler eine Auftrittsmöglichkeit bieten.

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