Stadt versus Land

Sorgen Baselbieter im Ausgang für mehr Gewalt in der Stadt?

Basel bei Nacht

Sind es wirklich die Baselbieter, die die Basel-Städtische Kriminalstatistik nach oben schnellen lassen?

Basel bei Nacht

Die Kriminalstatistik in Basel-Stadt zeigt nach oben – jene von Baselland nach unten. Und in der Stadt meint man, die Schuldigen zu kennen: Baselbieter im Ausgang seien es, die in der Stadt für mehr Gewalt verantwortlich seien. Unsere Experten fragen sich: Kann das sein?

Rampass ante portas: Eine Stadt sieht sich als Bauernopfer

Sie trinken, kiffen, spicken Pillen und verwüsten unsere Stadt: Die Basler Staatsanwaltschaft hat eine schwere Baselbieterphobie.

In Basel steigt die Zahl der Gewaltdelikte, weil sich Baselbieter – trunken von zahllosen Dosen Billigbier auf ihrer S-Bahn-Fahrt – in der Stadt aufführen wie weiland die Kreuzfahrer nach der Erstürmung Konstantinopels. Und dann fliessen erbrochenes Discounter-Gebräu und Blut in braun-rötlichen Bächlein in die granitgepflästerten Strassengräben. So in etwa präsentierte die Basler Staatsanwaltschaft letzte Woche die Lage.

Basel, der Hort der schöngeistigen Museumsgänger und der theatersüchtigen Humanisten, eine Geisel der prügelnden Horden, die von Buckten und Pratteln in die alte Stadt am Rheinknie einfallen? Im Baselbiet hat diese Erklärung für einige Erheiterung gesorgt, liegt doch Basel schon seit mehr als 2000 Jahren hier und das Umland ist auch nicht im letzten Jahr gebaut worden.

Aber zum Lachen ist das eigentlich nicht. Erstens: Gewalt ist nicht lustig. Zweitens, weil sich einmal mehr zeigt: Wenn ein Baselbieter Spass haben will, müssen die Städter dafür bezahlen. Zum dritten aber, und das ist dramatisch, sind die Städter offenbar nicht einmal mehr in der Lage, eine Prügelei anzuzetteln, ohne sich dafür externe Berater holen zu müssen.

Früher, in der guten alten Zeit, war Basel mitnichten gewaltfrei, aber es war heimisch produzierte Manneskraft, die für den samstagabendlichen Polizeieinsatz sorgte. Wenn die Hafenarbeiter im «Schiff» eine Glopferey veranstalteten, wenn im «Braunen Mutz» die Rugeli tief flogen und im «Alte Schluuch» der Schangi dem Werni Ranzeschnitte gab, dann war das Gewalt von Baslern für Basler in Basel. Geschlichtet durch einen Satz Hosespannis mit dem Gummibängel vom wackeren Schugger Faesch.

Heute haben wir dagegen ein sozio-kulturelles Problem aufgrund der mediterranisierten Nutzung des öffentlichen Raumes durch Jugendliche mit Agglomerationshintergrund. Oder so.

Hinter der Schuldzuweisung steckt eine fiese Unterstellung

So langweilig wie die Städter meinen, die auf der Karte «Ammel» suchen und nicht wissen, dass es Anwil heisst, ist das Baselbiet nicht.

Als John F. Kennedy würde ich nun sagen: «Ick bin aen Basellbieta!» Er konnte seinen «Bearlina» bringen, weil Kalter Krieg herrschte und er Partei ergriff. Zwischen Baselland und Basel-Stadt herrscht aber kalter Friede. Das ist viel heikler. Da will ich mir als zugewanderter Berner, als Migrant, nicht die Finger verbrennen. Wäre ich Basler, würde ich den Baselbietern die Schuld in die Schuhe schieben für die Fruchtfliegen, die heuer besonders früh die Küche unsicher machen. Und als Baselbieter wären für mich die Städter verantwortlich dafür, wenn ich mich beim Rasieren schneide. Nein, nein: Da bleibe ich lieber freundeidgenössisch neutral.

Aber bei der Wahrheit muss man dann doch bleiben. Es geht doch ganz klar in die Kategorie Fake News, wenn die Oberordnungshüter-Bebbi behaupten, die Schlägereien in ihren Gassen würden von Rampassen angezettelt, die am Wochenende wie die Fruchtfliegen das Basler Nachtleben aufmischen. Dahinter steht die ungeheuerliche Unterstellung, auf dem Land sei nichts los, weswegen die Flegeljugend in die Stadt ausweichen müsse: Wieder so ein mieser Trick, um unter dem Vorwand «Zentrumslasten» den finanziell nackten Rampassen in die Tasche zu greifen. Da kann man als Chronist nicht neutral bleiben.

Nichts los? Wer hat damals den Harassenlauf erfunden, der am Schluss mit Armeehelikoptern niedergekämpft werden musste? Und haben die Basler mal illegale Technopartys zustande gebracht, wie sie im Kaltbrunnental gefeiert wurden? Und ganz klar: Die tafeljurassische Ausgeh-Metropole ist nicht Basel, sondern Sissach! Da wurde in den wilden Jahren der
Easy-Räber-Generation der Hanf aus dem Alphorn geraucht. Heute wirds kaum anders sein.

Als neutraler Blauhelm muss ich also feststellen: Die Bezichtigung, Baselbieter hätten es nötig, in die Stadt zu fahren, um richtig einen loszumachen, ist einfach Stadt-arroganter Chutzemischt.

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