Aufruf
Spaghetti mit Ketchup

Ein bisschen mehr als 40 Prozent betrug die Wahlbeteiligung vor vier Jahren. Gerade bei den Wahlen vom 23. Oktober gibt es aber gute Gründe, die Unterlagen in die Urne zu werfen.

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch
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Das Basler Rathaus.

Das Basler Rathaus.

Micha Wernli

Unterhält man sich in Basel über die Wahlen, kriegt man immer wieder den gleichen Spruch zu hören: «Die einen kann ich nicht wählen, weil ich sie nicht kenne. Und die anderen kann ich nicht wählen, weil ich sie kenne!» Gerade in Basel ist der Kern dieses Bonmots noch ein bisschen wahrer als anderswo. Hier kennt man sich tatsächlich. Weil man nach dem Ändstraich schon vor dem Schnabel, nach dem Tattoo schon hinter der Kaserne und nach dem FCB-Match schon neben dem Stadion ein Bier zusammen getrunken hat.

Ohne in Floskeln zu verfallen: Es gibt gute Gründe, an diesen Wahlen teilzunehmen. Drei sollen hier aufgeführt werden:

1. Diese Wahlen werden richtig spannend

Vier Jahre waren die Mehrheitsverhältnisse im Grossen Rat jeweils knapp. In immer wieder neuen Allianzen wurden heikle Abstimmungen entschieden. Manchmal gaben lediglich die Abwesenden den Ausschlag, ob das Pendel nach links oder nach rechts schwang. Nun spitzt sich der Kampf Links gegen Rechts in diesen Wahlen zu – und zwar nicht nur im Parlament. Im Regierungswahlkampf geht es um nichts weniger als die Mehrheit in der Exekutive. Kann sich Rot-Grün weitere vier Jahre behaupten? Oder greift der bürgerliche Schulterschluss auch hier? Läuft Basel mit dem nationalen Trend? Oder doch eher mit dem Trend der Schweizer Städte? In diesem Wahlkampf können wenige Stimmen den Unterschied ausmachen.

2. Die Gewählten sind nur so gut wie ihre Wähler

Es ist im Prinzip ganz simpel: Je mehr Leute wählen gehen, desto höher ist die Legitimation für die Gewählten. Diese Erkenntnis ist natürlich nicht neu, doch sollte man sich dies einmal mehr vergegenwärtigen. Unsere Parlamentarier sind Volksvertreter – und als solche brauchen sie auch ein Volk, das sie vertreten können.

Es hilft nichts, sich darüber zu beklagen, dass sich die Politik vom Volk entfremde. Denn gerade an den eingangs erwähnten Orten, wo das Basler Volk zusammenläuft, ist auch viel Kritik an der Regierung, dem Grossen Rat und der Politik generell zu vernehmen. Doch hilft es nichts, lediglich dort, am Stammtisch oder an einer Demonstration seinem Zorn freien Lauf zu lassen.

3. Sie kennen ja sowieso alle Kandidaten!

Zunächst soll der anfänglich erwähnte Spruch entkräftet werden. Die Wahrheit ist nämlich: Sie kennen sowieso alle Kandidaten. Und zwar für Regierung und Parlament. Oder, besser: Sie können alle kennen. Die Medien, darunter auch die bz, haben für diese Wahlen die Politik immer wieder nach neuen Gesichtspunkten vermessen. Neue Regierungskandidaten wurden beim veganen Kochen porträtiert, beim Shoppen fotografiert, beim Bier inquiriert. Die Bisherigen wurden auf Ihre Leistungen und Verfehlungen genauso durchleuchtet wie die Parteien auf ihre Siege und Niederlagen. Radio, Fernsehen und Zeitung entging kein Rheinschwumm und kein Gitarrenschwung.

Jede Regung der Politprominenz auf Twitter oder an einem der unzähligen Podien wurde registriert. Es herrscht Transparenz: Die Kandidaten sind gefangen im Netz eines smarten Spiders. Sie sind Ihre Beute, und Sie dürfen sich obendrein noch jene aussuchen, die Ihnen am besten passen.

40 Prozent sind zu wenig

Sie haben die Wahl. 763 Politiker bewerben sich bei Ihnen für einen Platz im Grossen Rat. Also dort, wo in den nächsten vier Jahren um jeden Parkplatz gefeilscht, jeder noch so kleine Budget-Posten hinterfragt und die Schuldigen von kleineren und grösseren Skandalen in der Regierung zur Verantwortung gezogen werden. Wir haben sie in dieser Wahlbeilage nach Parteien, Wahlkreisen und alphabetischer Ordnung aufgelistet von all jenen, die ein Foto schickten, können Sie sich auch ein Bild machen.

Zudem werben elf Anwärter auf die Exekutive um Ihre Gunst. Also jene Ämter, die auch Ihr Leben im Grösseren oder Kleineren in den nächsten vier Jahren entscheidend beeinflussen werden. Bei den letzten Gesamterneuerungswahlen betrug die Wahlbeteiligung nur knapp über 40 Prozent. Als Baschi Dürr im zweiten Wahlgang in den Regierungsrat einzog, war schon November – und lediglich etwa ein Drittel der in Basel Wahlberechtigten nahmen ihr Recht wahr und gingen zur Urne.

Das ist zu wenig. Die Gründe von Nichtwählern sind schnell entkräftet:

Aus Protest nicht zu wählen, ist wie mit hartem Brot nach Tauben zu werfen.

Aus Desinteresse nicht zu wählen, ist wie Strom zu verschwenden, weil man die Erderwärmung eh nicht aufhalten kann.

Aus Faulheit nicht zu wählen, ist wie Spaghetti mit Ketchup zu essen, weil man den Dosenöffner nicht finden kann.

Bevor irgendjemand Verantwortung übernehmen muss, sind Sie an der Reihe. Am 23. Oktober gilt es. Sowohl in Parlament als auch Regierung werden die Mehrheiten neu verhandelt. Deshalb: Nutzen Sie Ihre Chance, machen Sie von Ihrem Recht Gebrauch und wählen Sie Ihre persönlichen Vertreter für Regierung und Parlament.

Die grosse bz-Wahlbeilage zum Downloaden:

bz Basel