Yann Sommer, sind Sie erleichtert, dass Ihr Wechsel nach Gladbach nun endlich offiziell ist?

Yann Sommer: Klar, die Erleichterung ist gross. Seit das Thema in den Medien ist, wurde ich von vielen Menschen darauf angesprochen. Ich durfte aber nie etwas sagen. Es ist auch gut in Bezug auf den Rest der Saison mit dem FCB. Die Nebengeräusche sind jetzt weg, ich kann mich wieder voll auf den FCB konzentrieren.

Wann gab es die ersten Kontakte zwischen Ihnen und Gladbach?

Gladbach hat Anfang Jahr beim FCB wegen mir angefragt. Ich bin froh, haben Sie den korrekten Weg gewählt und zuerst meinen Arbeitgeber angegangen sind. Als ich vom Interesse aus Gladbach gehört habe, habe ich mich riesig gefreut.

Wie schnell ging es bis zu Ihrer Unterschrift?

Alles ist relativ zügig vorangeschritten. Der FCB hat mir keine Steine in den Weg gelegt, wofür ich mich bedanke. Und für mich war schnell klar, dass Gladbach der richtige Klub für mich ist. Ich habe mir schon länger Gedanken über den Schritt ins Ausland gemacht. Es ist ja ein grosser Schritt in meinem Leben. Als dann Gladbach kam, hat einfach alles gepasst.

Warum ist Gladbach der richtige Klub?

Ich habe ja immer gesagt, dass für mich Geld nur eine Nebenrolle spielt. Viel wichtiger ist die Art des Fussballs, die in einem Klub gespielt wird, die sportlichen Ambitionen und was mein neuer Wohnort mir neben dem Fussball noch bieten kann. Gladbach ist ein familiär geführter Verein, viel erinnert mich an den FC Basel.

Wie gross war der Anteil von Lucien Favre, Sie zu holen?

Ich habe mit ihm nur einmal gesprochen, es war ein angenehmes Gespräch zwischen einem Spieler und seinem neuen Trainer. Dass er in Gladbach ist, ist schön, aber nicht entscheidend. Viel wichtiger war für mich, dass der gesamte Klub, also auch der Präsident und der Sportchef, mich holen wollten und mir sagten: Mit dir wollen wir in die Zukunft gehen.

Beim FCB haben Sie praktisch die Garantie, international zu spielen. Bei Gladbach wird der Europacup schwieriger zu erreichen sein.

Das ist wohl so, der FCB bietet sportliche Möglichkeiten, mit denen nur wenige Klubs in Europa mithalten können. Aber ich kann als Fussballer nicht sagen: Ich spiele nur bei Klubs, die immer im Europacup sind. Die Erfolge in der Champions League und in der Europa League mit dem FCB sind etwas, das erleben nur wenige Fussballer auf dieser Welt. Ich wollte schon immer ein neues Land kennen lernen und in eine Liga, in der alles viel grösser ist als in der Schweiz. Gladbach ist ein ambitionierter Klub und spielt einen sehr attraktiven Fussball. Noch was...

Ja?

Als Schweizer Goalie kann man nicht warten, bis die europäischen Topklubs Schlange stehen. Wer gibt mir die Garantie, dass sich im Verlauf des Frühlings noch ein Klub wie Real Madrid meldet? Wenn ein Klub wie Gladbach anklopft, muss ich mir ernsthaft Gedanken machen. Als Goalie sind die Chancen auf einen Wechsel sowieso kleiner, weil es nun mal nur einen davon in jeder Mannschaft braucht.

Im vergangenen Sommer war Fiorentina an Ihnen interessiert. Gab es jetzt neben Gladbach noch andere Interessenten?

Nicht dass ich wüsste. Mit Fiorentina damals wurde es auch nicht sehr konkret. Ich hatte noch nie so engen Kontakt mit einem anderen Verein als jetzt mit Gladbach.

Sie schwärmen von Gladbach. Haben Sie, seit Sie von dem Interesse wussten, regelmässig die Spiele der Borussia geschaut?

Nicht mehr als sonst. Aber wie jeder Fussballer und jeder fussballbegeisterte Mensch verfolge ich die Bundesliga regelmässig. Was ich da gesehen habe und die Entwicklung von Gladbach seit 2011, als sie fast abgestiegen sind, imponiert mir sehr.

Mit Granit Xhaka spielt bereits ein Schweizer in Gladbach. Haben Sie sich während Nati-Zusammenzügen bei ihm erkundigt?

Natürlich habe ich mit ihm gesprochen. Aber ich durfte nicht sagen, dass ich wohl nach Gladbach wechsle. Wir «Schweizer» unterhalten uns in der Nati sowieso regelmässig mit denen, die im Ausland spielen und lassen uns erzählen, wie es dort so ist.

Wie oft waren Sie bereits in Gladbach? Und haben Sie schon eine Wohnung gefunden?

Ich war zwei Mal dort und habe mir alles angeschaut. Das Stadion und die Trainingsanlage ist wunderschön, man kann dort den Fussball riechen. Und auch die Stadt und die Region gefallen mir. Im Umkreis von Gladbach gibt es acht grosse Fussballstadien, dort gibt es nur Fussball. Ich freue mich riesig darauf. Eine Wohnung habe ich noch nicht, dafür habe ich nach der Saison genügend Zeit.

Nehmen Sie Ihre Gitarre mit nach Deutschland?

Klar, die muss mit.

Gladbach steckt zurzeit in einer sportlichen Krise und verpasst wohl den Europacup. Beunruhigt Sie das?

Überhaupt nicht. Ich möchte auch nichts dazu sagen. Meine Zeit bei Gladbach beginnt im Sommer, bis dahin konzentriere ich mich voll auf den FCB. Wir haben schliesslich noch viel vor.

Deutschland gilt als «das Land der Goalies». Macht es Sie stolz, als Schweizer in der Bundesliga einen Platz zu bekommen, obwohl es dort Goalietalente wie Sand am Meer gibt?

Es zeigt, dass ich wohl nicht alles falsch gemacht habe in meiner Karriere. Für mich ist es eine grosse Herausforderung, mich als Schweizer im Goalieland Deutschland beweisen zu dürfen.

Man spricht bei Ihnen immer wieder von einer perfekten Karriereplanung. Sehen Sie das auch so?

Ich würde alles nochmals genauso machen. Natürlich gehört immer Glück dazu und dass die Verantwortlichen im Klub Vertrauen haben.

Gab es überhaupt schon einmal eine schwierige Phase in Ihrer Karriere?

Als ich damals als Nummer 1 von GC zurück zum FCB geholt wurde, war das nicht einfach. Ich wollte spielen und nicht hinter Franco Costanzo die Nummer 2 sein. Aber im Nachhinein war auch das die richtige Entscheidung. Der FCB hat mir früh signalisiert, dass er künftig auf mich setzt und in dem Jahr hinter Costanzo habe ich viel von ihm profitieren können.

Zum Schluss noch: Welche Tipps geben Sie Ihrem Nachfolger im FCB-Tor mit auf den Weg?

Tipps brauche ich keine zu geben. Ich kann nur sagen, dass der Job als FCB-Goalie sehr viel Spass macht. Es ist sehr angenehm, bei einem solchen Klub die Karriere voranzubringen. Jedenfalls wird es mir sehr schwer fallen, wenn ich das letzte Mal für den FCB im Einsatz stehe.