Nur zusammen zeigt sich der Charme der Region

Touristisch haben weder Basel-Stadt noch Baselland allzu viel zu bieten. Anders sieht das aus, wenn man die beiden kombiniert.

Schlitteln auf der Wasserfallen, ein Spaziergang zur Arlesheimer Ermitage oder ein Restaurantbesuch hat wohl jeder aus der Region schon einmal gemacht. Aber Ferien im Baselbiet? Das kommt wohl kaum bis gar nicht vor. Das Baselbiet ist eine Ausflugs-, aber keine Feriendestination. Dies gilt mit Einschränkungen auch für den Stadtkanton. Nur wirklich Kulturbegeisterte dürften tagelang die Museen der Stadt abgrasen, und nach dem dritten Mal ist Fährifahren zugegebenermassen auch nicht mehr so spannend.

Genau da würde die Stärke einer touristisch gemeinsam vermarkteten Region liegen. Zusammen bieten Stadt und Land eine Vielfalt, die es locker mit vergleichbaren Regionen aufnehmen kann. Vor allem wenn man den Gedanken weiterspinnt und noch eine Weintour im Südbadischen und einen Flammkuchen im Elsass mit einplant. Plötzlich hat man statt ein paar Tagesausflügen ein anschauliches Ferienpaket zusammen. Aus aktuellem Anlass ein anschauliches Beispiel: Nach dem Besuch am «Chienbäse» gibt es in Liestal einen kleinen Umtrunk mit anschliessendem Nachtessen. So gestärkt nimmt man den Zug in die Stadt und besucht den «Morgestraich». Zur Regeneration geht es anschliessend für zwei Tage in den Schwarzwald zum Wellnessen, bevor am Mittwoch nochmals die volle Ladung Fasnacht ansteht. Zum Abschluss kann man noch zwischen einem Tag Hochkultur und einem Abstecher in eine der pittoresken Altstädte im nahen Ausland wählen. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Damit würde man deutlich mehr Leute holen als mit Bauernmarkt und einer Ausstellung zu Kunstschreinerei.

Schweizweit geht der Trend in Richtung regionale Vermarktung. Es macht keinen Sinn, dass die beiden Basel ausgerechnet hier auf ihrer Eigenständigkeit beharren. Zumal jenseits des Belchen sowieso keiner mehr den Unterschied kennt.

Das kleine Kätzchen würde vom Monster verspeist

Eine Fusion hätte nur einen Gewinner: Basel-Stadt. Werbung fürs ländlich-idyllische Baselbiet würde im Stadtlärm ungehört verpuffen.

In einem Punkt haben die Befürworter einer Fusion der beiden Tourismus-Organisationen von Stadt und Land recht. Und zwar NUR in einem Punkt: Es ist ein Lebensraum, die Kantonsgrenzen spielen im Tourismus keine Rolle. Ob sie nun in Basel oder Baselland sind, können die meisten Touristen sowieso nicht unterscheiden. Für ausländische Gäste ist letztlich alles bloss «Basel».

Und doch wäre eine Fusion der beiden Betriebe ein grosser Fehler – aus Sicht des Baselbiets. Denn seien wir ehrlich: Das riesige Monster Basel Tourismus würde das kleine Kätzchen Baselland Tourismus mit Haut und Haar verspeisen. Nichts würde mehr übrig bleiben vom Baselbieter Team, das mit gerade einmal 270 Stellenprozenten versucht, den Landkanton sichtbar zu machen. Es würde innerhalb der Basler Strukturen in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Zu dominant wäre die Stadt mit ihrer zugegebenermassen weit grösseren Ausstrahlung. Und zu wichtig, als dass man für die Bewerbung des ländlichen Nachbarn irgendwelche Ressourcen vergeuden würde. Und diese Befürchtungen sind nicht aus der Luft gegriffen: Bevor Baselland Tourismus 2001 gegründet wurde, war Basel-Stadt für die Vermarktung des Landkantons zuständig. Die Vorgängerorganisation Verkehrsverein Baselland musste dafür zahlen, war allerdings alles andere als zufrieden, was dabei an Werbung raussprang.

Zudem sind die beiden Organisationen völlig unterschiedlich ausgerichtet. Nur der naivste Optimist glaubt daran, dass Baselland für Japaner oder Amerikaner ein Ausflugsziel darstellen könnte, wie die Kultur- und Messestadt Basel eines ist. Stattdessen liegt der Fokus auf Ausflügen von Nordwestschweizern und grenznah wohnenden Deutschen und Franzosen sowie dem Seminartourismus. Die Idee einer Fusion kramen Baselbieter Linke alle paar Jahre wieder hervor. Belassen wir sie doch dort, wo sie hingehört: in die Mottenkiste.