Die Läden in Basel leiden schon genug. Deshalb sollte man ihnen die gleichen Chancen geben wie den Geschäften im Umland.

Ob Weil am Rhein, Oberwil oder Saint-Louis: Überall dürfen die Läden länger offen haben als in Basel. Damit benachteiligen wir den schon arg gebeutelten Detailhandel unnötig. Bei der Abstimmung zur Anpassung der Öffnungszeiten am Samstag geht es deshalb darum, dem hiesigen Gewerbe gleich lange Spiesse zu gewähren. Die moderate Anpassung soll ein weiteres Puzzleteil zur Attraktivitätssteigerung unserer Stadt sein und für den Detailhandel eine Verbesserung bringen. Dieser Detailhandel steht vor grossen Herausforderungen. Die jüngsten Zahlen sind erschreckend. Gerade das Herbstgeschäft im «Non-Food-Bereich», also zum Beispiel bei Kleidern, ist angesichts des langen Sommers inexistent. Die Folge sind weitere Umsatzeinbussen.

Dazu kommt, dass immer mehr Leute im Internet oder im grenznahen Ausland einkaufen und dadurch Arbeitsplätze im hiesigen Detailhandel verschwinden. Dabei sind diese Betriebe Garanten dafür, dass im niederschwelligen Bereich Stellen existieren oder Teilzeitkräfte, häufig Mütter oder Alleinerziehende, eine Anstellung finden. Bricht der Umsatz weiter ein und müssen immer mehr Läden schliessen, gehen diese Stellen verloren. Deshalb müssten linke Parteien und Gewerkschaften für die Verlängerung sein. Längst geht es nämlich nicht mehr darum, dass neue Stellen geschaffen werden, sondern dass bestehende erhalten bleiben. Rentiert sich eine längere Ladenöffnung nicht, wird zudem kein Betrieb diesen geöffnet haben. Diese unternehmerische Freiheit sollten wir dem Gewerbe lassen. Kein Angestellter wird – es gilt weiterhin das Arbeitsgesetz – mehr arbeiten müssen als heute.

 Es ist auch in anderen Branchen völlig üblich, auch an einem Samstag oder zu Randzeiten zu arbeiten. Weshalb dies ausgerechnet im Detailhandel unmöglich sein soll, hat bis heute keine Gewerkschaftsvertretung plausibel erklären können. Zudem ist es für viele Arbeitnehmende attraktiv, sich für eine Schicht bis 20 Uhr zu melden. Moderne Arbeitszeitmodelle helfen gerade alleinstehenden Müttern oder Haushalten, welche auf beide Einkommen angewiesen sind, besser den Alltag zu meistern. Es ist falsch, dass diese Arbeitszeiten unbeliebt sind – das belegen auch Aussagen von Detailhändlern, welche am Bahnhof SBB einen Betrieb führen. Eine Verlängerung um zwei Stunden führt zudem dazu, dass unsere Stadt am Samstag belebter wird. Heute leeren sich die Läden gegen 17 Uhr.

Niemand geht kurz vor Ladenschluss in die Stadt, wenn er noch eine Hose kaufen möchte. Hat er länger und ungestresst Zeit für die Anprobe, macht er das viel eher und geht danach vielleicht auch noch in ein Restaurant. Damit wird die Innenstadt belebter und gerade auch die Gastronomie wird davon profitieren können. Wollen wir also Arbeitsplätze erhalten, unsere Stadt lebendig machen und für gleich lange Spiesse sorgen, müssen wir am 25. November Ja sagen.

Von verlängerten Öffnungszeiten profitieren höchstens die Grossverteiler. Leiden würde das Verkaufspersonal.

Schon wieder stimmen wir über die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten ab. Dabei will niemand längere Ladenöffnungszeiten: Weder die Kunden noch die Detailhändler und sicher nicht das Verkaufspersonal. Die Bevölkerung hat erst vor wenigen Jahren mit 60 Prozent deutlich gesagt, dass sie keine längeren Ladenöffnungszeiten – insbesondere am Samstag – will.

Die Läden nutzen nicht einmal die bestehenden Öffnungszeiten aus. Und die Arbeitsbedingungen im Detailhandel sind schon hart genug. Joël Thüring begründete den Vorstoss damit, den Einkaufstourismus mit längeren Öffnungszeiten bekämpfen zu wollen. Diesen Zusammenhang erkenne ich bis heute nicht. Es gibt für die Kunden heute schon genug Möglichkeiten, um praktisch rund um die Uhr einkaufen zu können: Familienläden, Tankstellenshops, an Bahnhöfen, im Internet.

Im grenznahen Ausland wird eingekauft, weil es billiger ist. Verschiedene Medien haben bereits berichtet, dass auch bei den Läden kein Bedürfnis nach längeren Öffnungszeiten besteht. Nur wenige Grossverteiler schöpfen die heutigen Öffnungszeiten unter der Woche bis 20 Uhr aus, die meisten Läden schliessen früher. Die Grossverteiler könnten denn auch als einzige die längeren Öffnungszeiten stemmen und ein klein bisschen mehr vom Kuchen abbekommen. Da der Gesamtumsatz im Detailhandel nicht steigen wird, würden die anderen Betriebe und damit die Lädeli-Vielfalt darunter leiden. «Faire» Ladenöffnungszeiten wären vor allem für die kleinen Läden einheitliche, sodass sie sie wirklich stemmen können.

Es gibt also keinen Grund, an der bestehenden Regelung etwas zu ändern. Wir wollen alle eine attraktive Innenstadt, da hilft aber ein Samstagabendverkauf nichts – im Gegenteil. Statt Verbesserungen bringen längere Öffnungszeiten Verschlechterungen für die Beschäftigten. Mit einem Mindestlohn von 3500 Franken sind die Löhne sehr tief bis prekär. Und es hat sich andernorts gezeigt, dass sich der Personalbestand bei Ausdehnung der Öffnungszeiten nicht erhöht.

Somit arbeitet das gleiche Verkaufspersonal länger, zu gleichbleibenden Löhnen und ohne Zuschläge. Bereits heute sind die Arbeitstage und Einsatzzeiten flexibel. Es ist es schon unter der Woche schwierig, Zeit mit der Familie oder Freunden zu planen. Das wäre nun auch am Samstag so: Bis die Verkäuferin aus dem Laden käme, wäre es gut 21 Uhr. Das gemütliche Familienessen und das Kinder-zu-Bett-Bringen wären gestrichen.

Längere Ladenöffnungszeiten auf Kosten des Verkaufspersonals kommen für mich nicht infrage. Das hat auch die Mehrheit der hiesigen Stimmbevölkerung in den letzten Jahren mehrfach bestätigt, und trotzdem stimmen wir einmal mehr darüber ab. Ich bitte Sie im Namen der Verkäuferinnen und Verkäufer, am 25. November einmal mehr ein deutliches Nein in die Urne zu legen.