300'000 Quadratmeter Basler Industriegeschichte werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in Wohn-, Arbeits-, Kultur- und Freiraumfläche transformiert. Unter dem Projekttitel «Klybeck plus» entwickelt der Kanton zusammen mit den Grundeigentümern Novartis und BASF das Areal zu einem neuen Stadtteil. Am Samstag präsentierten sie die Ergebnisse der Testplanung und luden die Bevölkerung zur zweiten Beteiligungsveranstaltung in der Kantine der Novartis.

Vier mit solchen Stadtplanungen vertrauten Büros wurden beauftragt, Vorschläge für eine mögliche Umgestaltung des Areals zwischen Rhein und Wiese zu unterbreiten. Dafür erhielten sie ein ganzes Pflichtenheft mit Vorgaben.

Das Team AS + P um Albert Speer aus Frankfurt am Main schlägt dabei die Erweiterung des Horburgparks mit einer Kleinmarkthalle vor. Zwischen der Verlängerung der Mauerstrasse und der Dreirosenbrücke soll ein «24-Stunden-Quartier» hin, das baulich verdichtet wird und in dem andauernd Betrieb herrscht. Der Vorschlag will dabei relativ wenig Bausubstanz erhalten und zielt auf viele Neubauten.

Ein neuer Platz fürs Kleinbasel

Im Gegensatz dazu arbeitet das Team Diener + Diener aus Basel sehr stark mit dem Bestehenden. Gebäude, wie etwa die Novartis-Kantine, die für das Quartier identitätsstiftend sind, werden belassen und in die neue Planung einbezogen. Charakterisierend ist der neue Klybeckplatz, auf dem durch verschiedene Nutzungen Leben entstehen soll.

«Das soll nicht nur ein kleiner Quartierplatz werden, sondern neben dem Messe- und dem Claraplatz der dritte grosse Platz im Kleinbasel», erklärte Kantonsbaumeister Beat Aeberhard. Die Wohnzone planen Diener + Diener vor allem entlang der Wiese mit Eintritt in die Langen Erlen. Die Mauerstrasse soll autofrei werden. Ob dies verkehrstechnisch realisierbar wäre, sei noch nicht nachgewiesen, so Aeberhard.

Der renommierte Berliner Architekturprofessor Hans Kollhoff beschränkt sich mit seinem Team auf wenige Elemente und eine Blockrandstruktur. Auch Kollhoff möchte den Horburgpark vergrössern und sieht in Richtung Rhein einen sternförmigen Platz vor, der über einen neuen Bootshafen direkt mit dem Fluss verbunden werden soll.

Das Team OMA aus Rotterdam ging mit einer ganz anderen Vorstellung an die Aufgabe heran. Es sieht für das Industrieareal eine lineare Planung vor mit verschiedenen Wohn- und Arbeitsformen in einzelnen Reihen.

Herausfordernd sei der Raum entlang der Wiese, da dieser gemäss Beat Aeberhard in Basel bisher vernachlässigt wurde. Zwischen Wiese und Rhein möchten die niederländischen Planer ein Kulturband realisieren. Eine Eventstruktur auf den Rhein hinaus soll dieses Band abschliessen.

Konkreter Zeitplan fehlt

Eine konkrete Einordnung der vier Vorschläge wollte Kantonsbaumeister Beat Aeberhard nicht vornehmen. Markus Oser, Arealentwickler bei der Novartis, stellte klar, dass die «Flughöhe», in der sich die Planung aktuell befinde, noch immer sehr hoch sei. «Es ist im Moment noch zu früh, um zu sagen, es geht in diese oder jene Richtung.»

Zudem sei noch nicht klar, wo und wie stark die Gebäude und Böden von der Chemie kontaminiert sind. Auch einen konkreten Zeitplan wollten die Vertreter des Kantons, Novartis und BASF nicht nennen. «Es gibt durchaus Potenziale und Bereiche innerhalb des Areals, die relativ schnell in Transformation gehen könnten», sagte Beat Aeberhard vorsichtig.

Als nächstes folgt die Synthesephase des Beurteilungsgremiums, zu dem unter anderem Stararchitekt Jacques Herzog gehört. Die Bevölkerung soll weiterhin eng in die Planungen einbezogen werden. Beim Beteiligungsverfahren wurde mehrfach der Wunsch laut, dass sich der Kanton um Flächen innerhalb des Areals bemüht und dabei aktiv wird.

Für die Firmen Novartis und BASF ist klar, dass die Transformation für sie als Grundeigentümer, die in die Dekontamination und den Rückbau der Industrieanlagen investieren, auch wirtschaftlich sein muss.