Stadtentwicklung
Soll Basel einen zwei Kilometer langen Tunnel unter dem Gundeli bauen?

Ein Zwei-Kilometer-Tunnel unter dem «Gundeli» könnte die Nauenstrasse stark vom Verkehr entlasten. Das wäre ein Segen für das Gebiet beim Basler Bahnhof. Im Gundeldinger-Quartier setzt man dagegen auf ein Konzept zur Verkehrsberuhigung, das derzeit von Ernst Basler + Partner erarbeitet wird.

Iso Ambühl
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Die Aussicht auf Verkehrsentlastung macht die Nauenstrasse attraktiv – rechts der Davidoff-Sitz, der einem schmucken Neubau weichen soll.

Die Aussicht auf Verkehrsentlastung macht die Nauenstrasse attraktiv – rechts der Davidoff-Sitz, der einem schmucken Neubau weichen soll.

Kenneth Nars

Die Nauenstrasse beim Basler Centralbahnhof ist stets voller Autos. Meist gibt es Kolonnen, wenn die Trams am Aeschenplatz Vorfahrt haben. Um aus der viel befahrenen Strasse eine Flaniermeile zu machen, gibt es eine Lösung: den «Gundeli-Tunnel».

400 Millionen vom Bund

Das Projekt aus den 1960er-Jahren sieht einen zwei Kilometer langen und rund 616 Millionen Franken teuren Autobahn-Tunnel vor, der beim Bahnhof Wolf unter dem Gundeldinger-Quartier Richtung Grossbasel-West und Binningen geführt würde. Finanzieller Vorteil des Projekts: Der Bund würde rund 400 Millionen Franken beisteuern.

Die kantonalen Planer sind derzeit an der Arbeit, um das Projekt «Gundeli-Tunnel» mit allen Fakten für einen Entscheid der Basler Regierung im nächsten Jahr vorzubereiten. «Fest steht, dass der Tunnel für die Nauenstrasse und das Gebiet rund um den Bahnhof eine Verkehrsentlastung bringt», sagt Baudepartementssprecher André Frauchiger.

Die Aussicht auf eine Verkehrsberuhigung macht das Gebiet rund um die Nauenstrasse attraktiv. Kein Wunder, bleibt die Oettinger Davidoff Group dort und plant ihren 33-Millionen-Glaspalast-Neubau von Architekt Roger Diener anstelle ihres bisherigen Firmensitzes. Auch die Basler Versicherung ist emsig daran, Vorteile und Nachteile eines Abbruchs oder einer Sanierung des Fünfsternhotels Hilton zu prüfen. Neu kommt hinzu, dass die kantonalen Planer die Situation des Vorplatzes des Hotels neu überdenken: Man kann sich sogar eine Sperrung des Endes einer verkehrsberuhigten Nauenstrasse beim Aeschengraben vorstellen, was Platz für neue Ideen gibt. Die Autos würden den bereits bestehenden Nauentunnel benutzen, was dem Tramverkehr am Centralbahnplatz mehr Raum gäbe.

Bewegung in der Hotel-Landschaft

Sicher ist, dass eine Lösung für das in die Jahre gekommene Nobelhotel gefunden werden muss. Im Jahr 2016 läuft der Vertrag der Hilton-Gruppe mit der Baloise aus. Nahe der Nauenstrasse sind neue Hotels bereits im Bau: ein 2-Stern-Ibis-Budget- sowie ein 4-Stern-Novotel-Hotel anstelle der Grosspeter-Garage. Wenige Meter dahinter plant die PSP Swiss Property einen 78 Meter hohen Grosspeter-Tower mit Büros, Läden und einem 3-Sterne-Hotel. Laut einem PSP-Sprecher erwarte man die Baubewilligung in den nächsten Tagen.

Ein Hochhaus prägt die Nauenstrasse bereits: Das Lonza-Hochhaus der Suter-Architekten, das dieses Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. Eine Reserve für ein weiteres Bauprojekt ist der nahe Tennisplatz, für den es bei Lonza aber noch keine Pläne gibt. Ebenfalls noch nicht spruchreif ist die Idee der Basler Stadtentwicklung, die «Gundeli-Passerelle» über den Zugsgeleisen des Bahnhofs auszubauen, um das Gundeldinger-Quartier besser an die Stadt anzubinden.

Dies wäre allerdings nicht mehr nötig, wenn der «Gundeli-Tunnel» gebaut würde: Im Zug einer verkehrsarmen Nauenstrasse gibt es Überlegungen der kantonalen Planer, die nahe Peter-Merian-Brücke für den Autoverkehr zu sperren. Sicherlich eine Attraktivität für Mieter des roten Reitergebäudes der Post über den Geleisen: Bekanntlich möchte die SRG ihr Studio vom Bruderholz in das Postgebäude zügeln.

Skepsis im Gundeli

Ob der «Gundeli-Tunnel» je gebaut wird, scheint fraglich. Im Gundeldinger-Quartier ist man skeptisch, ob der Tunnel etwas für die Verkehrsberuhigung bringt. Der Tunnel hat, wenn er bewilligt wird, eine Bauzeit von rund fünf Jahren. «Seit Jahrzehnten verspricht man dem Quartier eine Verkehrsberuhigung», sagt Claude Wyler, Vizepräsident des Neutralen Quartiervereins Gundeldingen. Man werde falls nötig gegen das Tunnelprojekt vorgehen, sagt Wyler. Personen für ein Komitee stünden bereit.

Im Baudepartement geht man auf die Klagen der Quartierbewohner neuerdings ein und lässt Massnahmen für eine Verkehrsberuhigung im «Gundeli» erarbeiten. Die Zürcher Ingenieur- und Planungsfirma Ernst Basler + Partner übernimmt diese Aufgabe und bereitet derzeit zusammen mit der Quartierkoordination Gundeldingen ein Konzept zur Verkehrsberuhigung vor. Das Konzept solle die Situation mit und ohne «Gundeli-Tunnel» abklären, betont Sprecher Frauchiger. Die so gemeinsam erarbeitete Studie mit ihren Vorschlägen soll bis Anfang 2013 vorliegen.