Horden von extremen Islamisten eroberten im Frühling 2012 den Norden von Mali, zerstörten mehrere zum Unesco-Welterbe gehörende Mausoleen in Timbuktu, steckten die Bibliothek mit vielen Handschriften in Brand. Die Dschihadisten versuchten eine strenge Form der Scharia durchzusetzen und setzten Musik unter einen Bann. Garba Touré packte seine sieben Sachen und floh mit seiner Gitarre unter dem Arm Richtung Süden in die Hauptstadt Bamako. «Wir mussten gehen, denn die Dschihadisten drohten uns Musikern die Hände abzuhacken und die Zunge abzuschneiden», sagt er im Film «They Will Have to Kill Us First».

Songhoy Blues treten in seine Fussstapfen, denn bluesige Anleihen gibt es auch in ihrer Musik. Das Quartett versteht sich aber als Rockband. Sie will nicht in die «Worldmusic»-Schublade gesteckt werden. Vielmehr wird ihre Musik mit dem Sound der Wüstenrockband Tinariwen verglichen. Raue, elektrisierende Sounds, treibende moderne Schlagzeug-Rhythmen, junge, energiegeladene Musik des jungen Afrika.

Für Versöhnung und Einheit

Die musikalische Tradition verleugnet Songhoy Blues aber nicht. Im Gegenteil: Songhoy Blues hat eine Mission und steht für die Kultur und die Identität der Region. «Songhoy» ist das Königreich, das im 14. Jahrhundert seine Hochblüte erlebte, sich über grosse Teile der Sahelzone erstreckte und alle ethnischen Völker vereinte. Die Band selbst setzt ein Zeichen gegen das Stammesdenken und für Einheit, Versöhnung und Frieden in Mali. Die Tourés kommen aus dem Norden und sind Muslime, Dembélé stammt aus dem Süden und ist katholisch. Die Botschaft: Musik kann alle Menschen vereinen und Frieden schenken.

Anfang 2013 wurde Timbuktu von französischen und malischen Truppen zurückerobert. Doch die Situation ist offenbar immer noch angespannt. Musik kann im privaten Rahmen inzwischen wieder gespielt werden, aber nicht öffentlich. An die Wiederaufnahme des «Festival au Désert», dem einstigen Wüsten-Woodstock von Timbuktu, ist aber noch nicht zu denken. Ein Konzert von Songhoy Blues in den Dünen der Stadt bleibt vorerst ein Traum. Bis dahin verbreitet Songhoy Blues ihre musikalische Botschaft des Friedens und der Verständigung in aller Welt. Am 11. August auch in Basel.

Do 11. Aug, 20.30 Uhr, IMFLUSS Festival.