Uiuiui, nur noch zwei Stunden, dann beginnt der Cortège. Susanne Handschin und Andi Knorpp müssen sich beeilen. Ihre Kutsche ist noch nicht geschmückt, die Süssigkeiten müssen verstaut und die Mimösli in der Kutsche vorsichtig deponiert werden, damit sie nicht welken. Die beiden Chaise und ihre Helfer packen schwarz- und rot-weisse Federboas aus und hängen sie um das Schild über dem Kutschenbock. Die Vorfreude bei den Chaise Waggis ist leider noch nicht so wahnsinnig gross, denn bei diesem starken Regen ist schon jetzt alles tropfnass und die Finger sind klamm.

Und dann kommt die wohl wichtigste Frage: Soll das Kutschendach während des Cortège oben bleiben oder nicht? Der Vorteil ist klar. Aber der Nachteil: «Die Leute sehen uns und unsere Kostüme nicht, und wir können schlecht Süssigkeiten und Blumen verteilen», sagt Handschin. Also ist der Entscheid schnell gefallen – das Dach wird heruntergeklappt. Die Kutsche ist übrigens sehr chic: Dunkelgrün, das Ledersofa bordeauxrot.

Vom Lauten zum Leisen

Nicht immer waren Handschin und Knorpp als Chaise Waggis, die seit 2007 unterwegs ist, am Cortège dabei. Sie hat in einer Gugge gespielt – er war Gründungsmitglied der Waage-Waagis Pup-Rueche. Nach 25 Jahren habe er aber Lust gehabt, die Fasnacht aus einer anderen Perspektive zu erleben, sagt der 54-Jährige. Handschin ihrerseits ist Mitglied der IG Chaise. Und weiss, dass ihre Spezies langsam, aber sicher vom Aussterben bedroht ist.

Das habe einerseits sicherlich damit zu tun, dass es teuer ist, eine Chaise zu sein. Man braucht eine Larve, ein Kostüm, muss eine Kutsche mieten und Pferde organisieren. «Wir sind nur zu zweit und müssen die Kosten übernehmen. Mit diesem Geld könnte man in die Ferien fliegen.» Was den beiden Fasnächtlern an der Chaise gefällt, ist die feine Art, Fasnacht zu machen. «Chaisen sind Individualisten», erklärt Handschin. «Sie machen Fasnacht wie sie wollen und schliessen sich nirgends und niemandem an.» Die Leute am Strassenrand haben zudem Respekt vor ihnen und den Pferden. Und sie bestaunen die geschmückten Kutschen und die schönen Kostüme.

Für die Pferde nicht ungefährlich

So, die Kutsche ist geschmückt, die Schachteln mit Haribo und Schnäppsli sind verstaut. Jetzt fehlen nur noch die Pferde. Kutscher Bruno öffnet den Pferdewagen und führt Jellison und Lissör hinaus und spannt sie vor die Kutsche. Für beide sind diese drey scheenschte Dääg nicht die ersten. Die Pferde müssen es sich gewohnt sein, sagt der Kutscher. «Ich bin immer froh, wenn am Cortège alles gut geklappt hat.» Ungefährlich ist es mit den Pferden nämlich nicht. «Seit ein paar Jahren schiessen die Waggis ihre Räppli mit einer Rakete vom Wagen. Wenn so eine neben den Pferden abgeht, erschrecken sie sich durch das Zischen.»

Auch Gugge machen Jellison und Lissör nervös. Deshalb achtet Handschin immer darauf, dass vor und hinter den Chaisen keine Guggen laufen. «Wenn wir Pause machen und es nähert sich eine Gugge, gehe ich zu ihnen und bitte sie, leiser zu spielen. Viele hören sogar auf, wenn sie bei den Pferden vorbeilaufen.»

Nun ist kurz vor halb 2, es kübelt in Strömen. Handschin und Knorpp ziehen ihre Larven an und setzen sich in die Kutsche. Plüschtiere für die Kinder haben sie eingepackt. Neben den Röseli und den Mimösli liegen Riebli. «Für die Pferde», sagt Handschin.

Diese setzen sich langsam in Bewegung, biegen von der Steinen- in die Stänzlergasse ein. Was die Chaisen – und alle anderen Fasnächtler in diesem Moment – nicht wissen: Es hört noch während des Cortèges auf zu regnen!