Sollen über 16-Jährige in Jugendzentren Alkohol trinken dürfen? Ja, findet der Basler Grosse Rat. Er möchte das gesetzliche Alkoholverbot in Jugendzentren aufheben. Es sei veraltet und nicht wirkungsorientiert, argumentiert der Motionär Thomas Gander (SP). Ende Dezember hat eine Gruppe das Referendum ergriffen. Die 2000 Unterschriften für eine Volksabstimmung waren in Rekordfrist gesammelt. Am Freitag hat das Referendumskomitee der Staatskanzlei über 4000 Unterschriften übergeben.

Das Alkoholverbot ist selbst in Fachkreisen umstritten. Die Jugend Arbeit Basel (Juar), die sieben Jugendhäuser betreibt, unterstützt eine Aufhebung. Das «totale Ausklammern der ‹Realität Alkohol› im jugendkulturellen Alltag» wirke weder präventiv noch vertrauensbildend. Wenn man an speziellen Anlässen Alkohol verbiete, würden die Jugendlichen ihn irgendwo verstecken oder zuhause «vorglühen», sagt Guido Morselli, Co-Stellenleiter der Jugendarbeit Basel-West. «Wir im Jugendzentrum haben dann keine Kontrolle mehr darüber, wie viel und was diese Jugendlichen getrunken haben.»

Der Druck, cool zu sein

Anders sieht es im Jugendzentrum E9 in Basel aus. Das Haus ist alkoholfrei. «Nicht wegen eines gesetzlichen Verbots oder einer absoluten Haltung, sondern weil wir überzeugt sind, dass Jugendliche Orte brauchen, an denen es keinen Alkohol gibt», sagt Geschäftsführer Miladin Matic. Der Gruppendruck sei im Jugendalter besonders hoch. «Wenn Jugendzentren keinen Alkohol ausschenken, ist der Druck mitzumachen, weil es cool ist, kleiner.» Auch entwicklungspsychologisch sei Alkohol nicht zu unterschätzen. Im Gehirn verändere sich sehr viel im Jugendalter. So sei beispielsweise die Impulskontrolle geschwächt. «Die Gefahr des unangepassten Übertreibens – auch im Zusammenhang mit Alkohol – ist hoch.»

Aber auch die E9 kann die «Realität Alkohol» nicht einfach ausblenden. Das Thema müsse so oder so gut begleitet werden. Im Zusammenhang mit dem Grossratsentscheid und dem Referendum hätten einige Jugendliche gefragt, wie es in Zukunft mit Alkohol aussehe. «Wir erklären ihnen dann, weshalb es in der E9 weiterhin keinen Alkohol gibt und dass man auch ohne Alkohol einen schönen Abend verbringen kann», sagt Matic. Trotzdem tauchen in der E9 auch Jugendliche auf, die zuhause oder draussen vorgetrunken haben. «Das sind Einzelfälle», betont Matic. Diese Jugendliche würden die Jugendarbeiter nicht wegschicken: «Wir suchen das Gespräch.»

Alkohol bleibe in Jugendzentren auch ohne gesetzliches Verbot eine Ausnahme, sagt Morselli. «Wir eröffnen sicher keine Bars in den Jugendzentren der Juar.» Es gebe Quartiere, in denen Alkohol für die Jugendlichen überhaupt kein Thema sei. Als Beispiel nennt er das Jugendzentrum Bachgraben, in dem es im letzten Jahr gar keine Veranstaltung mit Alkohol gab. Im Jugendzentrum Neubad seien es zwei bis vier Anlässe jährlich. Wenn Jugendliche im Jugi Alkohol ausschenken, besprechen die Jugendarbeiter mit ihnen die Regeln. Das sei Teil der Prävention. «Sie müssen sich an das Jugendschutzgesetz halten und lernen, welche Konsequenzen es hat, wenn sie das nicht tun», sagt Morselli.

Kultur des Feierns ohne Alk

Luzia Zuber kann die Argumente gegen ein Verbot nachvollziehen. Der Präsidentin des Vereins E9 Jugend und Kultur geht es aber vor allem um die Signalwirkung, die eine gesetzliche Lockerung hat: «Es zeigt den Jugendlichen, dass es gar nicht so wichtig ist, sorgfältig mit Alkohol umzugehen.» Stattdessen sollte den Jugendlichen «eine Kultur des Feierns ohne Alkohol» mitgegeben werden. Ihr macht Sorgen, dass Alkohol heute für viele Jugendliche zu einem Fest dazugehört. Sie wünscht sich, dass man junge Erwachsene besser schützt. «Dazu brauchen sie Freiräume, wo der Alkohol bewusst draussen gelassen wird.»

Ein Ja zum Verbot, mit allfälligen Ausnahmeregeln in der Verordnung, sei mit einem «enormen administrativem Zusatzaufwand» verbunden, sagt Morselli. «Da die Juar vom Erziehungsdepartement subventioniert ist, reicht es vollkommen, wenn wir mit den Zuständigen eine Vereinbarung haben und nicht jeden Anlass extra bewilligen lassen müssen.» Was am Ende im Gesetz steht, wird nun das Basler Stimmvolk entscheiden.