Museum der Kulturen
«Sonne, Mond und Sterne» – Wenn der Himmel auf die Erde fällt

Das Museum der Kulturen in Basel zeigt in seiner neusten Ausstellung, was die Menschen alles in die Gestirne hinein interpretieren.

Mathias Balzer
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PK «Sonne, Mond und Sterne» «Sonne, Mond und Sterne» heisst die neue Ausstellung im Basler Museum der Kulturen
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PK «Sonne, Mond und Sterne» «Sonne, Mond und Sterne» heisst die neue Ausstellung im Basler Museum der Kulturen

Juri Junkov

Der Himmel ist ein Ort der Sehnsüchte, Träume und Spekulationen. Seit wir Menschen uns Geschichten erzählen, dient uns das Firmament als Inspirationsquelle. Seit wir Bilder unserer Welt gestalten, sind Sonne, Mond und Sterne fester Bestandteil unserer Kultur. Seit Anbeginn ist das Archiv dieser Geschichten und Bilder weltumspannend.

Das Museum der Kulturen in Basel hat sein Archiv durchforstet und aus den rund 320 000 Sammlungsgegenständen die Schau «Sonne, Mond und Sterne» konzipiert. «Wir haben rund 80 000 Werke gesichtet», erzählt der Kurator Alexander Brust. 202 Exponate sind nun in der Ausstellung zu sehen. «Uns ist klar, dass unser Blick auf dieses riesige Thema fragmentarisch bleibt», sagt Brust. Nichtsdestotrotz spannt die Schau einen Bogen über die Jahrhunderte bis in die Gegenwart. Wer jedoch einen weiten Blick in den Kosmos erwartet, sollte besser in ein Observatorium gehen.

Die Basler Schau dreht die Perspektive um. «Hätte die Ausstellung einen Untertitel, würde der lauten: ’Wir werfen einen Blick auf die Erde’», sagt der Kurator. «Mir geht es vor allem darum, zu zeigen, dass unsere Vorstellungen vom Kosmos immer Konstrukte unseres Bewusstseins sind.» Und somit ihrem Wesen nach spekulativ und unvollständig.

Am Lagerfeuer

Brust und seine Mitarbeiter haben die Schau über vier Räume verteilt und in ebensoviele Themenkreise gegliedert. Dabei kommt der Ausstellungs-
architektur eine tragende Rolle zu. Im grössten Raum hängen die Exponate an einem weitläufigen, gezackten Holz-
gerüst. Im nächsten Raum werden die Besucher durch blaue, spiralförmige Baukörper geführt. Im letzten Raum erwartet sie eine Drehbühne. Am Anfang steht eine Raumkapsel auf einem Abbild unseres Planeten. Hier werden die Besucher auf Videoscreens in die Thematik eingeführt. Wir sehen Mitarbeiter beim Aufbau der Ausstellung und können uns von ihnen einzelne Werke erklären lassen. Kurator Brust, augenzwinkernd als Ethnologe mit Safarihut am Lagerfeuer inszeniert, erklärt die Geschichte kosmischer Darstellungen, während sein Assistent den roten Stern auf einer San-Pellegrino-Flasche erläutert. Eine hübsche Inszenierung, welche die Spannweite des danach Kommenden ankündigt.

Götter, Raketen, Sonnenuhren

Auch wenn der Einstieg in die Ausstellung einen spielerischen Umgang vorgibt, ohne schriftliche Erklärungen zu den Exponaten kommt die Präsentation dann doch nicht aus. Das liegt jedoch in der Natur der Sache. So stammen beispielsweise die Bilder zum Themenkreis «Künstlerische Interpretation der Gestirne» aus Kamerun, Bali, China, Mexiko oder Australien. Ihre mythologischen Geschichten erschliessen sich uns nur durch die Bildlegenden. Vertraut und doch fremd sind uns dann die noch verpackten Modellbausätze, welche die amerikanischen und sowjetischen Raumfahrtabenteuer dokumentieren.

Zu ihrem Höhepunkt kommt die Ausstellung beim Thema «Erfassen der Zeit». Hier dokumentieren europäische Bauernkalender, Kalender aus Bali, aus dem jüdischen oder dem islamischen Raum, wie relativ Zeitmessung im Vergleich der Kulturen ist. Je nachdem, ob die Sonne oder der Mond als feste Messgrösse hinzugezogen werden. Spektakulär gesellt sich die Sammlung aus tragbaren Sonnenuhren, Taschenkalendern und archaischen Zeitmess-Systemen hinzu. Abgerundet wird dieser Sektor durch ein Ensemble von Kalender-Tafeln, hergestellt für die Maya-Herrscher im 8. Jahrhundert.

Im dritten Raum breitet die Schau Exponate von Götterstatuen und Amuletten aus. Dass das Museum auch Sonnenhüte und Sonnenbrillen aus unterschiedlichen Kulturkreisen sammelt, ist eine witzige Überraschung. Sehenswert ist vor allem das hölzerne, mit glas-
losem Sehschlitz versehene InuitModell, im hohen Norden seit 2000 Jahren im Gebrauch.

In die Gegenwart bringt uns dann der letzte Raum. Dort wird aufgezeigt, wie die Symbolik der Gestirne im Marketing eingesetzt wird. Auf der Drehbühne sehen wir die Heinekenflasche, neben dem Zweisterne-Leibchen des FCB, die «Cinque Stelle» von Beppe Grillo oder dem aufgehenden Sünneli der SVP. Darüber thront Obama mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping: Sie alle unterstreichen ihren Status mit Sternen. Obwohl die ja niemandem gehören, seit Menschengedenken.

«Sonne, Mond und Sterne»: Bis 20. Januar. Museum der Kulturen, Basel.