Basler Bürgergemeinderat
Sollen sich Basler Zünfte für Frauen öffnen? – Emotionale Debatte wurde vor allem von Männern geführt

Am Dienstag gab es für den Basler Bürgergemeinderat gleich zwei wichtige Debatten zu führen. Emotionale Voten wurden darüber geführt, ob Frauen ein Recht auf einen Eintritt in Zünfte haben sollen.

Benjamin Rosch
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Für Männergesellschaften weht ein neuer Wind: Basler Zünfte am Sächsilüüte.

Für Männergesellschaften weht ein neuer Wind: Basler Zünfte am Sächsilüüte.

Roland Schmid

Jan Goepfert, Raoul Furlano, Patrick Winkler. Alexander Gröflin, Jürg Stöcklin, Lorenz Nägelin. Thomas Müry und Joël Thüring, sowie Alex Klee und Claudius Gelzer. Zwar ging es in der Sache um die Frau, das Wort dazu hatten aber vor allem die Männer. Am Dienstag hatte der Basler Bürgergemeinderat gleich zwei wichtige Debatten zu führen. Vaterschaftsurlaub und das Recht von Frauen auf einen Eintritt in Zünfte waren in den Fokus der Medien geraten in diesem Gremium, das sonst meist unter dem Radar der Politbeobachter fliegt.

In beiden Geschäften war der Druck auf die Bürgerlichen zu gross, als dass die üblichen Mehrheitsverhältnisse eine Rolle gespielt hätten. Bereits das erste Geschäft des Tages liess linke Hoffnungen aufkeimen. Der Bürgergemeinderat beschloss einen Auftrag an den Bürgerrat, den Vaterschaftsurlaub für Angestellte der Bürgergemeinde von fünf auf zehn Tage zu erhöhen. Damit zieht die Bürgergemeinde als Arbeitgeber mit dem Kanton Basel-Stadt gleich, betroffen sind im Schnitt etwa 13 Familien. Vertreter von LDP, FDP und SVP wollten erst eine nationale Debatte abwarten, unterlagen jedoch in einer äusserst knappen Abstimmung.

Danach forderte die SP vom Bürgerrat zu prüfen, bis wann und wie die Gleichstellung von Frau und Mann in der Ordnung der Zünfte und Ehrengesellschaften verwirklicht werden könnte. Obwohl manche Zünfte Ausnahmen kennen, erlauben viele Gesellschaften Frauen keine Bewerbung. «Dabei haben Zünfte und Ehrengesellschaften einen öffentlich-rechtlichen Charakter, deshalb sind sie an die Verfassung und damit die Gleichstellung gebunden», sagte SP-Vertreter Jan Goepfert.

Dieser Umstand wird im Allgemeinen von den Zünften auch nicht bestritten. So nennt sich auch die Zunft zum Goldenen Sternen auf ihrer Website eine «öffentlich-rechtliche Kooperation». Meister Raoul Furlano bezweifelte jedoch genau dies in seiner Funktion als LDP-Bürgergemeinderat: «Das ist juristisch umstritten.» Ferner seien auch Buben, Männer und Väter zu unterstützen, schloss er in seinem Plädoyer – knapp 20 Minuten, nachdem er gegen den Vaterschaftsurlaub gestimmt hatte. In derselben argumentativen Zwickmühle befanden sich auch Vertreter der SVP, was ihre Gemüter stark erhitzte. «Ich unterstelle Ihnen jetzt mal, dass Sie ein Mann sind», liess sich Joël Thüring gar zu einer flapsigen persönlichen Attacke gegen Goepfert hinreissen. Andere Bürgerliche stellten sich offen gegen ihr Lager, am prominentesten tat dies Christian Egeler (FDP): «Es geht nicht darum, Zeichen zu setzen. Es geht darum, die Zeichen der Zeit zu erkennen.»

Kein Zwang

Auf linker Seite sprachen keine Frauen. Von den Bürgerlichen sprachen sich hingegen Patricia von Falkenstein (LDP) und Beatrice Isler (CVP) gegen einen «Zwang gegenüber den Zünften aus». Damit liegen sie jedoch nicht ganz richtig: Selbst wenn der Bürgerrat nun eine Vorlage zur Gleichstellung ausarbeitet, müssen Zünfte und Ehrengesellschaften auch in Zukunft nicht einfach weibliche Bewerberinnen aufnehmen – über alle Neuaufnahmen dürfen sie selber entscheiden.

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