Das Sommercasino wird dieses Jahr fünfzig Jahre alt. Auf den runden Geburtstag könnte man in der alten Villa an der Münchensteinerstrasse mit einem guten Whisky anstossen – wäre der Verkauf von hartem Alkohol an der Sommercasino-Bar nicht verboten. Bier und Wein darf das Jugendkulturzentrum an seine Gäste abgeben, vorausgesetzt, diese sind über 16 Jahre alt. Aber harten Alkohol gibt es hier nicht, auch nicht für über 18-Jährige.

Das Sortiment hinter dem Tresen sagt viel aus darüber, wie das Sommercasino sich positioniert. Ein eigentliches Jugendzentrum ist der Betrieb nicht. In Jugendzentren ist der Verkauf jeglichen Alkohols verboten. Ein Veranstaltungsort wie jeder andere ist die Villa aber auch nicht. Als «Jugendkulturzentrum» ist das Haus definiert, in dem mehrmals pro Woche Konzerte und Partys stattfinden, wo aber auch Praktikumsplätze und Ateliers sowie Büros und Proberäume für Musik, Tanz und Theater angeboten werden. Trägerin des Sommercasinos ist die vom Kanton Basel-Stadt subventionierte Basler Freizeitaktion (BFA), die ab Freitag unter neuem Namen auftritt (siehe Kasten). Die heutige Regelung zum Alkoholverkauf hat die Kommission für Jugendfragen vor rund zehn Jahren festgelegt.

Andere Aktivitäten leiden

Doch die Strukturen des Sommercasinos sind im Wandel. Das hat unter anderem finanzielle Gründe: Seit Jahren schreibt das Sommercasino ein Defizit, 30000 bis 80000 Franken fehlen jährlich, wie die Zeitung «bz Basel» im Juni berichtete. Die BFA nimmt das Defizit jeweils in ihr Budget auf und kappt dafür die Gelder bei anderen Aktivitäten, sodass kein Loch in der Kasse entsteht.

Im Jubiläumsjahr hat sich das Sommercasino deshalb eine Betriebsanalyse verordnet. Die Ergebnisse, erarbeitet mit dem Erziehungsdepartement und mit einer externen Beratungsfirma, sollen bis Ende Jahr vorliegen und helfen, das Budget zu entlasten. Unter anderem geht es um neue Methoden zur Planung von Veranstaltungen und um die Suche nach neuen Partnern.

«Ob wir harten Alkohol anbieten dürfen oder nicht, steht nicht im Zentrum unserer Überlegungen», sagt George Hennig, Co-Geschäftsleiter der BFA. Dennoch ist die Debatte um die Getränke wichtig, wie man im Erziehungsdepartement bestätigt. «Das Alkohol-Angebot entscheidet mit darüber, wie das Sommercasino gegenüber anderen Veranstaltungsorten positioniert wird, was letztlich auch einen Einfluss auf die Art der Subventionierung hat», sagt Hansjörg Lüking von der Abteilung Jugend, Familie und Sport.

Selbst entscheiden

Das Sortiment an der Bar sei ein «Image-Faktor», sagt Hennig – und das Image wirke sich aus auf den Erfolg und damit auf die finanzielle Lage des Betriebs. «Wir könnten mit einem anderen Sortiment an der Bar andere Kooperationspartner für Veranstaltungen gewinnen», so Hennig. «Die Partys und Konzerte sollen auch ein volljähriges Publikum ansprechen. Diese Leute wollen selbst entscheiden, was sie konsumieren.»

Mit der Alkoholprävention bei Jugendlichen sieht George Hennig seine Forderung nicht im Konflikt. «Da greifen das Gastgewerbegesetz und der Jugendschutz. Die Abgabe von hartem Alkohol an Minderjährige ist verboten.» Mehr betrunkene Jugendliche gebe es mit einem erweiterten Alkoholangebot nicht, ist er überzeugt. «Wenn die Gäste den harten Alkohol selber mitbringen und vor der Tür konsumieren, trinken sie vermutlich mehr, als wenn sie an der Bar einen Drink bestellen.» Für den ehemaligen Sommercasino-Leiter ist die Diskussion nicht neu. Vor zwanzig Jahren fing George Hennig im Sommercasino als Beizer an und war der Erste, der dort Bier ausschenkte – «erst illegal, dann legal».