Nominiert
SP-Zugpferd Ruedi Rechtsteiner wiehert laut auf

Die Basler SP setzt auf Ruedi Rechsteiner – er ist mit seiner Partei aber nicht vollends zufrieden und äussert nun Kritik.«Als grosse Partei waren wir zu selbstsicher. Wir waren erfolgsverwöhnt,» so Rechtsteiner.

Andreas Maurer
Merken
Drucken
Teilen
ISt mit der SP unzufrieden - Ruedi Rechsteiner

ISt mit der SP unzufrieden - Ruedi Rechsteiner

Keystone

Eigentlich sollte Ruedi Rechsteiner Grund zur Freude haben. Der alt Nationalrat möchte im Basler Grossen Rat ein Comeback geben. Und die Genossen danken ihm mit Applaus: Sie nominieren das SP-Urgestein mit warmem Applaus für die Wahlen im Herbst.

Nach der Versammlung zupft Rechsteiner den SP-Präsidenten Martin Lüchinger aber genervt am Ärmel. «Die Basler SP muss expliziter werden», fordert er. Mit der Parteiversammlung, die ihn nominiert hat, ist er überhaupt nicht zufrieden: «Ich habe politischere Reden erwartet», kritisiert er im Nachhinein. Statt eines Wohlfühlanlasses hätte er sich eine kämpferischere Veranstaltung erhofft.

Am liebsten wäre Rechsteiner während der Versammlung aufgestanden und hätte seinen Genossen die Meinung gesagt. Am Abend seiner Nomination wollte er aber nicht zu brüsk auftreten und entschied sich für Zurückhaltung. Vor allem von SP-Vizepräsident Pascal Pfister, der vor der Nomination sprach, hätte Rechsteiner eine politischere Rede erwartet.

Er hätte pointierter aufzeigen müssen, weshalb es sich lohne, für die SP zu kämpfen, findet Rechsteiner. Und: «Wir müssen stärker als Organismus agieren.» Auf den Einwand, dass die SP-Delegierten dies alles wahrscheinlich schon wüssten, entgegnet der Ökonom: «Nein, viele wissen es eben nicht.

Viele sind heute zum ersten Mal an einer Nominationsversammlung.» Hätte Rechsteiner eine Rede gehalten, hätte er auch einige Giftpfeile nach Liestal geschossen: «Im Baselbiet sieht man, dass wegen der bürgerlichen Regierung alles schief läuft.» Als Beispiele nennt er die Finanzen und die Deponien.

Kritik an Rücktritten

Der 53-Jährige ist auch mit einem Teil der SP-Grossratsfraktion nicht zufrieden: «Mich nerven die Leute, die während der Legislatur nachrücken und jetzt aber nicht mehr antreten, obwohl sie endlich eingearbeitet wären.» Die SP brauche mehr Mitglieder, die sich in den Dossiers auskennen, Leserbriefe schreiben und einen langen Atem haben, fordert er.

Diese Aussage könnte man auch so auslegen: Die SP brauche mehr Leute wie ihn. Auch wenn aus Sicht des erfahrenen SP-Energieexperten die Nominationsversammlung seiner Partei viel zu brav war, wird er mehrere Aussagen von Pfisters Rede unterschreiben können. Der SP-Vizepräsident bezeichnete die Wählerverluste der letzten Jahre als «Schock» und «Schuss vor den Bug».

Den Hauptgrund diagnostiziert er so: «Als grosse Partei waren wir zu selbstsicher. Wir waren erfolgsverwöhnt.» Mit seinem Rezept spricht der SP-Vizepräsident dem alt Nationalrat aus dem Herzen: «Wir müssen als Partei einen Zacken zulegen. Wir müssen lauter werden.» Die SP setzt sich ein hohes Ziel: Sie will im Herbst eine rot-grüne Mehrheit im Parlament erreichen. Heute hat das linke Lager 46 von 100 Sitzen.

Dass die Basler SP den Wahlerfolg mit alten Haudegen wie Rechsteiner erreichen will, stösst bei einigen Grossräten nicht auf Begeisterung. Tobit Schäfer etwa kommt nach der Versammlung zum Medientisch und wiederholt seine Aussage, die er schon im Radio verkündet hat: «Es ist ein zweischneidiges Schwert.» Damit meint er, dass die alten Zugpferde junge aufstrebende Politiker verdrängen könnten.

Parteipräsident Martin Lüchinger winkt ab. Neun von 32 SP-Grossräten treten im Herbst nicht mehr an. «Deshalb hat es genügend Platz», meint er. Auch Rechsteiner hält nichts von etwaigen Bedenken: «Wir können auch nur Neue nominieren. Doch dann machen wir keinen Sitz.»