Ob die Bewohner von Holbein- und Bachlettenquartier nun religiöser sind als andere Baslerinnen und Basler, sei einmal dahingestellt. Aber an wenig anderen Orten ist die Vielfalt der Glaubensrichtungen deutlicher erlebbar, als wenn man einen kleinen Spaziergang durch einen langen geraden Strassenzug hinaufmacht.

Wir beginnen an der Holbeinstrasse, wo die Marienkirche steht. Der Name lässt es erahnen, hier gehen jene Christen zur Kirche, die sich als römisch-katholisch bezeichnen. Im Innern eine Oase der Stille, Kerzenlicht und eine aufgeschlagene Bibel unter dem Antlitz Jesu. Gebaut wurde die Kirche 1886 im neuromanischen Stil mit drei Schiffen und einem Querhaus. Wer sich im Innern an das östliche Mittelmeer erinnert fühlt, der liegt goldrichtig. Das Innere, mit seinen vier mächtigen Marmorsäulen, ist neubyzantinisch angelegt und ausgestaltet. Die Marienkirche war übrigens die erste neu gebaute katholische Kirche nach der Reformation.

Zurück zu den Wurzeln

Auf dem Weg die Leimenstrasse hinaus wird auch den Anhängern anderer Religionen als der grossen drei monotheistischen Buchreligionen etwas geboten: Yogastudios, Zen-Dojos und philosophische Lebensberatungen gibt es an der Leimenstrasse auch. An der Ecke zur Eulerstrasse aber liegt unser nächstes Ziel: Die grosse Basler Synagoge der Israelitischen Gemeinde. Auch sie stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und auch hier ist der neubyzantinische Einfluss unübersehbar: Den ersten Bau ziert eine zentrale Kuppel über dem Kreuzbau.

Noch vor der Jahrhundertwende erhielt die Synagoge eine Längserweiterung und damit auch eine zweite Kuppel. Auch hier lohnt sich ein Ausflug ins Innere, falls die Synagoge gerade für Besucher offensteht. Insbesondere der Blick an die fein verzierte Täferdecke ist ein Augenschmaus. Doch leider ist die «Syni», wie sie in der Gemeinde heisst, aus Sicherheitsgründen oft für Besucher geschlossen und gut bewacht.

Unauffälliges Alevitenlokal

In unmittelbarer Nachbarschaft treffen wir in einem unscheinbaren Ladenlokal auf das Kulturzentrum der Aleviten an der Kreuzung mit der Austrasse. Die Aleviten betrachten sich selbst als Teil des Islam, auch wenn orthodoxe Sunniten und Schiiten das anders sehen. Diese «irdische» Ausprägung des Islam definiert sich selbst sehr stark über Musik und Tanz. Kein Wunder dringen oft orientalische Laute durch die offene Türe. Da viele der in Basel lebenden türkischen Staatsbürger Kurden sind, ist die alevitische Gemeinde in der Stadt gross. Zu sehen gibt es im Kulturzentrum nur wenig, aber eben, dafür – besonders am frühen Abend – umso mehr zu hören.

Den Abschluss unseres religiösen Kilometers bildet der Prunkbau des Bachlettenquartiers schlechthin: die Pauluskirche, auf ihrer blumengeschmückten Insel zwischen Arnold-Böcklin-Strasse und Steinenring.

Das farbige Glasauge

Der Zentralbau ist auch hier kreuzförmig, dominant darüber thront der monumentale, fast schon an den Donjon einer Festung erinnernde Turm. In seinen Formen ganz im Stil der späten Romanik gehalten, mit der bis fast zum Bahnhof SBB sichtbaren Fensterrose ein Wegweiser in Richtung Bachlettenquartier. An der Fassade ist es vorbei mit der Romanik: Hier zeigt sich deutlich, dass die Pauluskirche in der Zeit des Jugendstils entstanden ist: Geflochtene Bänder ziehen sich die Türme hoch und auch das Relief von Christus auf der Hauptfassade, das Carl Burckhardt schuf, ist eindeutig ein Werk des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Und ein letztes Mal auf diesem Rundgang durch die Basler Religionsgeschichte sollte man eine schwere Türe aufstemmen: Der Innenraum der Pauluskirche ist schlicht, aber beeindruckend.