«Jetzt geht’s los. Bei mir kribbelt’s», sagte Eva Herzog in ihrer Rede, bevor sie die Delegierten der Basler SP zur Kandidatin per Akklamation als Ständeratskandidatin für die Wahlen im Herbst kürten. «Ich will unbedingt nach Bern.» Die Nomination der Basler Finanzdirektorin war keine Überraschung. Herzog war die einzig verbliebene Kandidatin, nachdem Nationalrat Beat Jans vor einem Monat seinen Anspruch aufgegeben hat. Die Sache war so klar, dass es keine Wortmeldung gab, als es an die Fragerunde ging.

Herzog, die bis weit ins bürgerliche Lager geschätzt wird, tritt gegen LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein an. Sie gilt als Favoritin für die Nachfolgerin der langjährigen SP-Ständerätin Anita Fetz. Eigentlich hatte Herzog schon vor vier Jahren mit dem Stöckli geliebäugelt. Damals bewilligte die Parteibasis aber Fetz eine weitere Amtszeit. «Die Blockadepolitik der letzten Jahre setzt die gute Ausgangslage der Schweiz aufs Spiel», sagte sie und betonte die Erfolge der rotgrünen Regierungsmehrheit in Basel.

Altbekannte und ein Überraschungskandidat

Als letztes Traktandum nominierte die SP ihre fünf Kandidaten für den Nationalrat. Vier der begehrten Plätze auf der Liste wurden bereits im ersten Wahlgang vergeben. Das Top-Resultat holte der Bisherige Beat Jans vor Mustafa Atici, der damit bereits zum vierten Mal in Folge für den Nationalrat kandidiert. Auch Eva Herzog und Sarah Wyss schafften den Sprung auf die Liste bereits im ersten Anlauf. Den letzten Sitz holte sich überraschend Christian von Wartburg, der sich parteiintern bereits zweimal beworben hatte, aber jeweils knapp gescheitert war. Er konnte mit einer flammenden und humorvollen Rede punkten.

Parteipräsident Pascal Pfister gab an der Delegiertenversammlung gleich den Tarif durch. Für die Wahlen im Herbst gibt es aus SP-Sicht zwei Ziele: Der Ständeratssitz soll in den eigenen Reihen bleiben. «Und im Nationalrat schickt Basel weiter drei Linke nach Bern», sagte Pfister. «Wir müssen unseren Beitrag dazu leisten, dass die rechtsbürgerliche Mehrheit in Bern gestoppt wird.» Die Basler SP vertrete die Anliegen der Basler Bevölkerung am besten, so der SP-Präsident mit Blick auf eine Reihe wichtiger Abstimmungen, welche die Partei in den letzten Jahren gewonnen hat – zuletzt vorletztes Wochenende, als die Spitalfusion abgelehnt wurde.

«Wir politisieren in der Mitte der Gesellschaft», betonte Pfister als Seitenhieb auf die neue bürgerliche Listenverbindung «Die Mitte» von GLP, EVP und BDP. Auch die Zürcher SP-Nationalrätin Min Li Marti unterstrich, wie wichtig die drei linken Parlamentarier aus Basel sind: «Die Städte sind der Erfolgsmotor der Schweiz. Gerade weil sie international und multikulturell sind. Es braucht mehr Stadt in Bern.» Mit Beat Jans, Silvia Schenker und Sibel Arslan (Basta) habe Basel bisher eine sehr starke Delegation gestellt, «und wenn ich die Liste ansehe, wird das auch künftig so sein».

Tür-zu-Tür-Wahlkampf

Der frühere Grossrat Philippe Macherel hatte zuvor die Ausgangslage vorgerechnet: «Vor vier Jahren haben mir viele gesagt, dass die Linken den dritten Sitz nie holen werden und es hat geklappt.» Dieses Jahr sei die Ausgangslage wieder vergleichbar, da die Bürgerlichen mit der neuen Listenverbindung rechnerisch im Vorteil sind. «Viele glauben, dass mit den neuen bürgerlichen Listenverbindungen ein Sitz weg ist.» Auf den ersten Blick sehe es ein bisschen bitter aus. Aber es gebe Sonderfaktoren: Die beiden Bisherigen von Daniel Stolz (FDP) und Markus Lehmann (CVP) hätten 2015 viele Stimmen aus anderen Lagern geholt - ebenso LDP-Kandidat Christoph Eymann als damaliger Regierungsrat. «Der dritte Sitz braucht immer eine Extraanstrengung.»

Die nötigen Stimmen will die SP mit einer Tür-zu-Tür-Aktion gewinnen. Geplant ist eine grosse Umfrage, um die Sorgen der Bevölkerung zu erfahren. Schwerpunkte will die SP in den Themen Krankenkassenprämien, Gleichstellung, Arbeit für alle, Klima und Wohnen legen.