Pyros
Soll das kontrollierte Abbrennen von Pyros in Stadien erlaubt werden?

Am Samstag kam es bei der AFG-Arena in St. Gallen zu Ausschreitungen zwischen FCB-Anhängern und Sicherheitsangestellten. Grund war pyrotechnisches Material, das bei einer Kontrolle sichergestellt wurde. Damit wird die Pyro-Frage wieder neu lanciert.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen

Kontrollierte Feuerfreude zu St. Jakob
Pyros Basler Politiker von rechts bis links fordern Legalisierung bengalischer Fackeln in den Stadien

Letzten Samstag vor dem Spiel des FC Basel in St. Gallen: Am Stadioneingang findet die Security unter den Kleidern eines FCB-Fan pyrotechnisches Material und verhaftet ihn. Um ihren Kollegen zu schützen, greifen vermummte FCB-Anhänger die Sicherheitsangestellten an. Letztere wehren sich mit Pfefferspray und Tränengas, worauf Scheiben zu Bruch gehen, Klappstühle abmontiert und WCs zerstört werden (die bz berichtete).

Das Verhalten der Fans sei nicht legimitierbar, betont Thomas Gander, Co-Leiter der Fanarbeit Basel. Er kritisiert aber auch die Nulltoleranz-Doktrin der St. Galler Justiz: Diese trage zur Eskalation bei. Gander stellt zudem die Frage der Verhältnismässigkeit: Ausschreitungen bei den Eingangskontrollen seien gefährlicher als das Abbrennen von bengalischen Fackeln, findet er.

Auch an FCB-Meisterfeier verboten

Mit dieser Meinung ist der Fanarbeiter nicht allein. Basler Politiker von links bis rechts machen nun Druck für eine Entkriminalisierung. Am deutlichsten wird CVP-Nationalrat Markus Lehmann. «Nulltoleranz ist der falsche Ansatz. Sie mobilisiert nur Gegenkräfte.»

Trotz Verbot würden in und ausserhalb der Stadien Woche für Woche Feuerwerkskörper gezündet. Zudem herrsche bei der Bekämpfung Willkür: «Streng genommen müssten die Gesetzeshüter auch an der FCB-Meisterfeier rigoros gegen Pyros vorgehen; was sie verständlicherweise nicht tun.»

Lehmann, der vor Jahren die heutige Fanarbeit mitgegründet hat, fordert deshalb, dass Pyros kontrolliert abgebrannt werden dürfen - wie dies im alten Joggeli der Fall gewesen sei. Lehmann sagt aber auch: Wer Fackeln als Waffe benutze und damit andere Menschen gefährde, müsse die Strenge des Gesetzes spüren.

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner, der sonst als knallharter Law-and-Order-Politiker bekannt ist, staunt: Plötzlich soll des Teufels sein, was früher toleriert wurde. «Es gibt Schlimmeres als Pyros, zumal es in den letzten Jahren kaum Verletzungen gab.» Auch Frehner fordert einen «massvollen Umgang mit Pyros».

100-Quadratmeter-Zone im Joggeli

Der Basler Anwalt und SP-Politiker Daniel Ordàs skizziert, wie eine «kontrollierte Feuerfreude» aussehen könnte: In der Muttenzerkurve würde eine zehn mal zehn Meter grosse Zone eingerichtet, in der die Fans unter Aufsicht von Ordnungskräften bengalische Feuer abbrennen dürfen.

Vorsichtiger äussert sich FDP-Regierungskandidat Baschi Dürr, der in der nächsten Legislatur möglicherweise als Sicherheitsdirektor für das Wohlergehen der Matchbesucher im St. Jakob-Park mitverantwortlich ist. Es dürfe kein Tabu darstellen, für das Pyro-Problem eine Lösung zu suchen. «Als verantwortlicher Regierungsrat würde ich eine Liberalisierung zumindest prüfen», sagt Dürr.

Die Forderung nach einem kontrollierten Abbrennen von Pyros ist erstmals im Mai in Zürich diskutiert worden: Damals wurde publik, dass das Sportamt der Stadt gemeinsam mit Fanvertretern Möglichkeiten auslotet. Auf den Vorstoss folgte eine heftige öffentliche Kontroverse. Dem Schweizer Radio DRS sagte der Basler Polizeikommandant Gerhard Lips kurz darauf, dass er sich angesichts der Vollzugsprobleme der Diskussion um Ausnahmeregelungen für Pyros «nicht entziehen» könne.