Interview

SP-Politiker Roland Stark übt Kritik: «Im Präsidialdepartement kann man viel Unsinn anrichten»

Er blickt zurück auf Kolumnen und Karriere: Roland Stark (68).

Er blickt zurück auf Kolumnen und Karriere: Roland Stark (68).

Der SP-Politiker Roland Stark blickt zurück auf seine Karriere - und übt harsche Kritik an der Führung des Präsidialdepartements.

Sie haben einen Band mit Kolumnen veröffentlicht - und bekommen von allen Seiten Lob. Ist das nicht verdächtig?

Roland Stark: Meine Texte gefallen inhaltlich nie allen. Aber wenn man sie interessant und gut geschrieben findet, ist das doch ein erfreuliches Kompliment.

Mit Helmut Hubacher waren Sie die linken Feigenblätter einer sich immer weiter nach rechts bewegenden «Basler Zeitung». Hat Sie das nie gestört?

Ich habe ein gewisses Verständnis für diese Interpretation. Jedoch bin ich kein langweiliger Parteischreiber und es fühlen sich viele Leserinnen und Leser schön gleichmässig verteilt von links bis rechts betupft von meinen Kolumnen. Es scheint mir also alles in Ordnung.

Sie haben 1996 für die Basler Regierung kandidiert, wurden aber von der Partei nicht für den zweiten Wahlgang nominiert. Sind Sie der SP deswegen noch gram?

50 Prozent der Delegierten nahmen mich aus dem Rennen, weil sie Angst hatten, dass ich nicht gewählt würde. Die anderen 50, weil sie Angst hatten, ich würde gewählt. Ich finde das rückblickend eher amüsant, obwohl es ein politischer Blödsinn war. Ja, ich war sauer. Aber mein Groll ist schon sehr lange verflogen.

Also ist die Kritik an der eigenen Partei nicht verbunden mit der Enttäuschung über eine Politkarriere, der das Sahnehäubchen fehlt?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin mit meiner aktuellen Situation äusserst zufrieden. Ich habe eine tolle Familie und meine Politkarriere hatte mit den Präsidien des Grossen Rats und des Verfassungsrats durchaus schöne Höhepunkte.

Die neue Basler Verfassung - das ist eine perfekte Steilvorlage. Das darin neu geschaffene Regierungspräsidium ist offensichtlich eine Fehlkonstruktion. Was sagt der ehemalige Verfassungsratspräsident dazu?

Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass dieses Amt bislang von zwei Personen geführt wurde, denen die nötige politische Substanz fehlt. Wenn sich die grösste Partei - also die SP - aus dem Wettbewerb um dieses wichtige Amt abmeldet und den Posten einem kleinen Bündnispartner als Geschenk überreicht, ist das auch nicht sonderlich hilfreich.

Wieso sieht das Ihre Partei anders?

Es ist nicht zu bestreiten, dass die anderen Departemente über mehr Einfluss verfügen. Wobei man gerade jetzt beobachten kann, dass man auch im Präsidialdepartement viel Unsinn anrichten kann. So bedeutungslos ist das Amt also doch nicht.

Sie sind nun elegant der Frage nach der «Fehlkonstruktion Präsidialdepartement» ausgewichen.

Hinter dem damaligen Entscheid kann ich immer noch stehen. Der Verfassungsrat hätte aber das Amt nie und nimmer geschaffen, hätte er gewusst, dass es dereinst von politischen Leichtmatrosen besetzt wird. Einfluss bekommt das Regierungspräsidium nur durch eine Person mit politischem Gewicht.

Neben der amtierenden Regierungspräsidentin bewerben sich zwei weitere Frauen um das Präsidium. Wie schätzen Sie diese ein?

Esther Keller von den Grünliberalen macht auf frisch und unverbraucht - das ist natürlich ein etwas bescheidener Leistungsausweis. Stephanie Eymann anderseits kandidiert zwar offiziell für das Regierungspräsidium, wird aber wohl eher Polizeidirektorin werden.

Und der amtierende Polizeidirektor Baschi Dürr wird abgewählt?

Sein Stuhl wackelt sehr stark. Die FDP Basel-Stadt, Dürrs Partei, ist in einer miserablen Verfassung.

Und die SP?

...ist perfekt aufgestellt. Sie hatte zu einem Zeitpunkt schon Kandidaten und Konzepte vorliegen, da die anderen Parteien erst merkten, dass Wahlen anstehen. Dies ist ein Muster, das sich in Basel alle vier Jahre wiederholt. Ich glaube, die Bürgerlichen vergessen jedes Mal, den Wahltermin in ihre Kalender einzutragen.

«Stark!» Kolumnen in der Basler Zeitung von Roland Stark. Erhältlich in allen guten Buchhandlungen.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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