Sie haben sich gemeinsam als Zweierteam beworben, mit ihrem Dossier überzeugt, Stresstests bestanden und von Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann den Zuschlag erhalten: Sonja Kuhn und Katrin Grögel werden ab Januar 2018 die Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt leiten.

Sechs Monate hat die Suche gedauert. 53 Personen hatten sich für die Nachfolge von Philippe Bischof beworben, der im April zum neuen Direktor der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia ernannt worden war. Drei Bewerbungen schafften es in die engste Auswahl. Rat holte sich Ackermann bei externen Fachleuten, hinzu kam ein Assessment, bei dem Management- und Teamfähigkeit auf die Probe gestellt wurden. Dass sie sich am Ende für diese interne Lösung entschied, habe sich von Beginn weg angedeutet, offenbarte Ackermann: Kuhn und Grögel hätten das überzeugendste Dossier eingereicht: «Ob eine Bewerbung von innen oder aussen kam, war dabei kein Kriterium. Sie waren einfach die besten Bewerberinnen.»

Mit internem Interesse habe sie zwar gerechnet, dass aber ein Zweierteam antreten würde, sei auch für sie überraschend gekommen, sagt Ackermann.

Katrin Grögel (*1970) stiess 2013 zur Abteilung Kultur, als Projektleiterin in den Bereichen Bildende Kunst, Film und Digitale Kultur. Sonja Kuhn (*1968) wurde im August 2016 als Stellvertreterin von Philippe Bischof eingestellt und leitete Förderstrategien und Projektplanungen. Gemein ist beiden ein Phil-I-Studium, sie haben unter anderem in Kunstgeschichte abgeschlossen und bringen Erfahrungen in Leitungsfunktionen mit.

Gemeinsam verantwortlich

Darauf angesprochen, weshalb sie sich nicht einzeln beworben hätten, sagt Grögel, dass sie von Beginn weg an eine Teamkandidatur gedacht habe: «Wir waren uns gleich einig.» Kuhn bestätigt dies und deutet an, dass auch familiäre Gründe gegen ein Vollzeitpensum gesprochen hätten.

Apropos Familie: Dass Kuhns Gatte Beat Aeberhard als Kantonsbaumeister ebenfalls in einer Kaderfunktion für Basel-Stadt tätig ist, hatte im Vorfeld für einiges Stirnrunzeln gesorgt. Wie sollen da Interessenskonflikte und Filzvorwürfe vermieden werden? «Indem ich in solchen Fällen, etwa gemeinsamen Sitzungen, in den Ausstand trete, und Katrin Grögel die Kulturabteilung vertritt», pariert Kuhn. Sie verweist darauf, dass es bisher noch nie zu einem Interessenkonflikt gekommen sei.

Ackermann spricht bei der Präsentation ihres neuen Leitungsteams nicht von Job-, sondern von «Topsharing». Ein neumodisches Wort für die Aufteilung einer Führungsfunktion: Die beiden Kulturchefinnen werden zu jeweils 70 Prozent angestellt, die bisherige Stellvertretungs-Stelle fällt weg. Grögel und Kuhn verstehen ihr Jobsharing solidarisch: «Wir sind gemeinsam für alles verantwortlich.»

Eine solche Doppelspitze ist ein Novum in der Kantonsverwaltung. «Das Präsidialdepartement beschreitet mit dieser innovativen Form bewusst neue Wege», sagt Ackermann stolz. Und sichtbar gelöster als noch vor vier Wochen, als sie die Interimsleitung des Naturhistorischen Museums zur definitiven Doppelspitze erklärte. Der Begriff «Topsharing» fiel damals nicht. Wohl auch, weil der Besetzung erfolglose Anwerbungsversuche Externer vorausgegangen waren.

Im Fall der Abteilung Kultur hingegen soll die interne Zweierbesetzung klar erste Wahl gewesen sein.

Noch keine Lösungen präsentiert

Was erhofft man sich von der Doppelspitze? «Im Dialog lassen sich bessere Lösungen und Möglichkeiten finden, Entscheidungen werden auf diese Weise auch breiter abgestützt.» Auf erste Lösungen wartete man bei der Präsentation des Duos allerdings vergeblich. Ja, die beiden Chefinnen mochten gestern trotz all der offenen Kulturbaustellen nicht von einer Krise reden, sondern von Chancen und Herausforderungen. «Wir haben Lösungen in der Schublade», lässt Kuhn durchblicken, «zuerst aber wollen wir mal gemeinsam starten». Immerhin: Eine Übergangslösung fürs unterfinanzierte Kunstmuseum soll bereits heute Donnerstag kommuniziert werden. Und die lang ersehnte Museumsstrategie bis Ende Jahr vorliegen.