Wohnvermittlung

SP-Grossrätin will mehr Studentenbuden statt leerstehenden Häuser

Das Haus «Zum Samson» am Petersgraben 20: Hier lebt seit dem 31.Mai illegalerweise eine Gruppe Besetzer. Muriel Mercier

Das Haus «Zum Samson» am Petersgraben 20: Hier lebt seit dem 31.Mai illegalerweise eine Gruppe Besetzer. Muriel Mercier

Die Besetzung des Hauses am Petersgraben 20 wirft Fragen nach dem Umgang mit alten Staats-Liegenschaften auf. SP-Grössrätin Sarah Wyss will die Leerbestände der studentsichen Wohnvermittlung zur Verfügung stellen.

Seit Ende Mai wohnen am Petersgraben 20, dem «Haus zum Samson», Besetzer. Obwohl Immobilien Basel-Stadt, der die Liegenschaft gehört, eine Anzeige erstattet hat, hat die Polizei bisher nichts unternommen. Dies bestätigt ihr Sprecher Martin Schütz auf Anfrage. Auch Barbara Neidhart von Immobilien Basel-Stadt (IBS) sagt: «Der Stand ist derselbe wie vor einer Woche.» Wann die Polizei die Liegenschaft räumen wird, liegt in der Entscheidungsgewalt des Polizeikommandos.

Damit kann SP-Grossrätin Sarah Wyss leben. Persönlich sei sie keine Befürworterin dieser Besetzung einer Liegenschaft, in der sich Kunstwerke befinden, die die Denkmalpflege für schutzwürdig hält, so Wyss. Und auch von anderen Politikern aus linken Kreisen hört man, es handle sich hier wohl um eine Racheaktion der Besetzer für die Räumung des Allschwilerweihers, wo die Besetzer bis Ende Mai lebten, und das besetzte Gebäude ebenfalls der IBS gehörte.

Mehr Wohnraum für Studenten

Wyss macht sich im Zusammenhang mit der Besetzung am Petersgraben aber ganz andere Gedanken. Und zwar über die Zusammenarbeit zwischen der IBS und der studentischen Wohnvermittlung WoVe. Diese hatte die Wohnungen im nun besetzten Haus zu Preisen von 200 bis 300 Franken an Studenten vermietet.

«Ich fände es gut, wenn die IBS der WoVe ihren Leerbestand zur Verfügung stellen würde; befristet, wie es am Petersgraben auch der Fall war», meint Wyss. So würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Studenten hätten günstigen Wohnraum, und die IBS könne sicher sein, dass die Liegenschaften nicht besetzt würden.

«Zwischen der WoVe und der IBS hat es nie Probleme gegeben», betont Wyss. Dieser Aussage schliesst sich auch Neidhart an und sagt: «Wir arbeiten intensiv mit der WoVe zusammen, daran hat sich nichts geändert und wird sich nichts ändern.»

Denkmalpflege brauchte Platz

Dass die Studenten am Petersgraben hätten ausziehen müssen, habe nichts mit irgendwelchen Misstönen zu tun: «Die Denkmalpflege kann ein Haus nicht im bewohnten Zustand begutachten. Deshalb mussten wir den Mietern kündigen.» Und die Begutachtung sei Pflicht gewesen, da das Haus in der Schutzzone steht, die sich über die ganze Innenstadt erstreckt.

Wyss kritisiert in einer Anfrage, die sie heute im Grossen Rat einreichen wird, aber auch, dass die Kündigung schon vor zwei Jahren erfolgt und das Haus nun zu lange leer gestanden sei. Diesen Vorwurf versteht Neidhart, liefert aber auch gleich die Erklärung: «Die Arbeit hat sich in die Länge gezogen, weil die Denkmalpflege immer neue Sachen fand, die sie genauer untersuchen musste.»

Dabei handelt es sich vor allem um Bemalungen an Holzbauteilen und auf dem Putz in verschiedenen Wohnungen.

Diese Malereien sind auch der Grund, weshalb die IBS über die Besetzung keineswegs erfreut ist. Die Angst, die Besetzer könnten die Baudenkmäler beschädigen, ist gross. Am Termin für den Beginn der Umbauarbeiten habe sich noch nichts geändert, so Neidhart weiter: «Wir sind jetzt daran, die Submissionen auszuschreiben. Ziel ist es immer noch, im Spätsommer mit dem Bau beginnen zu können.»

Bis dahin sollte auch Grossrätin Wyss Antworten auf ihre Fragen an IBS bekommen haben.

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