Universität Zürich
Sollte sich die Uni Basel ein Beispiel an Oerlikon nehmen?

In Zürich funktioniert die Aufteilung auf verschiedene Campus nach Anlaufschwierigkeiten einwandfrei – sowohl an der Uni als auch an der ETH. Das Modell könnte ein Vorbild für den Umzug von ca. 3000 Studenten der Universität Basel nach Liestal sein.

Andreas Fahrländer
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Die ETH Zürich beschloss 1957, einen neuen Standort ausserhalb der Stadt zu suchen. Unter Protest wurden in den Siebzigerjahren zahlreiche Institute vom Zentrum auf den neuen Campus auf dem Hönggerberg verlegt. Heute entsteht hier die «Science City».

Die ETH Zürich beschloss 1957, einen neuen Standort ausserhalb der Stadt zu suchen. Unter Protest wurden in den Siebzigerjahren zahlreiche Institute vom Zentrum auf den neuen Campus auf dem Hönggerberg verlegt. Heute entsteht hier die «Science City».

ETH Zürich / Alessandro Della B

Was die Uni Basel mit den Instituten im Baselbiet im Sinn hat, ist in Zürich längst gängig. Ab den Fünfzigerjahren suchten sowohl die ETH als auch die Uni Zürich aus Platznöten nach neuen Standorten. 1961 begann die ETH mit dem Bau des Campus Hönggerberg, wo seither Physiker, Architekten, Ingenieure, Chemiker und Biologen forschen und lehren. Der Campus wächst bis heute weiter und soll in naher Zukunft als «Science City» zu einem vollwertigen Stadtteil werden. Die ETH-Filiale auf dem Hönggerberg ist längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Die Uni Zürich eröffnete 1979 den Campus Irchel für die Naturwissenschaften im Norden der Stadt. Auch hier wird immer noch weitergebaut. Die Studentenzahlen steigen weiter, die beiden Hauptgebäude der ETH und der Uni im Hochschulquartier im Zentrum platzen schon wieder aus allen Nähten.

Bahnhof als Standortvorteil

2006 eröffnete die Uni deshalb einen dritten Standort beim Bahnhof Oerlikon. Politisch ist der Zürcher Stadtteil nicht mit der Kantonshauptstadt Liestal vergleichbar, als Hochschulstandort könnte Oerlikon aber durchaus ein Vorbild für Liestal sein. Die Reisezeit von der Uni Zürich Zentrum bis zum Campus in Oerlikon entspricht laut Fahrplanauskunft der SBB auf die Minute genau der Fahrzeit vom Basler Kollegiengebäude am Petersplatz bis zum Bahnhof Liestal – nämlich 26 Minuten von Tür zu Tür.

Oerlikon war einst nichts als ein kleiner Weiler bei Schwamendingen, bevor hier 1855 ein Bahnhof der Schweizerischen Nordostbahn gebaut wurde. 1876 nahm die Maschinenfabrik Oerlikon den Betrieb auf, das Bauerndorf wuchs dank des Eisenbahnanschlusses zu einem der wichtigsten Industriezentren des Landes. Die unmittelbare Nähe zum Bahnhof war auch ein Grund für die Ansiedlung der Uni im Jahr 2003. Nachdem zuerst die Soziologie und die Publizistikwissenschaften vom Zentrum hierher umzogen waren, kamen zahlreiche Institute dazu. Mittlerweile ist ein sozialwissenschaftlicher Campus entstanden – unter anderem mit Psychologie, Informatik, Ethnologie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften.

Pendelbus und Pendelpausen

Trotzdem finden nach wie vor manche Vorlesungen dieser Fächer im Hauptgebäude an der Rämistrasse statt. Um zwischen den beiden Standorten – und auch zwischen Hauptfach und Nebenfach – pendeln zu können, führte die Uni Zürich für alle Studenten neue Stundenpläne ein.

Das traditionelle akademische Viertel, der Vorlesungsbeginn «cum tempore», wurde geopfert für einen pendlerfreundlicheren Stundenplan mit zwei halbstündigen Pausen am Morgen und am Nachmittag. Das stiess anfangs manchen Studenten sauer auf, heute ist es kein Thema mehr. In beiden Pausen sowie mittags verkehren zwischen dem Standort Zentrum und dem Standort Oerlikon gratis Shuttlebusse der städtischen Verkehrsbetriebe VBZ – zusätzlich zu den guten Verbindungen mit Tram, S-Bahn und Schnellzug.

Von Vier zurück auf Zwei

Mittlerweile entsteht ein vierter Standort der Uni Zürich in Schlieren für die sogenannten Life Sciences. Auch dieser Campus liegt in Gehweite zum Bahnhof Schlieren, auch dorthin fährt ein Shuttlebus vom Zentrum aus. Längerfristig will sich die Uni aber wieder auf zwei Standorte am Irchel und im Zentrum konzentrieren.

Für die Studenten funktioniert die Aufteilung auf verschiedene Campus sowohl an der ETH als auch der Uni Zürich einwandfrei. Die Pendelpausen bieten Zeit, um von einem Standort zum anderen zu wechseln. Der anfängliche Unmut von Studenten und Dozenten ist längst verflogen.