Frau Soland, worüber unterhalten wir uns?

Ich habe den Begriff «Internet» gezogen.

Wann haben Sie letztmals Ihren eigenen Namen gegoogelt?

Das ist länger her. Aber ich habe es auch schon getan. Und es war etwas erschreckend.

Wie bitte?

Es geht um Bilder. Fotos von mir sind einfach nicht so toll. Wenn ich fotografiert werde, bin ich immer so angespannt. Und das sieht man dann wohl. Manchmal werde ich von Fremden auf der Strasse angesprochen, die sagen: «Sie sehen in echt ja viel besser aus!».

Dann gehören Sie nicht zu jenen, die jeden Tag Selfies auf Facebook posten?

Nein! Wobei, Selfies mit Freunden mache ich ab und zu. Aber die poste ich selten. Und auf Twitter halte ich mich noch weniger auf. Irgendwie blicke ich da nicht so durch. Auch wenn das gut wäre, gerade für Kurzstatements. Journalisten können sich schnell informieren, wer zu einem Thema welche Meinung hat. Ich muss mich da wirklich ein bisschen reinknien.

Würden Sie dabei von Ihrer Partei unterstützt werden?

Ja, klar. Bei der SP gibt es sehr Versierte im Umgang mit sozialen Medien, etwa Edibe Gölgeli. Sie weiss auch richtig gut Bescheid über Bildbearbeitungsprogramme, danach sehen wir auf dem Foto alle aus wie 22 (lacht). Im Rahmen von Wahlkämpfen werden einzelne bestimmt, welche die Haltungen der Partei oder News aus Veranstaltungen posten.

Sollte heute nicht jeder Politiker sehr versiert sein im Umgang damit und wie er sich da präsentiert? Während des Wahlkampfs im vergangenen Jahr nutzten viele Gross- und Regierungsräte Twitter intensiv.

Jeder soll Wahlkampf betreiben, wie er es am wirkungsvollsten findet. Ich gehe immer noch am liebsten auf die Strasse, verteile Flyer und rede mit den Leuten, direkt, von Angesicht zu Angesicht. Das finde ich deutlich spannender.

Das Gymnasium Leonhard will seinen Schülern das Tragen von Trainerhosen verbieten. Was für ein Kurzstatement würden Sie dazu auf Twitter abgeben?

Man muss noch genug lange im Leben mit einem Anzug rumlaufen. Die Schüler sollen es geniessen können, das zu tragen, worauf sie Lust haben.

Wie kleideten Sie sich als Teenager?

Nachdem ich die Hippie-Phase gestreift hatte, habe ich mich lange Zeit ganz schwarz gekleidet.

So im Gothic-Stil? Oder Punk?

Beides. Ich habe die Haare manchmal mit viel Haarspray aufgestellt. Und mein Nasenring, den ich heute noch trage, galt damals als schwer rebellisch. Die Lehrer waren mässig begeistert. Verboten haben sie mir meinen Stil aber nicht. Ich trage auch heute noch das, was mir gefällt. Sonst würde ich mich verstellen. Schwarze Kleidung mag ich immer noch. Und sie muss sowohl bequem als auch schick sein – Letzteres, weil ich in der Öffentlichkeit stehe. Kleidung signalisiert eine gewisse Wertschätzung, dass man seinen Beruf ernst nimmt.

Brauchen Sie morgens jeweils lange, bis Sie wissen, was Sie anziehen?

Nein. Ich bin zu faul, um mir darüber grosse Gedanken zu machen. Auch Shopping ist mir ein Gräuel. Am liebsten hätte ich
eine Stylistin, die mir jeden Tag passende Kleider zurechtlegt und mich ein bisschen «büschelet». Auch mit Accessoires wie Schmuck. Ich bewundere Leute, die das können, alles perfekt aufeinander abzustimmen.