Salome Hofer, wie steht es um die Gleichberechtigung in Basel – insbesondere auch in der Politik?

Salome Hofer: In der Politik sind manche Parteien auf einem guten Weg. Es ist ohnehin schwierig, Menschen für die Politik zu begeistern. Auf Frauen muss man anders zugehen als auf Männer. Und das müssen die Parteien noch ein bisschen besser machen.

Inwiefern?

Frauen treten ein Amt wie das Grossratsmandat aus anderen Beweggründen an als Männer. Vielleicht, weil sie sich mehr für ein Themenfeld begeistern. Und sie brauchen mehr Sicherheit, das merke ich auch an mir selber. Ich brauchte die Gewissheit, dass mir Leute beim Einarbeiten helfen und ich die notwendigen Ressourcen auch tatsächlich freischaufeln kann. Männer sind in dieser Hinsicht vielleicht einfach etwas mutiger und unverfrorener. Das meine ich weder abwertend noch bewundernd. Ich glaube, das ist einfach so. Deswegen muss man das Amt vielleicht auch mehr erklären, Chancen wie Risiken.

Ist das auch für Ihre Generation von Frauen so?

Meine Generation von Frauen hatte die gleichen Ausbildungsmöglichkeiten. Wir werden uns gewisse Dinge einfach holen. Wir haben ein anderes Rollenverständnis.

Dagegen spricht die eher bescheidene, zuletzt sogar leicht rückläufige Frauenquote im Grossen Rat.

Vielleicht braucht es noch etwas Zeit und mehr Engagement der Parteien. Vielleicht hängt dies aber auch mit dem gesunkenen Ansehen der Politik zusammen. Das führt dazu, dass man sich den Einstieg in die Politik länger überlegt. Und da sind Frauen vielleicht noch etwas zögerlicher als Männer. Das spüre ich auch bei jungen Leuten.

Oder vielleicht ist die Geschlechterverteilung einfach auch nicht mehr so Thema? Warum braucht es mehr Frauen im Grossen Rat?

Das Parlament muss die Bevölkerung abbilden. Es braucht mehr Durchmischung, damit wir möglichst auf die Bevölkerung zugeschnittene Lösungen erarbeiten können. Frauen sind noch immer nicht adäquat abgebildet im Grossen Rat. Wie übrigens auch andere Bevölkerungsgruppen nicht, Junge etwa. Ich finde, es liegt im Interesse der Parteien, auch ihre Wählerschaft optimal abzubilden.

Wie stehen Sie zu Frauenquoten?

Ich halte nicht viel davon.

Als junge, linke Grossrätin eine erstaunliche Haltung.

Das hat stark mit meinem eigenen Hintergrund zu tun. Meine Generation hat andere Rahmenbedingungen als die Generationen davor. Ich möchte etwas erreichen, ohne dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, ich hätte es nur aufgrund der Quote geschafft. An unserer Generation Frauen führt ohnehin kein Weg vorbei! Ich will, dass sich die Entwicklung ohne starre Vorgaben fortsetzt.

Was ist Ihre persönliche Prognose für die Entwicklung der Gleichberechtigung?

Ich bin sehr zuversichtlich. Ich glaube, dass meine Generation andere Bedingungen an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik stellen wird als jene davor.

Was bedeutet Ihnen dieses Jubiläum, 50 Jahre Frauen im Grossen Rat?

Unglaublich viel. Ich konnte mit 18 Jahren als absolute Anfängerin und junge Frau im Riehener Einwohnerrat in die Politik einsteigen. Ohne die gesamte Vorarbeit der Frauen während jener Zeit wäre das nicht möglich gewesen. Deshalb bedeutet es nicht nur mir persönlich viel, sondern auch der Politik allgemein. Das muss man anerkennen.