Naturschauspiel
Spektakel am Baselbieter Himmel: Nordlicht leuchtet bis in die Region

Das Naturspektakel Nordlicht zieht jährlich Zehntausende in den Norden. Auch der Baselbieter Marcus Bohler ist vom Polarlicht-Virus befallen. Kürzlich konnte er das Spektakel am Himmel über Sissach einfangen.

Muriel Mercier
Drucken
Teilen
Diese Aufnahme hat Marcus Bohler in der Nacht auf den 18.März von der Belchenfluh aus in Richtung Sissach gemacht.

Diese Aufnahme hat Marcus Bohler in der Nacht auf den 18.März von der Belchenfluh aus in Richtung Sissach gemacht.

Marcus Bohler

Einmalig. Ein riesiges Spektakel. Der Nachthimmel erleuchtet. Grüne Lichtstreifen flüchten über ihn hinweg – im Zickzack, als Spiralen oder Schlangenlinien. Es ist mucksmäuschenstill, die farbenreiche Explosion findet über den Köpfen der Zuschauer statt. Auch von Marcus Bohler, der das Szenario atemlos beobachtet. Er steht auf der Belchenfluh und blickt in Richtung Norden bis nach Sissach. Es verschlägt ihm die Sprache: Auf der Homepage der norwegischen Stadt Tromsø war ein Polarlicht der Stufe acht angekündet – die höchste Stufe liegt bei neun. Sofort war er sich sicher: Stufe acht ist so stark, dass man die Lichter auch in Basel und Umgebung sehen kann.

Der Hobby-Airbrusher hält seine Fotokamera immer bereit für spontane Einsätze.

Der Hobby-Airbrusher hält seine Fotokamera immer bereit für spontane Einsätze.

Nicole Nars-Zimmer

Die für Bohler einzigartige Nacht der Nächte war vom 17. auf den 18. März. Der 54-Jährige ist absoluter Polarlichtfan, wie er selber sagt. Deswegen sei es für ihn ein Muss, allabendlich die Homepage von Tromsø aufzurufen und die aktuellen Daten der Polarlichtaktivität zu prüfen. «Ich wollte an diesem Dienstagabend gerade schlafen gehen, als ich auf der Website virtualtromso.no sah, dass sich sämtliche Kurven beinahe am Anschlag befanden.» Mit «sämtlichen Kurven» meint er die Diagramme der Eruptionen auf der Sonne sowie diejenigen des geomagnetischen Sturms.

Von grün über rot bis violett

Bohler reagierte fix: «Ich habe warme Kleidung angezogen, meine Fotokamera eingepackt und bin losgefahren.» Kurz vor Mitternacht kam er auf der Aussichtsplattform der Belchenfluh an. «Zuerst habe ich nicht viel gesehen. Dann schimmerte rotes Licht durch, helle und dunkle Streifen tauchten auf. So habe ich gewusst: Das sind eindeutig Polarlichter.» Die tiefsten Lichter – etwa 80 Prozent – sind grün, je weiter nach oben sie sichtbar sind, erscheinen sie rot bis violett. Bohler hatte Glück, denn die Wolken hatten sich in dieser Nacht über Basel verteilt. Eine halbe Stunde dauerte das Spektakel, etwa 250 Bilder konnte er schiessen.

Bohler ist seit 1998 vom Polarlicht-Virus befallen. Infiziert hatte er sich bei einem Flug nach Los Angeles. «Wir flogen über Island und der Himmel erschien während dreier Stunden in grünem Licht.» Dennoch schaffte er es erst im Oktober 2013 nach Norwegen, wo vier Nächte Polarlicht auf ihn warteten. «Es ist faszinierend. Einen mystischeren Moment als dieses Lichtspektakel gibt es nicht.» Polarlichter entstehen jeweils in einer Höhe zwischen 80 und 300 Kilometern.

Nächste Chance erst im Jahr 2022

Und vor allem sind sie selten. Die Häufigkeit der Polarlichterscheinungen hängt von der Sonnenaktivität ab. Die Sonne durchläuft einen Aktivitätszyklus, der im Durchschnitt elf Jahre dauert. Das Maximum war 2011/2012. Jetzt ist die Sonnenaktivität wieder am Abflauen und wird erst im Jahr 2022/2023 wieder so stark sein, dass man die Lichter auch in der Region womöglich sehen kann.

So lange wird der Basler Polarlichtfan nicht warten. Im letzten Oktober zog es ihn erneut nach Schweden und Norwegen. Sein nächstes Reiseziel im Herbst soll Island oder Alaska sein. «In Alaska ist die Stimmung wegen der enormen Weite der Landschaft sicherlich noch einmal ganz anders», freut er sich.

Aktuelle Nachrichten