Die Debatte
Soll die Kaserne zu einem Kreativzentrum umgenutzt werden?

Am 12. Februar wird in Basel-Stadt über die Sanierung der Kaserne und den Umbau zu einem Kultur- und Kreativzentrum abgestimmt. FDP, LDP und SVP haben gegen den Entscheid des Grossen Rates das Referendum ergriffen.

Guy Morin und Luca Urgese
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Das Kasernenareal

Das Kasernenareal

Zur Verfügung gestellt

«Die Sanierung der Kaserne ist eine Investition ins Kleinbasel»

Für Guy Morin sorgt die Öffnung zum Rhein hin für eine Aufwertung

Guy Morin, Regierungspräsident (Grüne)

Guy Morin, Regierungspräsident (Grüne)

Georgios Kefalas

Den Kasernenhauptbau hat man in den letzten 50 Jahren regelrecht verlottern lassen. Eine Sanierung ist deshalb unumgänglich. Durch den Umbau erhält das Kleinbasel einen offenen, lebendigen Begegnungsort, der für Kultur und die Quartieransprüche Platz bietet. Der Bau wird sich nach der Sanierung zum Rhein hin und seitlich öffnen und sorgt dadurch für Durchlässigkeit. Das düstere und unwirtliche Klingentalweglein wird in die Entwicklung mit einbezogen.

Ein Restaurant mit Rheinblick an der Ecke Klingentalweglein/Unterer Rheinweg gibt diesem sonst unbelebten Winkel eine völlig neue Ausstrahlung mit grosser Anziehungskraft. Die Substanz des historischen Gebäudes wird dennoch nicht unnötig angegriffen. Der Charme der Fassade bleibt und der Kasernenplatz behält seinen offenen Charakter, auf dem sich Kinder tummeln, Jugendliche verweilen, Eltern und Grosseltern sich auf bequemen Sitzgelegenheiten unterhalten können.

Die Entwicklung des Kasernenhauptbaus hat nicht zur Folge, dass das bereits bestehende Angebot ausgewechselt wird. Im Gegenteil: Die aktuellen kulturellen und sozialen Aktivitäten werden beibehalten, und noch ergänzt. Es profitiert vor allem die Quartierbevölkerung.

Das vorgelegte Projekt ist ausgewogen und entspricht den unterschiedlichsten Wünschen und den denkmalpflegerischen Ansprüchen. Die Kosten belaufen sich auf knapp 44,6 Millionen Franken. Davon fliessen rund drei Viertel des Gesamtbetrages in die reine Sanierung des Gebäudes.

Angesichts der bautechnisch anspruchsvollen Situation, der denkmal-pflegerisch wertvollen Substanz und des maroden Zustandes des Gebäudes sind diese Kosten gerechtfertigt. Ein besseres, günstigeres und vor allem sämtlichen Ansprüchen genügendes Projekt gibt es nicht, das haben die letzten Jahrzehnte des Werweisens und des Nicht-Handelns deutlich gezeigt.

«Kasernenprojekt ist weder Fisch noch Vogel»

Für Luca Urgese müsste eine private Trägerschaft geprüft werden

Luca Urgese, Präsident FDP BS und Mitglied des Nein-Komitees

Luca Urgese, Präsident FDP BS und Mitglied des Nein-Komitees

Der Kasernen-Umbau muss ein Wunderbau sein. Die Kaserne müsste wohl doppelt aufgestockt werden, um alle von den Befürwortern gehegten Erwartungen zu erfüllen. Es sind Erwartungen, die dieser Bau nie alle wird erfüllen können, auf die sich das Präsidialdepartement aber mit dem Motto «Ein Haus für alle» stützt. Nur so lässt sich erklären, dass das geplante Nutzungskonzept bis heute unscharf geblieben ist. Jeder soll sich Hoffnungen machen, niemand vergrault werden. Dieses Projekt ist jedoch weder Fisch noch Vogel und leidet an vielen Schwächen.

So ist aus der ursprünglich versprochenen grosszügigen Öffnung in Richtung Rhein ein nächtlich verschlossener Treppenabgang durch das Gebäude hindurch geworden. Ein vom Kanton eingesetztes Gremium soll künftig darüber entscheiden, wer sich einer befristeten Nutzung als würdig erweist. Hier erstaunt insbesondere die Haltung von Vertretern der Alternativkultur, welche sich doch gerade durch Abgrenzung zu bestehenden Strukturen definiert, sich nun aber offenbar im Fall der Kaserne der staatlichen Kulturdefinition unterwerfen will.

Aus Optik des Steuerzahlers nicht zu verachten ist die Tatsache, dass es deutlich günstiger gehen würde. Unbestritten verschlingt die Erdbebenertüchtigung einen grossen Teil der Projektsumme von insgesamt 47 Millionen Franken – Projektierungskredit mitberechnet. Gar nicht ernsthaft geprüft wurde hingegen eine private gemeinnützige Trägerschaft, wie sie auf dem Warteck-Areal oder dem Gundeldinger Feld erfolgreich wirkt und die einen Teil der Kosten übernehmen könnte.

Weil seit Jahrzehnten über die Zukunft der Kaserne gestritten wird, sind einige vor Ungeduld blind geworden gegenüber den Schwächen dieses Projektes. Dieser unser Stadtbild prägende Kasernenbau hat eine sorgfältigere Vorgehensweise verdient. Die Vorlage gehört daher mit einem Nein zurück an den Absender.