Trendwende
Sozialdemokraten in beiden Basel profitieren vom nationalen Rechtsrutsch

Nach 20 dürren Jahren gewinnt die SP auch in den beiden Basel plötzlich wieder Mitglieder. Nach Ereignissen wie den nationalen Wahlen oder der Durchsetzungsinitiative seien jeweils viele Eintritte verzeichnet worden.

Daniel Ballmer
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Brigitte Hollinger nimmt am Wahlsonntag im Oktober Glückwünsche entgegen.

Brigitte Hollinger nimmt am Wahlsonntag im Oktober Glückwünsche entgegen.

Kenneth Nars

Nein, einen eigentlichen Trump-Effekt können die Sozialdemokraten in den beiden Basel nicht feststellen. Anders als ihre Mutterpartei. Als Donald Trump Mitte November in New York seinen Wahlsieg als US-Präsident feierte, ging auch in der Berner Parteizentrale der Rummel los. Auf einen Schlag schrieben sich auf der Website Dutzende Neumitglieder bei der SP ein.

Beitritt nach Blocher-Wahl

Zeitweise seien rund zehnmal mehr Eintritte verzeichnet worden als an normalen Tagen. «Das ist sehr aussergewöhnlich», wird SP-Sprecher Michael Sorg im «Tages-Anzeiger» zitiert. Innerhalb von nur einer Woche konnten die Genossen so etwa 150 zusätzliche Mitglieder in ihren Reihen aufnehmen. Für Sorg ist klar: Es zeige sich, dass politische Grossereignisse wie die Trump-Wahl oder der Rechtsrutsch im Oktober 2015 die Leute aufrüttelten und ermutigten, sich zu engagieren.

Brigitte Hollinger kennt das: «Ich bin selber der SP beigetreten, als Christoph Blocher Bundesrat wurde. Ich habe es nie bereut, im Gegenteil», erklärt die Basler SP-Präsidentin. Auch im Stadtkanton hat die Trump-Wahl viele aufgeschreckt. Eine eigentliche Explosion der Mitgliederzahlen erlebt die Basler SP deswegen aber nicht. Der Anstieg dauert schon länger an. Seit Anfang Jahr werde ein Plus von über 80 Mitgliedern verzeichnet, erklärt der Parteisekretär der SP Basel-Stadt, Dariyusch Pour Mohsen. Mittlerweile liege die Mitgliederzahl bei 870 Personen.

Viele Eintritte seien nach den nationalen Wahlen verzeichnet worden – eine Gegenbewegung zum Rechtsrutsch im Bundesparlament. Oder nach der Abstimmung über die SVP-Durchsetzungsinitiative. Aber auch nach den kantonalen Wahlen im Oktober. Die Mobilisierung hat sicher auch beim zweiten Wahlgang vom Sonntag nicht geschadet.

«Alternative zu Abbaupolitik»

Ähnlich sieht es im Baselbiet aus: «Seit etwa einem Jahr legt die SP Baselland stark an Mitgliedern zu», betont Parteipräsident Adil Koller. Auch hier wird die Entwicklung auf die nationalen und kantonalen Wahlen zurückgeführt, bei welchen die SP ihren einzigen Sitz in der Baselbieter Regierung verloren hatte. «Die SP ist eine sichtbare Alternative zur Abbaupolitik, die von der Regierung und der Parlamentsmehrheit betrieben wird», kommentiert Koller. «Viele treten wegen des Rechtsrutsches in die Partei ein.»

Die Genossen sind überzeugt: Hier handelt es sich nicht nur um ein kurzes Aufflackern. Vieles deute darauf hin, dass die Partei nach 20-jährigem Mitgliederschwund eine Trendwende geschafft hat. Die SP Schweiz geht mittlerweile davon aus, dass sie im 2016 rund zwei Prozent zulegen kann. Damit schafft sie den Sprung über die Marke von 30 000 Mitgliedern. Und: Die schweizweite Entwicklung lasse hoffen, «dass dies ein längerfristiger Trend werden kann», sagt Pour Mohsen.